Kriminalität

Nach Betrugsversuch über Whatsapp: Kein Interesse an Strafverfolgung?

Wie auch im vorliegenden Fall behaupten die Betrüger oft im Namen eines Familienmitglieds, dass dessen Handy kaputt sei – um so an Geld zu kommen.
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Wie auch im vorliegenden Fall behaupten die Betrüger oft im Namen eines Familienmitglieds, dass dessen Handy kaputt sei – um so an Geld zu kommen.

Betrugsversuch: Ein Rentner aus Solingen ist irritiert, weil die Polizei ihm offenbar von einer Anzeige abriet.

Von Kristin Dowe

Solingen. Bei der Berichterstattung über Betrugsmaschen appelliert die Polizei häufig an die Bürgerinnen und Bürger, dass diese jeden Betrugsversuch zur Anzeige bringen oder zumindest der Polizei melden sollten. Auch dann, wenn nicht unmittelbar Schaden entstanden oder kein Geld an die Betrüger geflossen ist.

Diese Bitte hat der Solinger Wolf-Dieter Böhl beherzigt und war umso erstaunter, dass die Polizei in der Leitstelle für sein Empfinden kaum Interesse an der Verfolgung seines Falls gezeigt habe. „Es hieß einfach, dass eine Anzeige sowieso nichts bringe. Ich sollte einfach die Nummer blockieren“, erinnert er sich an das Gespräch. „Da war ich schon ziemlich enttäuscht.“

Erleichtert ist er dennoch vor allem, dass er auf die raffinierte Betrugsmasche nicht hereingefallen ist: Vor einigen Wochen erhielt der Rentner eine Whatsapp-Nachricht – vermeintlich von seinem Sohn – mit der dringenden Bitte um Geld. Die abweichende Mobilnummer erklärte der Absender damit, dass er sein Handy verloren habe und dies seine neue Nummer sei. „Unter dieser Nummer wurde tatsächlich das Profilbild meines Sohnes angezeigt“, erinnert sich der 69-Jährige. „Das finde ich immer noch erstaunlich.“

Betrügerische Nachricht enthielt Profilfoto des Sohnes

Tatsächlich lebt Böhls Sohn auf der tunesischen Insel Djerba und gelegentlich hätten seine Frau und er ihn auch finanziell unterstützt. „Deshalb habe ich mich nicht unbedingt darüber gewundert.“ Eine spätere Rücksprache mit seinem Sohn brachte die Wahrheit ans Licht, dass dieser nicht der Verfasser der Nachricht war. Sein Sohn habe später noch Informationen zu der Bank recherchiert, bei der sich das Konto befand, an die Böhl das Geld hätte überweisen sollen. Warum dies den Beamten in der Leitstelle aus seiner Sicht nicht interessiert habe, könne er sich nicht erklären.

Eine konkrete Einschätzung dazu könne er ohne Kenntnis des genauen Gesprächsverlaufs und der Hintergründe nicht abgeben, bedauert Stefan Weiand, Sprecher der Polizei Wuppertal. „Wir raten Bürgerinnen und Bürgern in solchen Fällen, eine Beschwerde bei unserer Beschwerdestelle einzulegen, damit wir das Anliegen genauer klären können. Es ist möglich, dass es hier ein Missverständnis gegeben hat, von außen lässt sich das aber kaum beurteilen.“

Grundsätzlich habe die Empfehlung der Polizei weiterhin Bestand, jeden Betrugsversuch zu melden, ergänzt Polizeisprecher Rafael Bringmann. „Auf die Meldung der Betroffenen sind wir angewiesen, um Täter zu ermitteln oder Taten zuordnen zu können. Des Weiteren kann die Häufung von Fällen festgehalten und davor gewarnt werden. Wenn ein Straftatbestand erfüllt wird, wird durch die aufnehmenden Beamten eine Strafanzeige gefertigt.“

Diese könnten Bürgerinnen und Bürger in einem Streifenwagen oder bei der nächsten Polizeiwache aufgeben, die dann an das zuständige Kriminalkommissariat weitergeleitet werde. „Dafür können beispielsweise Zeugen schriftlich vorgeladen oder entsprechende Daten zu Konten der Beschuldigten ermittelt werden“, erklärt Bringmann.

Sollte es noch zu keiner Straftat gekommen sein, würden die angegebenen Informationen gebündelt. Kommt es zu gehäuften Meldungen, informiere die Polizei die Öffentlichkeit darüber zeitnah, um vor Tätern zu warnen. „Dies erfolgt zum Beispiel über unsere Social Media Kanäle, sowie die regionalen Medien. Dies fand in der Vergangenheit bereits sehr häufig statt.“

Hintergrund

Bei weiteren Fragen zum Enkeltrick per Whatsapp steht das Kriminalkommissariat Kriminalprävention/ Opferschutz unter Tel. (02 02) 2 84 18 01 zur Verfügung. Das Beschwerdemanagement der Polizei ist erreichbar unter Tel. (02 02) 2 84 48 48 oder per Mail.

beschwerdemanagement.wuppertal@polizei.nrw.de

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