Neues Angebot an der Mummstraße

Gesundheitshaus öffnet Ende 2022

Das Gesundheitshaus an der Mummstraße soll unter anderem den Gesundheitskiosk von Solimed beheimaten.
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Das Gesundheitshaus an der Mummstraße soll unter anderem den Gesundheitskiosk von Solimed beheimaten.

In diesem Jahr soll der geplante Gesundheitskiosk in der Innenstadt an den Start gehen. Dieses Ziel gab Mark S. Kuypers am Dienstag im Sozialausschuss aus.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Den Fachpolitikern erläuterte der Kaufmännische Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Solimed das Konzept der Einrichtung an der Mummstraße. Diese solle „alle Menschen erreichen – unabhängig von ihrem Versichertenstatus, Alter, Geschlecht und ihrer Herkunft“.

Das Vorhaben geht auf ein Pilotprojekt in Hamburg zurück. Dort wurde der erste Gesundheitskiosk Deutschlands eröffnet. Wegen der in der Hansestadt gesammelten Erfahrungen möchte die AOK Rheinland/Hamburg das Konzept ausweiten. Dazu hat die Krankenkasse nach Partnern gesucht – und mit Solimed gefunden. Inzwischen werde der Ansatz in mehreren deutschen Städten verfolgt. Dennoch betonte Sozialdezernent Jan Welzel (CDU): „Damit leisten wir Pionierarbeit.“

„Damit leisten wir Pionierarbeit.“

Jan Welzel, Sozialdezernent

Mark S. Kuypers berichtete, dass mit der Bergischen eine weitere Krankenkasse signalisiert habe, das Projekt zu fördern. Mit der AOK unterstützt sie den Gesundheitskiosk jährlich insgesamt mit einem sechsstelligen Betrag. Kuypers und Dr. Stephan Kochen, der Medizinische Solimed-Geschäftsführer, betonten, dass die Kassen zwar die Finanziers seien. Weitere Ansprüche ergeben sich daraus jedoch nicht. Im Kiosk seien keine Logos der Krankenkassen zu finden, sie erhalten keine personenbezogenen Daten der Beratenen. Zudem hoffe man auf weitere Krankenversicherungen als Unterstützer.

Der Kiosk soll täglich geöffnet haben, führte Mark S. Kuypers aus. Man plane, die Stundenzahl sukzessive auszuweiten. Zunächst sollen drei Angestellte an der Mummstraße vor Ort sein. Eine Erweiterung auf fünf sei denkbar. Ihre Aufgabe wird sein, den Ratsuchenden weiterzuhelfen und sie zu vermitteln. „Der Kiosk soll eine koordinierende Stelle sein“, erklärte Kuypers. Dabei helfe das große Solimed-Netzwerk. Bei medizinischen Problemen könnten die Betroffenen an Praxen verwiesen werden.

Öffentliche Gesundheitsversorgung: Gesundheitshaus soll an die Mummstraße

Das Angebot richte sich in erster Linie an Menschen, die normalerweise keinen Kontakt zu Ärzten haben. Diese Gruppe sei groß, berichtete Stephan Kochen aus seiner Tätigkeit als Ärztlicher Leiter des Corona-Impfzentrums: „Es gibt eine riesige Gruppe in der Gesellschaft, die wir mit unserer medizinischen Versorgung nicht erreichen, obwohl sie krankenversichert sind.“ Diese wolle man mit dem Gesundheitskiosk in die Regelversorgung überführen.

Gleichzeitig soll der Gesundheitskiosk auch Orientierung in sozialen Fragen bieten. Deshalb zeigte sich Kuypers froh, das Rathaus als Partner für das Projekt gewonnen zu haben. Die Stadt mietet das ehemalige Möbelhaus Schmidt an der Mummstraße an und finanziert den Umbau. Die Arbeiten seien vergeben, teilt die Verwaltung mit. Ende 2022 soll das Angebot starten.

Der Gesundheitskiosk wird nur einen Teil der Fläche einnehmen. Auf rund 370 der insgesamt 595 Quadratmetern werden städtische Angebote zu finden sein, zunächst das Impfzentrum. Jan Welzel zeigte sich im Ausschuss von den Chancen des Projektes überzeugt. Es sei die passende Antwort auf den absehbaren Hausarztmangel in Solingen. Die Innenstadt sei zudem der richtige Standort: „Hier leben die meisten Transferleistungsempfänger. Deshalb braucht es vor Ort entsprechende Angebote.“

Im Ausschuss stießen die Ausführungen Solimeds auf Zustimmung. Unter anderem erklärte Uli Preuss (SPD), der Gesundheitskiosk komme „zur denkbar richtigsten Zeit“.

Finanzierung

Der Umbau des Gesundheitshauses an der Mummstraße kostet rund 420.000 Euro. Der Rat hat dieser Investition im Juni zugestimmt. Die Stadt wird auch den größten Teil der teilweise geförderten Mietkosten übernehmen. Der Vertrag läuft bis zum 30. April 2027. Den Betrieb des Gesundheitskiosks finanzieren die Krankenkassen.

Standpunkt von Manuel Böhnke: Richtiger Ansatz

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Wie gesund ein Mensch ist, hängt von vielen Faktoren ab. Einige davon sind sozioökonomischer Natur: Armut lässt die Lebenserwartung sinken. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein Aspekt ist, dass Betroffene schlicht seltener und leider häufig zu spät zum Arzt gehen, etwa wegen geringer Kenntnis des Gesundheitssystems oder Sprachbarrieren. Probleme wie diese möchte Solimed in Kooperation mit Stadt, AOK und Bergischer Krankenkasse mit dem Gesundheitskiosk angehen. Die Hemmschwelle, sich beraten zu lassen, soll geringer werden.

Das ist der richtige Ansatz. Diese Einschätzung teilt die Bundesregierung. „In besonders benachteiligten Kommunen und Stadtteilen errichten wir niedrigschwellige Beratungsangebote – zum Beispiel Gesundheitskioske – für Behandlung und Prävention“, haben die Ampel-Parteien in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. In Solingen wird das bald Realität. Der Bedarf dürfte absehbar nicht zurückgehen.

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