Museen suchen digitalen Besucher-Kontakt

Das Klingenmuseum will deutlich digitaler werden. Foto: Christian Beier
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Das Klingenmuseum will deutlich digitaler werden. Foto: Christian Beier

Verwaltung legt dem Kulturausschuss Bericht zu Internet-Aktivitäten vor

Von Philipp Müller

Die Solinger Museen suchen zunehmend den Kontakt zu Besuchern über das Internet. Das wird aus einem Bericht deutlich, den die Verwaltung am Donnerstag dem Kulturausschuss zur Beratung vorlegt. Klingenmuseum, Kunstmuseum und das Zentrum für verfolgte Künste stellen in der Vorlage ihre Wege vor, wie sie diesen Kontakt – um Inhalte der jeweiligen Einrichtungen angereichert – zukünftig verstärkt ausbauen wollen.

Die SPD-Fraktion im Rat hatte im vergangenen Dezember im Rahmen der Haushaltsberatungen für das Jahr 2020 von der Verwaltung die Erarbeitung eines Konzepts gefordert, das den künftigen Besuchern vorab Informationen über die Ausstellungen und die Häuser vermittelt. Auch virtuelle Besucher der Museen sollen so möglich werden. Das Konzept solle auch aufzeigen, wie das durch Apps der einzelnen Einrichtungen zur Attraktivität der lokalen Museumslandschaft beitragen kann.

Das liefert die Vorlage allerdings nur in begrenztem Umfang, so dass von einem Konzept kaum die Rede sein kann. Die Diskussionsgrundlage für den Ausschuss ist dann die Beschreibung des Ist-Zustands mit Perspektive und ein Wegweiser, wie es laufen könne.

Der Weg zu den digitalen Besuchern wird dabei sehr unterschiedlich beschritten. Das Kunstmuseum Solingen ist da als Vorreiter zu nennen. Direktorin Gisela Elbracht-Iglhaut berichtet auf ST-Nachfrage, dass man bewusst Instagram für die Generation der 20- bis 30-Jährigen bespiele, dazu auch Facebook für die älteren Generationen. Sie ergänzt, dass ein Video zur durch Corona ausgefallenen Ausstellung mit Bildern der beiden bergischen Kunstpreisträger David Czupryn und Jochen Mühlenbrink sogar rund 1000 Nutzer hatte.

Betreut wird das digitale Angebot mangels Personal von der Direktorin selbst. Aber die Homepage des Kunstmuseums sei auf neustem Stand, erklärt die Verwaltung in der Tischvorlage. Das gelte aber nicht für das Deutsche Klingenmuseum. Dort steckt die digitale Zukunft noch in den Kinderschuhen. Das soll sich jetzt aber mit der laufenden konzeptionellen Neuausrichtung des Museums ändern.

Große Schritte will die Leitung um Direktorin Dr. Isabell Immel beschreiten. 4000 Stücke aus der Sammlung werden digital erfasst, dazu die Bibliothek. Weitere Angebote sollen entwickelt werden. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) unterstützt das finanziell.

Der LVR ist neben der Stadt auch Träger des Zentrums für verfolgte Künste. Dort hat man die Corona-Pause dazu genutzt, mit Podcasts – kurzen akustischen Führungen und Erklärungen – und sogar einem 360-Grad-Video-Experiment das Haus für digitale Nutzer zu erreichen. Facebook und Instagram werden vom Zentrum für verfolgte Künste auch mit Inhalten gefüllt.

Die Verwaltung will, dass die Museen weiter getrennte Wege gehen, um die Vielfalt zu sichern, und will über die städtische Homepage auf die Inhalte verweisen. | Standpunkt

Standpunkt

Von Philipp Müller

Ein Besuch im Museum lebt von der Emotion. Bilder, Skulpturen oder Ausstellungsstücke aus verschieden Blickwinkeln anzuschauen, gehört dazu. Ein Blick in den Katalog oder ein Mithören im Audioguide vertiefen das. Doch Museen müssen heute mehr können. Längst erwarten vor allem die jüngeren Besucher, dass sich das Gezeigte im Internet widerspiegelt. Die Macher in den Solinger Museen wissen das. Das Kunstmuseum zeigt das seit einigen Jahren. Nun ziehen die anderen nach. Das lag nicht am Desinteresse. Das erfordert einfach viel personellen Einsatz vor Ort. Und das Internet muss groß gedacht werden. Es endet nicht wie ein Museum an der Tür. Der große Ansatz ist aber in der Verwaltungsvorlage nicht zu erkennen. Die ist zu kleinteilig. Warum nutzt man nicht die Chance, die Museen im bergischen Städtedreieck über eine gemeinsame Plattform – etwa bei der Bergischen Entwicklungsagentur angesiedelt – zu vermarkten? Was bei Online-Händlern oder auf Hotelplattformen klappt, das sollte doch auch bei Museen möglich sein: Ein Klick, und man ist drin.| Museen . . .

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

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