Fernsprecher führen ein Schattendasein

Stadt muss einem Abbau von Telefonzellen zustimmen

Diese Telefonzelle steht vor dem Städtischen Klinikum. Foto: bjb
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Diese Telefonzelle steht vor dem Städtischen Klinikum.

Die Telekom prüft beständig auf Wirtschaftlichkeit.

Solingen. Es gibt nur wenig im öffentlichen Raum, was so aus der Zeit gefallen wirkt wie Telefonzellen. Wir wissen heute nicht, ob es Briefkästen vielleicht auch einmal so gehen wird – oder Tankstellen. Die Telefonie aber erfährt seit Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel. Erst kamen die Handys, dann die Smartphones. Und dennoch gibt es sie noch, die Telefonzellen, auch in Solingen. Aber warum eigentlich?

Weil auch im Jahr 2021 der Erhalt von Telefonzellen ein gesellschaftliches Ziel ist. „Eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Telefonstellen wird nach wie vor von uns sichergestellt“, erklärt George-Stephen McKinney, Pressesprecher der Deutschen Telekom. Das Unternehmen beobachte ständig den Markt und die Nutzung der öffentlichen Telefone. „Bei Standort-Entscheidungen müssen wir abwägen zwischen öffentlichem Interesse an einer Versorgung mit frei zugänglichen Telefonen und wirtschaftlichen Interessen unseres Unternehmens.“

Solingen: Hier gab oder gibt es Telefonzellen

Ohne weiteres kann die Telekom ihre Telefonzellen nicht abbauen, Bundesnetzagentur und Kommune müssen zustimmen. Die Telekom darf eine Stadt wegen eines Abbaus ansprechen, wenn es sich um „extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro im Monat“ handelt. „In aller Regel stimmen die Kommunen unserem Ansinnen zu“, so Telekom-Sprecher McKinney. In Solingen ist das aber offenbar schon so lange her, dass die Stadt nach einer Tageblatt-Anfrage erst prüfen musste, wer innerhalb der Verwaltung überhaupt für Telefonzellen zuständig ist. Es sind die Technischen Betriebe (TBS), die nun die Telekom wegen Zahl und Standort der Telefonzellen angeschrieben haben.

Zu den Geheimnissen der Telefonzellen gehört nämlich, dass niemand so genau weiß, wo sie stehen – zumindest ist eine genaue Übersicht nicht leicht aufzutreiben. „Wir halten keine regionalen Daten mehr für die externe Kommunikation vor. Aus Kostengründen werden Standortzahlen nur für den Fall erstellt, dass ein operativer oder geschäftlicher Anlass vorliegt“, heißt es seitens der Telekom. Ein Nutzer namens Lukas458 hat online eine Karte mit bestehenden und ehemaligen öffentliche Telefonen für Solingen erstellt.

Solingen: Öffentliche Telefone sind wichtig für etwaige Notrufe

Fest steht laut Stadtsprecher Lutz Peters: „Sollte die Telekom bei der Stadt Solingen einen Antrag auf Abbau von Telefonzellen stellen, wird der Antrag sorgfältig geprüft und nach pflichtgemäßem Ermessen beschieden.“ Dazu gehöre, die Standorte zu prüfen und auch das Aufkommen von Notrufen von diesen Telefonstandorten zu erheben.

Die Nachbarstadt Remscheid hat zuletzt 2019 einen solchen Antrag erhalten. Elf Standorte wollte die Telekom damals gerne abbauen, bei fünf Adressen widersprach die Stadt. „Bevor weitere abgebaut werden, erwarten wir erst einmal, dass Funklöcher gestopft werden“, erklärt Peter Heinze, Beigeordneter für Stadtentwicklung in Remscheid. In den zentralen Lagen der Stadt, an Stellen mit hoher Passantenfrequenz und im Umfeld unfallträchtiger Kreuzungsbereiche soll ein Mindestbestand an öffentlichen Fernsprechern erhalten bleibe.

In Wuppertal stehen im Innenstadtbereich 32 Telefonzellen, schreibt Stadtsprecher Thomas Eiting. Andere Zahlen lägen nicht vor. 2010 seien es noch 44 gewesen. Der letzte Abbau erfolgte 2018.

Der Ohligser Marcus Friese sammelt Telefonkarten, aber auch vieles weitere rund um die Welt der „Fernsprecher“.

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