Sonderfahrten

Museum vermietet historische Obusse

Ein ehrwürdiges Gespann: der Obus 59 und der Personenanhänger 06.
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Ein ehrwürdiges Gespann: der Obus 59 und der Personenanhänger 06.

Viele alte Gefährte aus 70 Jahren Obus-Geschichte in Solingen sind noch im Einsatz. Einige sogar täglich, um Standschäden zu vermeiden.

Solingen. Neun Fahrzeuge und ein Anhänger umfasst derzeit der Fuhrpark des Vereins Obus-Museum Solingen. Während einige Schätzchen des Vereins zurzeit noch aufbereitet werden müssen, beziehungsweise nicht angemeldet sind, können andere für Sonderfahrten gemietet werden. Beim Tag der offenen Tür am Sonntag, 19. Juni, sind alle zu sehen. Eine Übersicht:

Obus 59: Der Obus 59 wurde 1959 von den Firmen Uerdingen und Henschel, für den mechanischen Teil, und Kiepe, für den elektrischen Teil, gebaut. Er wurde am 18. Dezember 1959 von den Stadtwerken Solingen in Dienst gestellt. Die endgültige Ausmusterung erfolgte am 23. Februar 1984. Bis dahin trug er das Kennzeichen SG-2201.

1986 verschlug es den Obus nach Aachen, wo er bei einem Bussammler ein Obdach fand. Am 17. Juni 1999 wurde er mit Hilfe von Sponsoren zurückgekauft, woraufhin sich der Verein Obus-Museum Solingen gründete. Nach seiner Rückkehr wurde er über die Jahre aufwendig restauriert. Seit 2007 ist “der 59” wieder in Solingen „unterm Draht“.

Hier geht es zum Obus 42, zum Dieselbus 151, Dieselbus 653, Turmwagen 104, zu den aktuell nicht betriebsfähigen Modellen und den Bussen, die derzeit aufbereitet werden.

Personenanhänger 06: Nur in Verbindung mit dem Obus 59 kann der Personenanhänger 06 gemietet werden. Bis zum 31. März 1962 war der Anhängerbetrieb in Deutschland gestattet. So wurden in der Hauptverkehrszeit die Obusse vom Typ ÜH IIIs mit Anhängern verstärkt.

2017 gelang es dem Verein, einen dieser historischen Anhänger wieder für den Personenverkehr zuzulassen. Der „Orion WH112“ stammt aus dem Jahr 1956 und wurde sechs Jahre später ausgemustert.
Geschichte: 70 Jahre Obus in Solingen

Obus 42: Zwischen 1985 und 1987 haben die Stadtwerke Solingen insgesamt 46 Fahrzeuge des Typs „MAN SL172HO“ angeschafft. Einer von ihnen, der Obus 42, wurde am 29. Dezember 1986 zugelassen.

Nach nur zwei Jahren Linieneinsatz wurde er der Firma Kiepe als Versuchsträger zur Verfügung gestellt. Er erhielt eine Drehstromanlage und wurde bis 2007 getestet und zeitweise im Linienverkehr eingesetzt. Die Anlage wurde zwischenzeitlich immer weiter optimiert und durch andere Komponenten, zum Beispiel „SuperCaps“ für die Notfahrt, ergänzt.

Zwischenzeitlich wurde Wagen 42 in die neuen Farben umlackiert. Ende 2007 war dann die Drehstromanlage defekt und die Firma Kiepe hatte kein weiteres Interesse, diesen Wagen zu benutzen. Er wurde abgestellt.

Nach einigen Gesprächen mit den Stadtwerken konnte der Verein den Obus 42 übernehmen und in Eigenregie auf seine ursprüngliche Gleichstromtechnik zurückgebaut. Seit 2008 steht der Wagen wieder im Liniendienst. Dank des Sponsors konnte der Verein 2010 den Wagen 42 wieder in die ursprünglichen Farben zurückversetzen und mit einer zeitgenössischen Werbung versehen.

Um Standschäden zu vermeiden, ist Wagen 42 in der Schulzeit jeden Morgen noch im Einsatz zu erleben.

Dieselbus 151: Der vom Verein „Wagen 151“ genannte Dieselbus, ein Mercedes O305, wurde am 24. November 1982 zugelassen. Die Lieferserie des Jahres 1982 umfasste bei den Stadtwerken Solingen elf Fahrzeuge, die erstmals die sogenannten Dreikammerleuchten am Heck trugen.

Nachdem Wagen 151 zunächst eine klassische Bandenwerbung für das Solinger Tageblatt trug, bekam er später eine Vollwerbung in rot/weiß für das Solinger Wochenblatt. In diesem Zustand schied er 2001 als letzter O305 der Stadtwerke Solingen mit mehr als 700.000 gefahrenen Kilometern aus dem Betriebsbestand aus und wurde vom Obus-Museum Solingen erworben.

2010 begann die umfangreiche Restaurierung. In Eigenregie wurde das Fahrzeug für eine umfangreiche Karosserieinstandsetzung entkernt. Nachdem danach weitere Arbeiten in Eigenregie durchgeführt worden sind, konnte der Wagen mit Hilfe des Sponsors Siepmann 2018 zum Innenausbau und technischen Abnahme zur Firma Rein und Becker gebracht werden.

Von dort kehrte er im Juli 2019 auf eigener Achse, zugelassen mit H-Kennzeichen, nach Solingen zurück und steht nun für Sonderfahrten außerhalb des Obus-Netzes zur Verfügung.

Dieselbus 653: Zurzeit nicht angemeldet ist der Dieselbus 653. Das Fahrzeug ist einer von drei „Mercedes-Benz O405GN2“, die 1996 von den Stadtwerken Solingen angeschafft wurden, um ihren Dieselbusfuhrpark zu erneuern. Diese wurden als Wagen 651 bis 653 in den Fuhrpark eingegliedert.

Im Jahr 2006 erhielten sie Verstärkung durch einen ehemaligen Dortmunder O405GN. Dieser war Baujahr 1994 und wurde als Wagen 654 in den Fuhrpark eingegliedert. Bis 2014 wurden alle O405GN bei den Stadtwerken Solingen ausgemustert. Wagen 653 wurde an ein privates Busunternehmen in Xanten verkauft. Dort war er im Schulbus- und Shuttleverkehr unterwegs.

2020 konnte das Obus-Museum Solingen den Wagen zurückerwerben und in seine alte Heimat zurückholen. Nach Beseitigung einiger Schäden steht Wagen 653 in Zukunft als Niederflurgelenkbus dem Museum zur Verfügung. Ein genauer Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest.

Turmwagen 104: Nicht angemeldet ist auch der Turmwagen 104. Das im Jahr 1981 gebaute Fahrzeug war ebenfalls bei den Stadtwerken Solingen im Einsatz. Es wurde am 23. Juli 2003 ausgemustert und ist seither im Besitz des Obus-Museums.

Nicht betriebsfähig: Aktuell sind der Obus 5, der Obus 10 und der Dieselbus 161 nicht betriebsfähig. Der Obus 5 wurde 1984 gebaut und im Juni 2003 von den Stadtwerken abgemeldet. Es war der erste zugelassene Bus des Museums und von 2004 bis Dezember 2010 im Museumsdienst tätig. Aufgrund von Karosserieschäden musste Obus 5 im Dezember 2010 abgestellt werden.

Obus 10 ist ein „TS“ (Trolleybus Solingen) mit dem Baujahr 1969, der zu einer vom Solinger Verkehrsbetrieb in Eigenregie konstruierten Serie von nur 80 Exemplaren gehört. Diese Obus-Unikate fuhren von 1968 bis 1988 durch Solingen und wurden dank ihrer robusten Bauweise danach noch nach Mendoza (Argentinien) abgegeben, wo sie zum Teil bis 2010 fuhren.

Der Dieselbus 161 war Teil einer 13 Wagen umfassenden Flotte der Stadtwerke, die in den Jahren 1961 bis 1964 als Ersatz älterer Autobusse angeschafft wurde. Von diesem Stadtbus wurden insgesamt nur knapp 1000 Exemplare von Mercedes-Benz gebaut.

In der Aufarbeitung: Der Obus 68 des Museums gehört ebenfalls zu der vom Solinger Verkehrsbetrieb in Eigenregie konstruierten Trolleybus-Serie. Beim Fahrzeug aus dem Jahr 1974 wurden bereits das Fahrgestell sowie die Karosserie fachgerecht instandgesetzt. Jetzt steht unter anderem noch die Neuinstallation der elektrischen Anlagen sowie der Innenausbau an.

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