Gotteshaus an der Müngstener Straße

Nach Hochwasser: So wird die Burger Kirche zum Ort der Begegnung

Seit dem Herbst können in der kleinen Kirche wieder Gottesdienste und Veranstaltungen stattfinden. Der Boden wird beheizt und Bautrockner entfeuchten die Wände. Foto: Christian Beier
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Seit dem Herbst können in der kleinen Kirche wieder Gottesdienste und Veranstaltungen stattfinden. Der Boden wird beheizt und Bautrockner entfeuchten die Wände.

Mitte Februar findet in dem kleinen Gotteshaus an der Müngstener Straße die erste Kunst-Veranstaltung statt.

Von Anja Carolina Siebel und Philipp Müller

Solingen. Es war ein Bild der Zerstörung, das sich der Gemeinde in Burg nach dem Hochwasser im Juli 2021 bot. Die alten Holzbänke waren nicht wieder zu erkennen, der Boden hob sich, und der Schlamm der Wupper zog dick ins Gotteshauses ein. Sogar die stabilen Kirchenmauern des Gebäudes, das zu einem Teil der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Wermelskirchen gehört, sind beschädigt. Noch immer laufe der Wiederaufbau, hatte das ST zuletzt berichtet, gleichzeitig kann das Gotteshaus wieder benutzt werden, erklärte Birgit Siekmann von der Gemeinde.

„Wir dachten zuerst, dass es das jetzt war. Dass wir die Kirche nie wieder nutzen können“, erinnert sich Almuth Conrad, Pfarrerin der Gemeinde Hünger, zu der Burg zählt. Es kam anders: Gemeindeglieder, Freunde der Gemeinde und Bürger leisteten beeindruckende Arbeit, packten eifrig bei den Aufbauarbeiten mit an und spendeten, um den Erhalt der kleinen Kirche auch in Zukunft zu gewährleisten. Nur ein Beispiel: In den Sommerferien werkelte ein Bautrupp aus Halle in Westfalen mit 20 Leuten, die eine provisorische Nutzung des Kirchenraums für die Gemeindeglieder und Pfarrer ermöglichten. Ein Resultat war dabei der beheizbare Holzfußboden, der der Gemeinde die Durchführung von Veranstaltungen, etwa Konzerte im Herbst und Winter, gestattet.

„Und damit entstand die Idee, den Ort in Burg zu etwas Besonderen zu machen“, berichtet Almuth Conrad. „Wir möchten, dass unsere kleine Gemeinde auch über das Hochwasser-Ereignis hinaus nicht vergessen wird.“

„Die Kirche soll Begegnungszentrum für alle sein.“

Almuth Conrad, Pfarrerin

„Die Burger Kirche soll künftig ein Begegnungszentrum für alle sein“, fasst die Pfarrerin Überlegungen aus dem Herbst 2021 zusammen. „Ganz gleich, welcher Konfession sie angehören oder ob sie überhaupt gläubig sind. Wir möchten Kirche öffnen, sie greifbarer machen.“ Vieles konnte bisher noch nicht stattfinden, weil Corona und die hohen Infektionszahlen das nicht zuließen. Aber die Gemeindeglieder sind guter Hoffnung, dass sich das bald ändern wird.

Am 13. Februar soll das interdisziplinäre Kollektiv „Blickwinkel Art“ die Burger Kirche verwandeln. Der Solinger Musiker Christopher Collings verbindet mit dem Argentinier Juan Verdaguer die Glocken der Kirche mit diversen Blechblasinstrumenten und elektronischer Musik zu einem Surround-Sound-Erlebnis. Gemeinsam mit einer Videoprojektion können Besucher und Besucherinnen eine audiovisuelle 3-D-Performance erleben, die sie in eine andere Welt entführt. Die Künstler hatten zuletzt im vergangenen Jahr den Gräfrather Lichtturm ähnlich zum Kunstwerk werden lassen. Das Kunstprojekt von Christopher Collings und Juan Verdaguer ist ein erster Schritt. Conrad: „Wir wollen offen sein für Kreativität, für Innovation, für das Besondere.“

„Die Burger Kirche ist denkmalgeschützt, aber sie ist kein alter Hut,“ sagt Manfred Jetter, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen. „Ein Projekt wie dieses setzt Signale für eine aufgeschlossene Kirche. So verstehen wir auch Gemeinde.“

Es herrscht seit dem Wiederaufbau der kleinen Kirche Aufbruchsstimmung in Burg, sowohl bei den Pfarrern als auch bei den Gemeindegliedern, die bei der Ideenfindung für die Neugestaltung eifrig mitgestaltet und sich eingebracht hatten, hatte auch Birgit Siekmann berichtet.

„Jetzt hoffen wir, dass uns die Pandemie keinen Strich durch die Rechnung macht und dass wir mit der Veranstaltungsreihe das erreichen, was wir uns vorgenommen haben: in Erinnerung zu bleiben“, sagt Pfarrerin Almuth Conrad.

Kunst-Projekt

Zwei Veranstaltungen sind für Sonntag, 13. Februar, in der Burger Kirche geplant – eine um 17.30 Uhr und eine um 19.30 Uhr (Einlass: 17 Uhr und 19 Uhr). Sinn ist, möglichst viel Platz und wenig Raum für Ansteckung mit dem Coronavirus zu bieten. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen des Solinger Tageblatts und online:

www.termine.solinger-tageblatt.de

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