Tag der offenen Fenster

Nach Hochwasser: Burg präsentiert den gewachsenen Zusammenhalt

Die Flut brachte jede Menge Schlamm mit sich – das Thema des Tages wurde auch künstlerisch aufgegriffen. Foto: Andreas Horn
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Die Flut brachte jede Menge Schlamm mit sich – das Thema des Tages wurde auch künstlerisch aufgegriffen.

Tag der offenen Fenster: Burger Mutmacher sammeln erfolgreich Spenden für den Wiederaufbau im Stadtteil.

Von Susan Jörges

Solingen. Ein blauer Faden mit Fotos der Hochwassertage im Juli markiert den Stand des Wassers, das das Untergeschoss des Wohnhauses von Oliver und Nicole Bruns in der Müngstener Straße geflutet hat. Jetzt stehen sie in einem entkernten Rohbau mit blanken Balken und nackten Wänden. Bald kommen die Handwerker, um mit dem Wiederaufbau zu beginnen. So wie den Bruns geht es vielen Anwohnern: Sanierungsarbeiten fangen jetzt, nach langer Trocknungsphase, erst richtig an.

Die vom Hochwasser verschonte Unterburgerin Stephanie Kalter weiß, wie dringend Unterstützung weiter benötigt wird und hatte mit der Gruppe Burger Mutmacher den Tag der offenen Fenster organisiert, um Spenden für Betroffene zu sammeln. Insgesamt kamen am Samstag fast 6000 Euro zusammen, die gegen Lose, Kuchen oder Gegrilltes abgegeben wurden.

„Burg ist und bleibt meine Heimat.“

Merle Hein zeigte Besuchern die Schäden des Hochwassers

Mutmacher-Sprüche, die aktive Burger vorab in geschwungenen Buchstaben auf Schiefertafeln geschrieben haben, trugen ebenso zu den Spenden bei wie 5000 Euro vom Rotary Club aus Solingen und seiner niederländischen Partnerstadt Gouda. Zusätzlich hatten Solinger Firmen und Privatpersonen im Vorhinein einen mehrstelligen Betrag gespendet.

Doch die Burger Mutmacher wollen nicht nur mit Spenden für die Betroffenen da sein, sondern auch bei Anträgen, Versicherungsproblemen oder der Handwerkersuche unterstützen. „Wir bieten Hilfe dort an, wo sie gebraucht wird und haben wir alle ein offenes Ohr“, sagt Kalter, die seit dem 16. September ihr ehrenamtliches Engagement auch beruflich weiterführt: Sie ist Hochwasserkoordinatorin für Solingen und Wuppertal des Caritasverbandes.

Die Anwohner der Häuser an Eschbachstraße und Müngstener Straße, die besonders mit den Folgeschäden zu kämpfen haben, sind dankbar für den Zusammenhalt und die Unterstützung, die ihnen widerfährt. Viele sind derzeit bei Familien oder Bekannten untergekommen, wegziehen aus Unterburg ist für die meisten keine Option. So wie David Malura und Jaqueline Hillen: Sie sind bald mit den Abrissarbeiten des 80 Quadratmeter großen Untergeschosses ihres Wohnhauses fertig, dann steht der Rückbau der Elektronik an. Nebenbei müssen Versicherungsdokumente, Urkunden und Ausweise neu beantragt werden. Bis Ostern wollen die meisten ihre Häuser wieder beziehen, ob das funktioniert, hängt von Handwerkern und Materiallieferungen ab.

Die 26-jährige Merle Hein zeigt Besuchern, was das Wasser angerichtet hat. Sie verbringt neben der Arbeit täglich mehrere Stunden auf der Baustelle, die einst das Zuhause ihrer Oma in der Eschbachstraße war. Eine Sanierungsfirma übernimmt einen Großteil der Arbeiten. Trotz der Erlebnisse wird sie nun in das Haus ihrer Familie ziehen, denn „Burg ist und bleibt meine Heimat“.

Unterstützung erhält man in Unterburg auch von der Merscheiderin Andrea Hepp, sie führt eine Geber- und Nehmerliste und bringt so Hilfsangebote und Hilfesuchende zusammen. Auch eine Talerliste gibt es: Personen, die gezielt an einen Betroffenen spenden möchten. Auf den Straßen von Unterburg mag von der Flut auf den ersten Blick wenig zu sehen sein. Was bleibt, ist eine Menge Arbeit, bis Häuser und Wohnungen zu dem werden, was sie einmal waren: ein gemütliches und sicheres Zuhause. Gewonnen hat der Stadtteil eine große Portion Zusammenhalt, der auch in den anstehenden Wintermonaten dringend gebraucht werden wird.

Hilfestellungen

Die Burger Mutmacher bieten seelische und finanzielle Hilfe für Hochwasserbetroffene an. Personen, die spenden oder sich engagieren möchten, melden sich unter Telefon (0 15 73) 9 40 86 72 oder per E-Mail: burgermutmacher@email.de. Die Notfallgruppe von Andrea Hepp ist über notfallgruppe.solingen@yahoo.com per Mail zu erreichen. Als Koordinatorin des Caritas-Hochwasserbüros bietet Stephanie Kalter Unterstützung: Tel. 0151 40700802 oder stephanie.kalter@caritas-wsg.de.

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