Natürlich nachhaltig

Nachfrage nach E-Autos steigt stetig an - Stadt setzt auf Elektromobilität

Wolfgang Siemons (r.), Verkaufsleiter Audi Nouvertné am Wasserturm, und Verkäufer Nik Lennartz vor einem Audi Q4 mit E-Antrieb. Sie beraten die Kunden in Solingen zum Thema Elektroautos. Foto: Christian Beier
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Wolfgang Siemons (r.), Verkaufsleiter Audi Nouvertné am Wasserturm, und Verkäufer Nik Lennartz vor einem Audi Q4 mit E-Antrieb. Sie beraten die Kunden in Solingen zum Thema Elektroautos.

Zahl der Pkw mit Elektromotor hat sich innerhalb eines Jahres fast verdreifacht.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. So gut wie lautlos und emissionsfrei fahren sie durch die Straßen. Waren die Autos mit dem E am Ende des Kennzeichens vor einigen Jahren noch selten, sind sie nun fast überall zu erblicken: E-Autos erobern den Automobilmarkt als nachhaltigere Alternative zum Verbrenner. „E-Autos werden sich in Zukunft durchsetzen“, sagt Wolfgang Siemons. Der Verkaufsleiter für den Bereich Audi beim Autohaus Nouvertné am Wasserturm hat schon seit einigen Jahren mit dem Thema zu tun.

In Solingen machten Elektroautos bis Juni 2021 einen Anteil von 4,2 Prozent aus. Davon sind allerdings nur 0,8 Prozent rein elektrisch. Bei den anderen handelt es sich um Plug-in-Hybride, bei denen neben dem Elektromotor auch ein herkömmlicher Verbrennermotor eingebaut ist. Alleine an den Zulassungszahlen lässt sich aber der Trend der vergangenen Jahre hin zum E-Auto ablesen.

Waren es 2019 noch 1022 E-Autos (hybrid und rein elektrisch) zugelassen, waren es Ende 2020 schon 1620 und bis einschließlich Juni 2021 bereits 4379. Zum Vergleich: In Remscheid fahren 304 rein elektrische und 410 Plug-in-Hybride. „Die Zahl der E-Autos hat sich innerhalb eines halben Jahres fast verdreifacht. Die Stadt Solingen begrüßt diesen Trend: Elektromobilität trägt mit dazu bei, verkehrsbedingte CO2-Emissionen zu verringern“, betont Stadtsprecherin Sabine Rische.

Warum werden immer mehr E-Autos gekauf?

Auch bei den Autohäusern macht sich die erhöhte Nachfrage bemerkbar. 2020 hat Nouvertné rund 23 Prozent der Gesamtverkäufe bei der Marke Audi als E-Fahrzeuge verkauft, im Jahr 2021 sind bereits 28 Prozent ausgeliefert, zähle man die bereits bestellten dazu, würden es mindestens 41 Prozent.

„Der Anstieg der verkauften E-Autos ist abgekoppelt von der Pandemie zu sehen, es geht vielmehr um ein ,Haben-wollen-Gefühl‘“, sagt Verkaufsleiter Siemons. Dabei gehe es privaten Kunden beim Umstieg vom Diesel oder Benziner nicht nur um die Förderung, sondern auch um das Umweltbewusstsein. „Als dritter Punkt zählt sicherlich auch der erhöhte Fahrspaß. Leise durch die Stadt zu gleiten, ist ein ganz anderes Gefühl“, weiß Siemons.

Natürlich nachhaltig

Wie kann man sich informieren?

Wer sich noch unsicher ist, dem steht der Verein Klingenstromer beratend zur Seite. „Die Leute haben Fragen rund um das Alltagsleben mit einem E-Auto. Wie funktioniert das mit Urlaubsfahrten, wie lade ich richtig und geht das auch zu Hause, welches Modell passt zu mir? Die Antworten geben wir nach langjähriger eigener Praxiserfahrung in dem Bereich“, sagt Stefan Kirschner, erster Vorsitzender des Vereins, zu dem rund 20 Mitglieder zählen. Kirschner selbst fährt bereits seit zweieinhalb Jahren ein rein elektrisches Auto, davor hatte er viele Jahre ein Plug-in-Hybrid.

Auch beim Elektromobilitätstag der Stadtwerke informierten sich Interessierte.

Anders als Siemons ist sich Kirschner sicher, dass die Elektromobilität durch die Pandemie einen Schub erhalten hat, „dabei spielen aber auch die Förderprogramme des Bundes eine große Rolle.“ In den vergangenen Jahren habe sich aber auch im Stadtgebiet viel getan. „Solingen hat eine gute Ladeinfrastruktur, die massiv ausgebaut wurde.

Das spiegelt sich auch in der Zahl der E-Autos in der Stadt wieder. Ich kann nicht mehr durch die Klingenstadt fahren, ohne einem Auto mit E-Kennzeichen zu begegnen“, sagt der Vorsitzende. Siemons hingegen wünscht sich, dass sich hinsichtlich der Ladeinfrastruktur noch mehr tut: „Vor allem in Gebieten, wo sich Leute aufhalten, etwa in Einkaufsbereichen, fehlen Schnellladesäulen.“

Solingen hat eine gute Ladeinfrastruktur.

Stefan Kirschner, Vorsitzender des Vereins Klingenstromer

Wie viele Ladesäulen gibt es in Solingen?

Derzeit gibt es 27 öffentliche Ladesäulen, die Standorte können auf der Internetseite der Stadtwerke (SWS) eingesehen werden. Der Antrag für vier weitere Schnellladesäulen steht. „Eigentlich sollten diese bereits ausgeliefert sein. Das hat sich aber verzögert. Wir hoffen, dass sie bald kommen“, berichtet SWS-Sprecherin Lisa Nohl. Allerdings: Weitere Ladesäulen seien erstmal nicht geplant. Die prominenten Plätze seien bereits versorgt, andere relevante Plätze zu finden, sei schwierig. „Für uns als Energieversorger ist das Thema Elektromobilität sehr relevant. So kann etwas für den Klimaschutz getan werden. Derzeit stehen wir noch am Anfang.“

Wie nachhaltig sind Elektroautos?

Aber sind E-Autos wirklich nachhaltig? „In der Herstellung, also bei der Gewinnung der Rohstoffe, und auch in der Entsorgung gibt es noch einiges zu tun, um mit E-Autos ganz umfassend die Umwelt zu schützen“, gibt Siemons zu bedenken. Beim Fahren hingegen, seien sie laut Siemons bereits komplett emissionslos. Somit tragen sie zum Erreichen der CO2-Grenze bei, die die EU auferlegt hat, weswegen sich die E-Autos laut Siemons auch zumindest zunächst durchsetzen werden. „Wasserstoffantrieb hingegen wird sich bei Nutzfahrzeugen etablieren, für den Normalverbraucher ist die Infrastruktur noch nicht vorhanden.“

Stadt setzt beim Fuhrpark voll auf Elektromobilität - Verbrenner werden bis 2030 abgeschafft

Verkehrsbedingte CO2-Emissionen zu verringern, spielt bei der Stadt Solingen eine große Rolle. Bis 2030 sollen alle motorbetriebenen Fahrzeuge des städtischen Fuhrparks auf elektrische Antriebe umgestellt werden. Dieses Ziel findet sich auch im integrierten Klimaschutzkonzept (2013) und in der Solinger Nachhaltigkeitsstrategie (2018) wieder.

Seit Anfang 2019 sind bereits 36 Elektrofahrzeuge, davon zwei mit Hybrid-Antrieb, unterwegs. Insgesamt umfasst der Fuhrpark 344 Fahrzeuge. Eine vollelektrische Kleinkehrmaschine wird jetzt ausgeliefert, Aufträge für vier weitere Elektrofahrzeuge und eine Elektrokompaktkehrmaschine sind geschrieben. Sie werden voraussichtlich Anfang bis kommendes Jahr ausgeliefert und in Betrieb genommen.

Doch so einfach, wie es klingt, ist es nicht. Stadtsprecherin Sabine Rische erklärt: „75 Prozent der Mehrkosten, die gegenüber einem Fahrzeug mit herkömmlichen Antrieb investiert werden müssen, werden mit einer Förderung des Bundes finanziert.“ Der übrige Teil der höheren Anschaffungskosten würde sich im Laufe der Nutzungsdauer relativieren, heißt es.

Verwaltung betreibt ein eigenes Ladenetz für E-Autos

Für die elektrische Dienstfahrzeugflotte der Stadt wurde eine nicht-öffentliche Ladeinfrastruktur mit 38 Ladesäulen und 76 Ladepunkten an sieben Verwaltungsstandorten errichtet.

Gleichzeitig gibt es bei der Stadt Überlegungen zu einer weiteren emissionsfreien Alternative. Sie strebt an, Wasserstoff im Müllheizkraftwerk zu erzeugen und damit städtische Autos zu betanken. Dafür bewirbt sich die Klingenstadt zur Zeit mit weiteren Unternehmen aus der Region um Fördergelder. Aktuell werde bereits der erste konkrete Schritt geplant: „Dazu gehört die elektrische Ladung von Müllfahrzeugen mit Wasserstoff- oder elektrischem Antrieb. Sie soll am neuen Abstellplatz am Müllheizkraftwerk umgesetzt werden“, berichtet Sabine Rische.

Der ÖPNV in Solingen soll so umweltverträglich und emissionsfrei wie möglich gestaltet werden.

Infrastruktur

Förderung: Die Bundesregierung fördert den Kauf von Elektrofahrzeugen. Bis Ende 2025 können Interessierte eine Kaufprämie erhalten, den „Umweltbonus“, der seit Mitte 2020 bei rein elektrischen Autos bis 40 000 Euro Kaufwert bis zu 9000 Euro beträgt, für einen Hybriden bis zu 6750 Euro. Eine zusätzliche Innovationsprämie verdoppelt den staatlichen Anteil.

Wallboxen: Die Stadtwerke Solingen bietet zum Laden der Elektroautos Wand-Ladestationen, sogenannte Wallboxen, an.

Serie: In der Serie „Natürlich nachhaltig“ dreht sich alles um das Thema Klimawandel und Umweltschutz in Solingen. Alle Folgen gibt es hier.

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