Zentrum für verfolgte Künste

Museum zeigt „ . . . um laut zu sagen: Nein.“

Kuratorin Birte Fritsch und Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter präsentieren politische Kunst von Boris Lurie. Sie ist Teil einer Ausstellungstrilogie, die parallel läuft. Foto: Christian Beier
+
Kuratorin Birte Fritsch und Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter präsentieren politische Kunst von Boris Lurie. Sie ist Teil einer Ausstellungstrilogie, die parallel läuft.

Zentrum für verfolgte Künste stellt Menschen im Widerstand gegen die Nazis vor und zeigt Werke aus der Shoah

Solingen. Mit rund 300 Werken von Künstlern unter anderem aus New York, der Gedenkstätte Esterwegen, dem KZ Sachsenhausen und eigenem Bestand gehen kommenden Samstag, 8. Mai, gleich drei Ausstellungen im Zentrum für verfolgte Künste parallel an den Start. Sie stehen gemeinsam unter dem Motto eines Zitats von Kurt Tucholsky, dem Satiriker, Journalisten und Gesellschaftskritiker der 1920er Jahre: „ . . . um laut zu sagen: Nein.“

Da ist einmal eine Ausstellung zur Kunst von Insassen des KZ Sachsenhausen. Ergänzt wird das durch eine Schau von 100 Werken von Boris Lurie, die die Entstehung seines Romans „Das Haus von Anita“ erläutern. Komplimentiert wird die Ausstellungstrilogie durch eine historische Würdigung des Widerstands in Solingen gegen die Nazis durch das Max-Leven-Zentrum.

Wir bauen eine Ausstellung auf, die jetzt kein Publikum sehen kann.

Jürgen Kaumkötter, Direktor

Das alles sollte mit entsprechendem Pomp eröffnet werden. Doch das findet nun digital statt. Und auch die Ausstellungen müssen zunächst mit dem Internet vorliebnehmen. Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter machte aus seiner Stimmungslage kein Geheimnis. Skurril empfindet er sie, teils absurd – aber er ist doch voller Euphorie für die kommende Zeit: „Wir bauen gerade eine Ausstellung auf, die am 8. Mai eröffnet wird. Die wird dann ab dem 9. Mai ohne Publikum zu sehen sein. Und eigentlich sollte sie schon im vergangenen Jahr laufen.“

Denn schon zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs entstand für 2020 die Zusammenarbeit zwischen der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen, dem Sachsenhausen Memorial, der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück, der Boris Lurie Art Foundation und dem Solinger Max-Leven-Zentrum.

Zentrum für verfolgte Künste setzt auf Podcasts

Viele weitere Partner gibt es für 2021 – und „ . . . um  laut zu sagen: Nein.“ ist auch Teil des Gedenkjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Mit Podcasts wolle man viele der Inhalte auf der völlig überarbeiteten Homepage des Zentrums transportieren, erklärte die Kuratorin des Zentrums, Birte Fritsch. Sie selbst werde ihren Schwerpunkt dabei auf Boris Lurie legen. So wolle sie zeigen, wie sich nach dem Trauma des Künstlers in einem KZ ein direkter und sehr provokanter, politischer Kunstakteur entwickelt habe. Da gebe es viele Spannungsfelder, die beleuchtet werden sollen.

Kaumkötter selbst wird über die von ihm mitkuratierte Sachsenhausen-Ausstellung im Internet berichten. Sie trägt den Untertitel „Écraser l’infâme! Zerstört die Niedertracht“ und widmet sich dem Thema Künstler und das KZ. Dazu sind Exponate aus der Sammlung der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen in Solingen zu sehen. Daraus werden sieben Künstler vorgestellt und durch Werke aus der Sammlung der Bürgerstiftung für verfolgte Künste ergänzt.

#closedbutopen: Online-Serie über lokalhistorische Personen und Zusammenhänge

Der Verein Max-Leven-Zentrum schließlich hat schon länger das Internet für sich entdeckt. In der Serie „#closedbutopen“ stellt der Verein lokalhistorische Personen und Zusammenhänge aus der Nazizeit von 1933 bis 1945 vor. Daniela Tobias verwies auf eine Web-Veranstaltung am Sonntag, 9. Mai, um 17 Uhr. Die Journalisten Annemarie Kister-Preuss und Uli Preuss erinnern dann an den Prozess gegen den „Wilhelm Tell von Auschwitz“, den Solinger Gottfried Weise.

Die Ansätze ergänzten sich hervorragend, betonte Jürgen Kaumkötter bei der Vorstellung des großen Projekts. Es wird im gesamten Haus zu sehen sein – wenn denn wieder Besucher ins ehemalige Gräfrather Rathaus dürfen.

Vernissage geht den digitalen Weg

Eröffnung: Am Samstag, 8. Mai, sprechen in einem Livestream zum Start von „ . . . um laut zu sagen: Nein.“ Bürgermeister Thilo Schnor, Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, 1. Stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, Sylvia Löhrmann, Generalsekretärin des Festjahres „321-2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, Daniela Tobias, Vorsitzende des Max-Leven-Zentrum, und Prof. Dr. Christoph Rass, Universität Osnabrück.

Termin: 8. Mai, 17 Uhr

www.verfolgte-kuenste.com

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare