Bauprojekt Ittersammler

Nach Bauunfall am Baverter Bach: Zement bleibt bis Herbst

Die bereits vor dem Bauunfall angestrebte Renaturierung des Baches soll spätestens 2024 abgeschlossen werden. Das berichten Stefan Grotzki (links) und Wulf Riedel von den Technischen Betrieben. Fotos: Michael Schütz
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Die bereits vor dem Bauunfall angestrebte Renaturierung des Baches soll spätestens 2024 abgeschlossen werden.

Die Laichzeit hat begonnen, deswegen soll der vergossene Zement erst einmal unter Wasser aushärten. Die Sanierung und Renaturierung des Baverter Bachs folgen in zwei Abschnitten.

Solingen. Vergangenen Montag war es passiert: Eine Stunde lang ergoss sich aus einer Felsspalte eine Zementmischung als Bauunfall in den Bach. Der wurde gräulich trüb. Die Natur hilft sich schnell selbst. Im Baverter Bach, unweit des Schlosses Caspersbroich, liegt schon wieder erstes Sediment im Bachbett. Das gleicht trotzdem eher einer Betonpiste.

Zement im Baverter Bach

Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter?
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter? Vor Ort sind Wulf Riedel (TBS) und Matthias Sinn (Stadtdienstleiter Natur und Umwelt). © Michael Schütz
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter?
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter? Vor Ort sind Wulf Riedel (TBS) und Matthias Sinn (Stadtdienstleiter Natur und Umwelt). © Michael Schütz
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter?
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter? Vor Ort sind Wulf Riedel (TBS) und Matthias Sinn (Stadtdienstleiter Natur und Umwelt). © Michael Schütz
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter?
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter? Vor Ort sind Wulf Riedel (TBS) und Matthias Sinn (Stadtdienstleiter Natur und Umwelt). © Michael Schütz
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter?
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter? Vor Ort sind Wulf Riedel (TBS) und Matthias Sinn (Stadtdienstleiter Natur und Umwelt). © Michael Schütz
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter?
Zement im Baverter Bach, wie geht es weiter? Vor Ort sind Wulf Riedel (TBS) und Matthias Sinn (Stadtdienstleiter Natur und Umwelt). © Michael Schütz

Inzwischen ist das Wasser wieder klar. Doch das unnatürliche Bachbett soll erst im Herbst entfernt werden. Jetzt sollen erst einmal Frösche, Kröten und Insekten das Gewässer zur Aufzucht ihres Nachwuchses nutzen, denn die Laichzeit hat begonnen. Der Bach wird ab Ende 2023 renaturiert, das stand bereits vorher fest.

Solingen: Zement muss aushärten, damit nicht mehr Schaden entsteht

Matthias Sinn, Stadtdienstleiter Natur und Umwelt bei der Stadt Solingen, berichtet, das Wasser sei für etwa zwölf Stunden zur Lauge geworden. „Das hat einige Frösche das Leben gekostet.“ Auch verwirbelter Zement habe die Kiemen verklebt. Das sei der Grund, das flüssige Gemisch nicht panisch sofort aufzufangen, um nicht mehr Schäden anzurichten. Der Zement soll aushärten, das kann er unter Wasser.

Der Plan von Abteilungsleiter Wulf Riedel und Tiefbau-Projektleiter Stefan Grotzki von den Technischen Betrieben (TBS) der Stadt: Unterirdisch wird der fast zwei Kilometer lange Ittersammler (| Kasten) gebaut, nur an wenigen Stellen gibt es Baugruben. Darüber bleibt die Natur so unberührt. Das habe beim Bau des Kanals unter der Viehbachtalstraße und anliegender Flächen auch perfekt funktioniert, betont Riedel.

Der Zement stieg sechs Meter nach oben ins Bachbett.

Wulf Riedel, Technische Betriebe

Am Montag ging das schief, räumt Bauleiter Grotzki ein. Ein riesiger Bohrkopf hatte sich seit Anfang März unter dem Boden rund 850 Meter weit durch den felsigen Untergrund gefressen. Auf einem Schmiermittel wurden vier Meter lange Kanalrohre eingeschoben. Doch der Bohrkopf hat 3,18 Meter Durchmesser, die Rohre 3,10 Meter. Dieses „Spiel“ wird benötigt, um die Rohre vorzurücken. Um Untergrund und Boden fest miteinander zu verbinden, wird alle zwölf Meter aus einem Kanalventil flüssiger Zement nach außen in das „Spiel“ gepumpt.

Solingen: Renaturierung des Baverter Bachs steht noch an

Offensichtlich habe sich zwischen festem Gestein und Geröll ein Spalt gebildet, erklärt Grotzki. „So ist der Zement sechs Meter nach oben ins Bachbett gestiegen“, sagt Riedel. Er schätzt die Menge auf rund fünf Kubikmeter. Die Arbeiten sind unterbrochen und werden wieder aufgenommen, wenn der Zement im Spalt ausgehärtet ist. Zudem werde dann oberhalb des Baus der Boden besser beobachtet.

Stefan Grotzki (links) und Wulf Riedel von den Technischen Betrieben.

Matthias Sinn erklärt, dass Fauna und Flora jetzt mit dem neuen Bachbett zurechtkommen würden. Die große Renaturierung des Bachlaufs stehe wie geplant laut dem ursprünglichen Zeitplan an, wenn der Ittersammler 2023 fertiggestellt sei. Erst dann sei ausgeschlossen, dass bei Starkregen Wasser aus anderen Kanälen, sogenannten Siedlungseinleitungen, den Bach verschmutzt. Das ist ein Grund, den Sammler zu bauen. Die Alternative wären riesige Auffangbecken in der Natur gewesen.

Das alles könne den Vorfall nicht entschuldigen, sagt Wulf Riedel. Aber er verspricht, dass Ende 2023, spätestens Anfang 2024 aus dem Baverter Bach und dem dann auch entlasteten Krausener Bach ganz naturnahe, „schön plätschernde“ Gewässer werden. Im Herbst wird der Zement aus dem Bachbett gehoben. Wie genau, wissen Riedel und Grotzki noch nicht, es werde aber wohl einen fünfstelligen Betrag kosten.

Bis dahin wird Matthias Sinn mit seinem Team den Bach beobachten und eventuell mit Barrieren die Fließgeschwindigkeit senken, die durch das glatte Bett jetzt höher ist. Zugleich würden Auflagen für die TBS erarbeitet, wie der Bach zu sanieren sei.

Das ist im Sinn von Bürgermeister Thilo Schnor und seinen Grünen. „Bei einem solchen Großprojekt in einem Naturschutzgebiet muss mit mehr Sorgfalt seitens der Stadt vorgegangen werden“, kritisiert Lorena Matera, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Ausschuss.

Ittersammler schützt Gewässer

Projekt: 31,5 Millionen Euro investieren die Technischen Betriebe Solingen (TBS) gemeinsam mit dem Bergisch-Rheinischen Wasserverband (BRW) in den Bau des sogenannten Ittersammlers. Das ist ein 1860 Meter langer Staukanal.

Idee: Mit dem Sammler werden Wasserqualität und Sauberkeit der Itter und des Baverter Baches nachhaltig verbessert. Der Bach nimmt dann keine Siedlungseinleitungen mehr auf, die jetzt bei Starkregen in ihn laufen.

Naturschutz: Die Stadt setzt damit die Vorgaben um, Fließgewässer dauerhaft in ihren natürlichen Ursprung zu versetzen. Das soll auch der umstrittene Kanal an der Tunnelstraße leisten.

Standpunkt: Technik trifft auf Natur

Von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

War es Pech, dass Zement in einer flüssigen Mischung in den Baverter Bach gelaufen ist? War es fahrlässig? Am Ende wahrscheinlich irgendetwas dazwischen. Die Technischen Betriebe (TBS) sind zu Recht stolz auf ihre Bauweise. Statt tiefe Gruben auszuheben, wird unterirdisch gebaut. So schützt die Umsetzung der Projekte die Natur. Am Ende sind der Bach, Fauna und Flora noch mal mit einem blauen, wenn auch dick geschwollenen Auge davon gekommen. Sicher, es wird Kritiker geben, die vorher gewusst haben, dass das passieren musste.

Dem halten die Experten der TBS entgegen, beim Viehbachsammler sei das alles glatt und ohne Störung verlaufen. Das blaue Auge bezieht sich auch darauf, dass sowieso eine Renaturierung des Bachs nach Abschluss der Bauarbeiten vorgesehen ist. Die TBS werden sich aber daran messen lassen müssen, wie sie das künftig verhindern oder schneller unterbinden. Auch der Stauraumkanal an der Tunnelstraße soll so gebaut werden. Da geht es um mehr als Gewässer- oder Naturschutz. Die Politik hat längst das Zepter übernommen.

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