Herkunft ist unklar

Mufflons siedeln sich in Widdert an

Die Widder der Herde, wie dieses prachtvolle Exemplar, sind an ihren charakteristischen gebogenen Hörnern zu erkennen. Fotos: Agnès Debroye
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Die Widder der Herde, wie dieses prachtvolle Exemplar, sind an ihren charakteristischen gebogenen Hörnern zu erkennen.

Eine Herde der besonderen Schafart wurde mehrfach in den Wäldern zwischen Rölscheid, Rüden und Friedrichstal gesichtet.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Seit einigen Monaten wird in Widdert, im Raum zwischen Rölscheid, Rüden und Friedrichstal, eine Herde einer für unsere Region ungewöhnlichen Tierart gesichtet: Der Europäische Mufflon, jägersprachlich Muffelwild oder kurz Muffel genannt, stammt ursprünglich von den Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien. Er ist seit dem 19. Jahrhundert aber auch auf dem Festland in felsigen Gegenden Süd- und Mitteleuropas heimisch geworden.

Auffällig sind die männlichen Tiere, die Widder, mit ihren schneckenförmig eingedrehten Hörnern von bis zu 80 Zentimetern Länge. „Die Mufflons sind plötzlich und irgendwie bei uns aufgetaucht“, berichtet Agnès Debroye, Vorsitzende des Solinger Imkervereins und Halterin von Zwergziegen. Sie wohnt in Obenrüden. „Die Tiere sind nicht sehr scheu. Sie waren vor vier Wochen noch eine Stunde lang auf unserem gepflasterten Hof unterwegs und haben unsere Zwergziegen auf ihrer Wiese ganz friedlich besucht. Auch meinen Hibiskus fanden sie toll - und schmackhaft. Anschließend zogen sie sich zurück in den Wald.“

Die Imkerin Agnès Debroye hat die eindrucksvollen Tiere schon öfters vor die Linse ihrer Kamera bekommen.

Bei dem Widderter Rudel handelt es sich um drei Widder, darunter ein älteres, etwa drei bis vier Jahre altes Tier und zwei jüngere im Alter von ein bis zwei Jahren, sowie ein Schaf (Weibchen) mit einem männlichen Lamm aus diesem Jahr. „Die ungewöhnliche Konstellation der Herde lässt darauf schließen, dass die Tiere vermutlich ausgesetzt wurden oder ausgebüxt sind“, erklärt Agnès Debroye, die sich inzwischen beim Forstamt und beim Revierförster kundig machte. Auch der Solinger Naturschutzbund (Nabu) ist informiert. „Sollten die Tiere ein Ableger aus einer anderen Herde sein, wäre die Zusammensetzung von drei Widdern und einem Schaf sehr seltsam.“

Mufflons sind Agnès Debroye ans Herz gewachsen

Im Further Moor im Grenzgebiet zwischen Leichlingen und Langenfeld leben bereits seit einigen Jahren wilde Muffeltiere. „Da die Tierart aber sehr standorttreu ist, scheint es eher unwahrscheinlich, dass unsere Widderter Muffeln von dort abgewandert sind.“ Mufflons haben ausgeprägte Sinnesorgane. Ihr Riech-, Hör- und Sehsinn ist hervorragend ausgebildet. So können sie Menschen aus mehreren hundert Metern Entfernung wittern und hören selbst unauffällige Geräusche aus weiter Distanz.

Immer wieder werden die „Widderter Widder“ von Spaziergängern auf Wiesen und im Wald gesichtet und fotografiert. „Regelmäßig tauchen bei uns auch Leute auf und fragen, ob unsere Ziegen in den Wald ausgebüxt wären.“ Mittlerweile seien ihr die im Tal an der Wupper siedelnden Tiere richtig „ans Herz gewachsen“, sagt die Tierfreundin.

Doch sie gibt zu bedenken: „Nun gehören sie aber leider nicht in unsere bergischen Wälder. Da sie an unsere nassen, lehmigen Böden nicht gewöhnt sind, ist damit zu rechnen, dass sie auf Dauer Krankheiten wie Moderhinke, eine Art Klauenseuche, entwickeln und eingehen können.“ Denn Mufflons sind ursprünglich auf felsigem Grund unterwegs, ihre Klauen sind auf harte Böden spezialisiert. „Der ältere Widder lahmte auffällig stark, als ich ihn das letzte Mal sah.“

Die Mufflonherde scheint gar nicht scheu zu sein.

Mufflons dürfen jagdrechtlich geschossen werden

Die Vorsitzende des Solinger Nabu, Edeltraut Krüger, verweist auf eine weitere Gefahr, die den Wildschafen drohe: „Forstamt und Jägerschaft teilten uns mit, dass die Tiere jagdrechtlich geschossen werden dürfen.“ Die Schusszeit für Mufflons sei nach dem Bundesjagdgesetz in der Zeit vom 1. August bis 1. Januar. „Solche Wildschafe können in unseren Wäldern größere Schäden anrichten. Unter anderem betrifft dies die Bäume, deren Rinde sie abfressen.“

Auch in nicht eingezäunte Gärten brechen sie ein. Dazu kommt noch, dass sich Muffel mit Hausschafen paaren können und ansässige Schafhalter nicht gerade erfreut über paarungswillige wilde Widder in ihrer Nähe sind. „Aber Abschuss sollte wirklich die allerletzte Option sein“, sagt Edeltraut Krueger, und Agnès Debroye bekräftigt: „Unser Wunsch wäre es nun herauszufinden, wo die Muffel herkommen. Dann kann man versuchen, sie einzufangen und ihren Besitzern zurückzugeben oder ansonsten an einen Tierpark zu vermitteln.“

Woher stammen die Mufflons in Widdert?

Kontakt: ST-Leser, die etwas über die Herkunft der Widderter Mufflonherde wissen oder Anregungen haben, wie man ihnen helfen kann, können sich an Agnès Debroye wenden: agnes.debroye@t-online.de, kontakt@nabu-solingen.de oder Tel. (0178) 1 30 06 75.

Mufflons: Die Tiere aus der Gattung der Wildschafe erreichen eine Körperlänge bis 120 und eine Schulterhöhe bis 90 Zentimeter. Die Schafe erreichen ein Gewicht von 25 bis 40 Kilogramm, die Widder 35 bis 55 Kilogramm. Die Jungen werden als Lämmer bezeichnet.

Jährlich sind in Solingen Moorschnucken in der Ohligser Heide zu beobachten.

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