Hasencleverstraße

Nach Hochwasser: Kita-Gebäude in Burg ist kaum zu retten

Das Kindergarten-Haus an der Hasencleverstraße wurde bei der Flutkatastrophe im Juli massiv beschädigt. Foto:
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Das Kindergarten-Haus an der Hasencleverstraße wurde bei der Flutkatastrophe im Juli massiv beschädigt.

Die Flut hat an der städtischen Immobilie an der Hasencleverstraße einen Millionenschaden verursacht.

Von Andreas Tews und Philipp Müller

Solingen. Dem Gebäude der Kindertagesstätte in Unterburg droht das Aus. Die Schäden nach den Überflutungen vom Juli seien so groß, dass eine Sanierung des 47 Jahre alten Gebäudes als unwahrscheinlich gilt. Zu diesem Schluss kommt das städtische Gebäudemanagement nach den bisherigen Begutachtungen. Den Schaden beziffert Stadtdienstleiter Matthias Knospe auf rund 2 Millionen Euro. Dies bedeutet nach Angaben von Rathaus-Sprecher Thomas Kraft, dass die beiden Unterburger Kindergartengruppen vermutlich länger als ein Jahr das Ausweichquartier an der Augustastraße in Solingen-Mitte nutzen müssen.

Die Wupper hatte die Kita in Unterburg am späten Abend des 14. Juli und in der Nacht zum 15. Juli überschwemmt. Ein Baukran hatte anschließend in Folge der enormen Wucht des Wassers extreme Schieflage. Auf dem Spielplatz der Kindertagesstätte lag überall Treibholz. Es hatte sich auch in den Zäunen um das Kitagelände verfangen.

„Es kann sein, dass wir zu der Einschätzung gelangen, dass ein Neubau die vernünftigste Alternative ist.“

Matthias Knospe, Leiter des städtischen Gebäudemanagements

Die Schäden, die das Hochwasser am Kita-Gebäude hinterlassen hat, sind laut Knospe massiv. Es sei fraglich, ob die Immobilie überhaupt noch einmal genutzt werden könne. Zumindest erscheine es nach jetzigem Stand sehr zweifelhaft, ob sich eine Sanierung noch lohne. In dem Gebäude an der Hasencleverstraße sei die Haustechnik (Elektrik, Heizung) komplett zerstört worden. Die Wände seien durch die Feuchte nachhaltig beschädigt. Zudem seien die Fundamente möglicherweise unterspült worden.

Knospe: „Es kann also sein, dass wir abschließend zu der Einschätzung gelangen, dass ein Neubau die vernünftigste Alternative ist.“ Noch sei die Begutachtung aber nicht abgeschlossen. Das 1974 errichtete Kita-Haus sei vor dem Hochwasser in einem „altersgerechtem Zustand“ gewesen.

Solingen: Kita-Ersatzquartier ist neun Auto-Kilometer vom jetzigen Standort entfernt

Die unklare Situation der Kita hat schon an zwei Stellen eine Rolle gespielt. Zunächst musste geklärt werden, wo die Kinder untergebracht werden können. Da gab es schnell eine Lösung für das gerade angelaufene Kita-Jahr. So zog die erste Gruppe der Einrichtung am Donnerstag in das bis dahin leerstehende Schulgebäude an der Kreuzstraße / Ecke Augustastraße um (ehemalige Dependance der Erika-Rothstein-Schule). Die Räume dort waren zuvor für den Betrieb einer Kindertagesstätte hergerichtet worden. Die zweite Gruppe soll nach Rathaus-Angaben in wenigen Wochen folgen. Diese schnelle Lösung hat für die Unterburger Eltern und ihren Nachwuchs allerdings einen Nachteil. Das Ersatzquartier liegt in der Innenstadt – neun Auto-Kilometer vom eigentlichen Standort entfernt.

Bei der Flut wurden auf dem Außengelände der Kita auch Spielgeräte wie ein Spielhäuschen (Hintergrund) beschädigt.

Zunächst war die Stadt davon ausgegangen, dass die Interimslösung an der Augustastraße mindestens ein Jahr lang für die Kita Burg greifen wird. Inzwischen ist die baurechtliche Genehmigung für diese Lösung vorsorglich auf zwei Jahre verlängert worden. Es sei abzusehen, dass die Kernsanierung oder ein eventuell notwendiger Neubau mehr Zeit in Anspruch nehmen werde.

Mit den Folgen der Flut in der Unterburger Kita hatte sich auch der Reitsportverein Jagenberg befasst. Bei dessen 1. Solinger Reitsport-Festival auf dem Gut Jagenberg war am vergangenen Wochenende die Spenden-Hilfsbereitschaft zugunsten der Kita groß. Dort wurde über den Unterburger Weinkeller „Alte Kunst“ das Jagenberger Tröpfchen auf Initiative der Service-Organisation Kiwanis und des Reitsportvereins Jagenberg verkauft. Vereinsmitglied Philip Holzknecht erklärte auf ST-Nachfrage, dass dabei ein vierstelliger Betrag zusammengekommen sei, der nun auch aufgestockt und endgültig abgerechnet werde.

Große Schäden

Die Stadt hatte gegenüber dem Land in einer Art Schnellmeldung bereits 30 Millionen Euro als Schadenssumme an eigenen Gebäuden, Straßen und der Infrastruktur angemeldet. Wie hoch die privaten Schäden in der Summe sind, ist bis heute nicht berechnet worden. Aber sie dürfte am Ende höher liegen. Hunderte Häuser waren betroffen.

Standpunkt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Philipp Müller

Das war zu befürchten. Sechs Wochen nach dem Hochwasser entlang der Wupper und der Solinger Bäche zeigen sich immer mehr Schäden. Die Kita in Unterburg war bereits Baustelle. Doch wer vor Ort in den Tagen danach den Ortsteil und die Hasencleverstraße besuchte, der musste erkennen: Die Wupper hatte nicht nur viel Zerstörungskraft, sie hatte auch zerstört. Auf dem Kitagelände war ein Sumpf entstanden, der Schlamm legte sich wie ein Schleier über die Natur. Nun haben die Fachleute genau hingeschaut. Offensichtlich lohnt die Sanierung nicht, es muss neu gebaut werden. Jetzt brauchen die Kita-Kinder und ihre Eltern aber schnell Perspektiven. Und noch etwas sollten wir alle im Hinterkopf behalten: Was für die Kita gilt, kann auch für andere Gebäude zutreffen. Nicht alles kann wirtschaftlich saniert werden. Das wird ein großer Kraftakt für die Gesellschaft. Den müssen wir auch bewältigen, so wie sich viele in den ersten Stunden und Tagen erfolgreich gegen die Feuchtigkeit, den Müll, die seelischen Folgen, den Schlamm und das große Entsetzen gestemmt haben.

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