Natürlich nachhaltig - Die große Nachhaltigkeitsserie

Neue Kleidung und trotzdem nachhaltig? So geht‘s

Angela Thiel (l.) und Isabell Bienick betreiben seit Februar einen Second-Hand-Laden.
+
Angela Thiel (l.) und Isabell Bienick betreiben seit Februar einen Second-Hand-Laden.

Angela Thiel und Isabell Bienick betreiben in Solingen einen Second-Hand-Laden

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Was in Düsseldorf, Berlin oder im Internet boomt, steht im Bergischen noch in den Kinderschuhen: Second-Hand-Mode. Dabei gibt es auch hier einige Angebote. „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Als Familie achten wir aber schon immer auf Nachhaltigkeit. Deshalb kommt die Idee zum Second-Hand-Laden nicht von ungefähr“, erklärt die Wahl-Solingerin Angela Thiel, die bereits für ihre Kinder auf Trödelmärkten einkaufte.

Second-Hand bedeutet aus zweiter Hand oder gebraucht. Dabei geht es darum, zu vermeiden, dass Menschen zu viel kaufen und das Gekaufte im Nachhinein wegwerfen, weil es nach kürzester Zeit ausgewaschen ist oder nicht mehr gefällt. Eine Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2015 verdeutlicht, dass dennoch die meisten Menschen ihre Kleidung wegwerfen, anstatt sie zu verschenken, zu tauschen oder reparieren zu lassen - häufig nur weil sie nicht mehr gefällt.

Im Laden ist hauptsächlich Kinderkleidung zu finden, aber auch Spielzeug und Damenmode.

Im Februar dieses Jahres eröffnete Thiel gemeinsam mit ihrer Tochter Isabell Bienick den Second-Hand-Laden Thibie in der Schlagbaumer Straße 54. „Bevor wir geöffnet haben, haben wir geguckt, ob es so etwas in Solingen schon gibt, haben aber nichts gefunden.“, sagt Thiel. Besonders wichtig ist Thiel und Bienick eine gute Qualität der Kleidung und eine liebevolle und familiäre Atmosphäre für jedermann.

Second-Hand: Thiel und Bienick wählen die Kleidung sorgfältig aus - Was sie nicht nehmen, wird gespendet

Die Kunden geben ihre Kleidung auf Kommission im Laden ab. „Da entsteht ein Kreislauf. Viele kommen und bringen uns Kleidung und kaufen von dem Geld, das sie dabei einnehmen wieder andere Stücke, die sie sogar wiederbringen, wenn sie sie dann nicht mehr brauchen“, erklärt Thiel das Prinzip.

Was angenommen wird, wird sorgfältig ausgesucht. „Und was wir nicht annehmen, was aber trotzdem noch gut ist, spenden wir etwa an ein Flüchtlingslager in Leichlingen oder den Solinger Kinderschutzbund“, so die 53-Jährige Inhaberin des Ladens. Bienick„Bei uns gibt es so viele schöne Dinge. Warum sollen sie weggeworfen werden?“

Beim Kinder- und Damenklamotten- oder Spielzeug-Verkauf bleibt es aber nicht, wenn es um Nachhaltigkeit geht. „Wenn die Kunden keine eigenen Taschen mitbringen, bekommen sie die, die uns andere Kunden bringen. Für unseren Lieferservice nutzen wir gebrauchte Kartons, so entsteht kein Verpackungsmüll.“

Ihr Laden wird sehr gut angenommen: „Wir bekommen mega positive Resonanz. Die Kunden freuen sich, dass es endlich einen Second-Hand-Laden gibt. Dabei kaufen hier durchweg alle auch mit dem Gedanken an Nachhaltigkeit“, so Thiel. „Früher waren Flohmärkte angesagt, dann hat sich das Ganze zu einer Wegwerfgesellschaft entwickelt. Erst jetzt fängt wieder ein Umdenken bei den Menschen an, weil das Thema mehr in die Öffentlichkeit getragen wird. Das müsste nun weitergeführt werden“, fügt sie hinzu.

Immer dienstags gibt es auch einen Facebook-Livestream, wo die beiden Ladeninhaberinnen Kleidung vorstellen und verkaufen.

Second-Hand-Laden in Wald ist durch die Corona-Krise gebeutelt

„Es macht mich traurig, wie die Menschheit in den letzten Jahren mit Materialien umgeht - einmal angezogen und weggeschmissen“, sagt auch Dagmar Schumacher, in ihrem Laden bekannt als Daggi, die seit Ende Januar einen Second-Hand-Laden an der Stresemannstraße in Wald betreibt. Im Gegensatz zu Thibie nehmen hier nur wenige Menschen, die Gelegenheit, gebrauchte Kleidung zu kaufen, wahr. Mit dem Angebot, das neben Damenoberbekleidung auch alte Möbel umfasst, möchte sie zumindest einen kleinen Teil der Menschen erreichen. Schumacher betrieb bereits vor rund 30 Jahren einen Second-Hand-Laden, den sie damals familienbedingt aufgeben musste.

Sie bietet ihre Ware nicht online an. Das ist ein Nachteil in der Corona-Pandemie, denn ihre ist bewusst: „Es fehlt die Laufkundschaft“. Auch in ihrem Alltag achtet Dagmar Schumacher auf Nachhaltigkeit. Seit 30 Jahren kauft sie in den meisten Fällen Second-Hand ein. Und das Solinger Tageblatt bewahrt sie auf, um daraus Pappmaché-Figuren zu basteln.

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten Thibie: Thibie Secondhand öffnet von montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr, montags und donnerstags zusätzlich zwischen 18 und 20 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Mittwochs ist geschlossen. Dafür wird jeden Dienstag ab 20.15 Uhr in einer Liveveranstaltung in der öffentlichen Facebookgruppe thibie-secondhand solingen Kleidung angeboten.

Secondhand by Daggi: Der Second-Hand-Laden von Dagmar Schuhmacher an der Stresemannstraße muss Ende November schließen. Bis dahin ist das Atelier montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Serie

.

In unserer Serie „Natürlich nachhaltig“ dreht sich alles um die nachhaltige Lebensweise der Solinger in den Bereichen Ernährung, Konsum und Mobilität.

Alle Serienteile finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
S-Bahn 7: Abellio gibt auf
S-Bahn 7: Abellio gibt auf
S-Bahn 7: Abellio gibt auf

Kommentare