Ausstellung im Industriemuseum

„Must-have“ – eine Zeitreise durch die Konsumwelt

Die Ausstellung „Must-have“ im Industriemuseum endet im August. Dagmar Thiemler zeigt eine Victoria KR 25 Aerro, 8 PS, 247 qm von 1959. 50 000 Exemplare wurden davon bis 1959 gebaut. Die 1950er Jahre waren der Start in eine mobile Konsumgesellschaft.
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Die Ausstellung „Must-have“ im Industriemuseum endet im August. Dagmar Thiemler zeigt eine Victoria KR 25 Aerro, 8 PS, 247 qm von 1959. 50 000 Exemplare wurden davon bis 1959 gebaut. Die 1950er Jahre waren der Start in eine mobile Konsumgesellschaft.

Bis Ende August gibt das Industriemuseum einen spannenden Einblick in die Konsumwelt.

Von Philipp Müller

Die Kombinationstruhe Arkona der Firma  Blaupunkt von 1959 steht symbolhaft für die neue Unterhaltungswelt.

Solingen. Der Begriff „Must-have“ ist klar definiert. Er bezeichnet einen Gegenstand, den man besitzen sollte, um als modern zu gelten. Genau das zeigt noch bis Ende August das Industriemuseum in der Gesenkschmiede Hendrichs als historische Entwicklung bis in die Neuzeit. Das alles durchaus auch gepaart mit Konsumkritik.

„Die Ausstellung ist sehr stark gestartet“, blickt Museumsleiterin Nicole Scheda auf das vergangene Jahr zurück. Dann kam Corona. Das Museum wurde geschlossen, durfte unter wechselnden Auflagen wieder öffnen. Wie jetzt auch wieder.

Dagmar Thiemler vom Museum erzählt, das Führungen für Einzelpersonen oder ganz kleine Gruppen ab dem Sommer angeboten werden. Für die ehemalige Gesenkschmiede in ganzer Größe werde auch für zehn Teilnehmende Führungen vorbereitet.

Quelle-Katalog 1959, Bader-Katalog 1952 und Quelle-Katalog mit Musiktruhen und TV-Geräten von 1958 ermöglichten, rund um die Uhr einzukaufen.

„Must-have“ hat dabei eigentlich viele Besucher verdient – wie zum Start. Mit zahlreichen Ausstellungsstücken des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), dem Träger des Museums, solchen aus dem eigenen Haus uns weiteren Leihgaben ist eine Zeitreise entstanden, die richtig Spaß macht.

Mehr oder weniger sinnvolle Konsumartikel gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert

Es beginnt in der Frühzeit, wo Gebrauchsgegenstände noch ein Leben lang halten mussten. Und doch habe es seit dem 18. Jahrhundert schon mehr oder weniger sinnvolle Konsumartikel gegeben. Thiemler verweist auf einen Gurkenhobel. Spätestens zur Jahrhundertwende 1900 setze der Boom ein. Kaufhäuser entstanden. „Die Leute konnten sich erstmals die Sachen anschauen“, erzählt Thiemler.

Marken entstanden. Maggi oder Niveau sind zu sehen. Gemixt wird diese neue Konsumwelt auch mit riesigen Fotos von Einkaufsstraßen der Zeit. Darunter auch die Kaiserstraße in Solingen Wald. Wegen Corona-Einschränkungen sind nicht alle multimedialen Angebote nutzbar. Doch vieles erklärt sich selbst.

Die Schau „Must-have“ kritisiert Verpackungsmüll, Billigprodukte und Versandhandel.

Da ist die Vitrine mit Unterhaltungselektronik aus der Zeit des Wirtschaftswunders bis in die 1980er Jahre. Eine Schallplatte von Paul Kuhn mit Tanzmusik ist zu sehen. Auch Udo Lindenberg und seine LP „Votan Wahnwitz“ ist ausgestellt. Dazu immer die passenden Plattenspieler.

Das Wirtschaftswunder befeuerte den persönlichen Konsum

Das Wirtschaftswunder der 1950er sei die Zeit gewesen, in der sich die Menschen in Deutschland hätten etwas leisten können. Das Symbol ist der Versandkatalog. „Alle konnten damit rund um die Uhr einkaufen – nur noch nicht online“, erklärt Thiemler.

Doch der Konsum der letzten Jahrzehnte hat eine Schattenseite: Und die liegt dort, wo viel Kunststoff entsteht und damit noch mehr Müll. Eine Wand mit Plastiktüten großer Marken und Einkaufshäuser macht das deutlich. Seit den 1980ern wird es zügellos.

Regeln und Infos

Corona: Für den Besuch von „Must-have“ im Industriemuseum sind aktuell weder ein Termin noch ein negativer Schnelltest erforderlich.

Geöffnet: Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 11 bis 18 Uhr, Montag geschlossen.

Infos: Das Museum zeigt sich digital

Arbeitswelt anno dazumal wird digital erlebbar: Klassische Industriekultur soll sich künftig in moderner Museumspädagogik mit der digitalen Welt verbinden. Ein Spiel macht den Einstieg der Besucher in die Arbeitswelt von damals einfacher, als es beispielsweise mit Texten möglich ist.

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