Strohn

Nach Hochwasser: Stadtwerke bauen neues Pumpenhaus

Der Vorbau am alten Pumpenhaus wird abgerissen, Risse im Beton sind der Grund. Der Damm auf der rechten Seite wurde nur teilweise wieder aufgebaut. Wupperwasser fließt hier nicht mehr.
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Der Vorbau am alten Pumpenhaus wird abgerissen, Risse im Beton sind der Grund. Der Damm auf der rechten Seite wurde nur teilweise wieder aufgebaut. Wupperwasser fließt hier nicht mehr.

Nach der Juli-Flut 2021 tätigen die Stadtwerke eine Investition in die Trinkwasserversorgung in Strohn, gleichzeitig gibt es das Aus für die Stromgewinnung.

Von Philipp Müller

Solingen. Der Dammbruch im Bereich des Pumpenhauses am Obergraben der Wupper in Strohn wird nicht weiter geschlossen. Norbert Feldmann, Hauptabteilungsleiter Wassermanagement bei den Stadtwerken Solingen (SWS), erklärt, dass sich das wirtschaftlich nicht mehr lohne. Stattdessen wird die Pumpentechnik für das Trinkwasser aus der Sengbachtalsperre in eine neue Halle einziehen. Diese wird auf einem zum Teil verfüllten Obergraben entstehen. In ihn wird kein Wasser mehr aus der Wupper eingeleitet. Damit geben die SWS auch die Gewinnung von Strom im alten Pumpenwerk durch Turbinen auf.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli hatte die Wupperflut im Bereich des Wasserwerks und des Pumpenhauses furchtbar gewütet. Ab der Kläranlage Unterburg wurde seit Jahrzehnten durch den Obergraben, einem Abzweig der Wupper, das Wasser zum Pumpenhaus geleitet. Doch die Massen in der Wupper ergossen sich im Juli 2021 auch in den Kanal und ließen in der Folge einen Damm zum Hauptbett der Wupper brechen. Teile der Anlage wurden ebenfalls überflutet.

Solingen: Altes Pumpenhaus wird bis zum Neubau weiterbetrieben

Das hat Folgen für das alte Pumpen-Gebäude über dem Obergraben – bis heute. Mark Nothen, Leiter Facilitymanagement bei den SWS, zeigt auf den Vorbau des Pumpenhauses. Er wurde beim Hochwasser teilweise weggespült. Jetzt zeigen sich weitere Risse. Mit einem Statiker werde der Abriss besprochen – bevor sich die Schäden ins gesamte Gebäude fortsetzen.

20 Meter Damm waren neben dem Pumpenhaus der Stadtwerke in Strohn als Folge des Juli-Hochwassers gebrochen. Die Trinkwasserversorgung konnte damals schnell gesichert werden.

Norbert Feldmann erklärt, dass bei einem Wiederaufbau der Rechen vor dem Pumpenhaus, der Fische, Laub und Treibgut aufhält, heute noch dichter sein müsste, baute man ihn wieder auf. Das steigere die Gefahr des Wasserstaus bei erneutem Hochwasser. Nothen sagt, dass nach dem Abriss eine Sanierung des alten Pumpenhauses anstehe. Denn die Technik muss noch genutzt werden, bis der Neubau steht.

„In zwei Jahren wollen wir mit dem neuen Pumpenhaus loslegen.“

Norbert Feldmann, Stadtwerke

In der Summe führten für die Stadtwerke drei Gründe dazu, Obergraben und Stromgewinnung durch Turbinen in Strohn aufzugeben. Künstliche Kanäle sollen möglichst zurückgebaut werden, eine Instandsetzung des Vorbaus steht in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zum Stromertrag aus den Turbinen und letztlich müsse die Technik im Pumpenhaus zügig durch eine neue ersetzt werden. Das sei auch ohne das Hochwasser geplant gewesen, berichtet Stadtwerke-Sprecherin Lisa Nohl. Die neuen Pumpen sind aus Sicht der SWS besser in einem Neubau untergebracht.

Und während ein Eisvogel über den leeren Obergraben fliegt, verweist Lisa Nohl darauf, dass alle Planungen und Kostenaufstellungen zunächst im eigenen Haus noch besprochen werden müssten. Feldmann ergänzt, Absprachen mit dem Wupperverband, der Bezirksregierung Düsseldorf und der Stadt Solingen stünden noch vor der Umsetzung. „In zwei Jahren wollen wir mit dem neuen Pumpenhaus loslegen“, sagt Norbert Feldmann.

Nothen und Feldmann führen auch an, dass mit dem Neubau moderne Technik in Strohn Einzug halten werde. Mit der Standortverlagerung des Pumpenhauses muss auch die große Druckleitung verlegt werden, die das Trinkwasser von Strohn bis zur Krahenhöhe pumpt.

Derweil setzen die SWS das Aufforstungsprogramm entlang der kahlen Hänge der Sengbachtalsperre fort. Weitere Bäume sollen im Herbst gepflanzt werden, berichtet SWS-Sprecherin Lisa Nohl. Die neuen Bäume werden die Hänge des Gewässers stabilisieren und zugleich die Trinkwasserqualität hochhalten. Die Talsperre selbst ist aktuell mit rund 80 Prozent gefüllt. Im feuchten März und April habe man viel Wasser zurückhalten können, erläutert Feldmann. In diesen Tagen fließt aber auch viel Trinkwasser aus der Großen Dhünn-Talsperre zu. „Das ist sehr kalt und hilft, mögliche Algenbildung in der Talsperre zu bekämpfen“, erklärt Feldmann.

Jahrestag Jahrhundert-Hochwasser

Morgen, am 14. Juli, ist der erste Jahrestag des Hochwassers aus dem Jahr 2021. Das Tageblatt schaut in der Ausgabe am Donnerstag ausführlich auf das Jahrhundertereignis zurück. Wir zeigen, wie verschiedene Folgen des Hochwassers bewältigt wurden und was alles noch erledigt werden muss. Zugleich berichtet die Redaktion weiter von den Gesprächen bei „ST vor Ort“ aus Unterburg von der Wupperinsel.

Standpunkt von Philipp Müller: Flut ändert Stadtbild

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Das Jahrhundert-Hochwasser aus dem Juli des vergangenen Jahres hat weitreichende Folgen. Da sind nicht nur die vielen offenen Fragen, wie sich Solingen künftig besser schützen kann. Da bestehen auch finanzielle Sorgen, ob die Wiederaufbauhilfe bewilligt und ausgezahlt wird. Und mancher fragt sich, ob es Sinn macht, Zerstörtes wieder aufzubauen.

Die Stadtwerke haben die Entscheidung getroffen, das für den Obergraben – den künstlichen Wupperzulauf – und das alte Pumpenhaus nicht zu machen. Alles kommt neu. So ändert sich an dieser Stelle als Flutfolge das Stadtbild. Nicht der einzige Ort. Vergangene Woche wurde an der Haasenmühle eine Ersatzbrücke aufgestellt. Den Nacker Bach werden Autofahrer in drei Jahren an anderer Stelle überqueren.

Beide Baumaßnahmen versuchen auch, künftigem Hochwasser auszuweichen. Mehr wird kommen. Brücken fehlen noch in Rüden und in Unterburg.

Hochwasser in Solingen: Chronologie der Ereignisse rund um den 14. Juli

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