„Müngstener“ fällt bei Kundenbewertung ab

Die Fahrgäste der S 7 sind mit dem Angebot nicht mehr so zufrieden wie vor einigen Jahren. Archivfoto: Roland Keusch
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Die Fahrgäste der S 7 sind mit dem Angebot nicht mehr so zufrieden wie vor einigen Jahren. (Archivfoto)

Analysen des VRR zu Bahnhöfen und Pünktlichkeit: Die Qualität des Schienenverkehrs ist durchschnittlich.

Solingen. Der S-Bahn-Betreiber Abellio nimmt im Qualitätsbericht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) insgesamt zwar den Spitzenplatz ein. Dies gilt aber nicht für die von Abellio bediente S-Bahn 7 (Solingen-Remscheid-Wuppertal). Die ist unter den 51 Nahverkehrslinien des VRR bei der Kundenzufriedenheit von Platz 9 auf Rang 39 abgerutscht. Auch die übrigen Linien mit Solingen-Bezug und die Bahnhöfe sind allenfalls durchschnittlich.

Berichte: Der VRR gibt jedes Jahr Qualitätsberichte zum Schienennahverkehr heraus. Die aktuellen beziehen sich auf 2020. Bei den Bahnlinien werden Verspätungen, Ausfälle und der Zustand der Fahrzeuge bewertet. Im Stationsbericht geht es um Sauberkeit, Informationsangebote für Fahrgäste und Barrierefreiheit.

Bewertung: Bei der Gesamtbewertung durch die Kunden verschlechterte sich die S 7 („Müngstener“) von der Schulnote 2,1 im Vorjahr auf 2,4. Der Durchschnittswert liegt bei 2,3. Die übrigen Linien, die Solingen anfahren (S 1, Regionalbahn 48 und Regionalexpress 7), sind knapp schlechter als der Durchschnitt.

Zugausfälle: Das mäßige Abschneiden des „Müngsteners“ dürfte auf die hohe Zahl der Zugausfälle zurückzuführen sein. 2020 fuhren knapp über drei Prozent der Züge nicht oder nicht auf der ganzen Linie. Damit liegt die S 7 auf Rang 42 aller Linien. Bei der Ausfallquote deutlich von drei auf zwei Prozent (und damit auf Rang 11) verbessert hat sich die S-Bahn 1 (Solingen-Düsseldorf-Dortmund) der Deutschen Bahn. Die RB 48 und der RE 7 (beide National Express) belegen hier mit rund 2,5 Prozent mittlere Plätze.

Pünktlichkeit: Bei der Pünktlichkeit schnitten die Linien von National Express schwach ab. Nur 79 Prozent (RE 7) oder 83 Prozent (RB 48) der Züge hatten eine Verspätung von weniger als vier Minuten. Etwas besser (87 Prozent) lag die S 7. Bei der S 1 fuhren immerhin neun von zehn Zügen pünktlich. All diese Linien schnitten schlechter ab als der Durchschnitt der jeweiligen Zugart (S-Bahnen: 92, Regionalbahnen: 89, Regionalexpresse: 88 Prozent).

Bahnhöfe: Bei den Bahnhöfen schneidet der Hauptbahnhof mit der Gesamtnote „zufriedenstellend“ (2 von 4) am besten ab. Die vier anderen Bahnhaltepunkte erhielten die Bewertung „verbesserungswürdig“ (Note 3 von 4).

Handlungsbedarf besteht aus Sicht der Prüfer auf allen Solinger Bahnhöfen in erster Linie bei der Aufenthaltsqualität. Für die darin enthaltenen Themen Sauberkeit, Schmierereien und bauliche Mängel gab es durchweg die zweitschlechteste Note 3.

Die Bestnote „hervorragend“ erhielten alle Bahnhöfe (außer Grünewald mit einer 3) beim Thema Fahrgastinformation. Um die Barrierefreiheit ist es nach Auffassung der Prüfer auf dem Hauptbahnhof, in Grünewald und in Mitte „hervorragend“ bestellt. Die Station Vogelpark erhielt hier ein „zufriedenstellend“, Schaberg die Bewertung „verbesserungswürdig“.

Standpunkt: Staus und Pannen

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Spricht man bei Verkehrsthemen über Staus und Pannen, dann denken die meisten an den Individualverkehr auf der Straße. Doch auch auf der Schiene mindern überlastete Strecken und defekte Fahrzeuge die Qualität des Angebots. Daran müssen die Verkehrsunternehmen dringend arbeiten. Pendler, Ausflügler und Reisende lassen sich nur von der Straße auf die Schiene locken, wenn die Züge verlässlich nach Plan fahren und wenn sich die Kunden in den Zügen und auf den Bahnhöfen wohlfühlen. Die Qualitätsberichte des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) zeigen jedes Jahr aufs Neue, dass es hier noch viel zu tun gibt. Viele Probleme sind hausgemacht. Im Fall der S 7 kommen die Ausfälle zum Beispiel oft durch Pannen an den Fahrzeugen zustande, bei der S 1 hängen etliche Verspätungen mit der Überlastung der Schienen zusammen. Die Instanzen, die hieran zu arbeiten haben, sind unterschiedliche. Ein wirklich attraktiver Öffentlicher Personennahverkehr kommt nur zustande, wenn an all diesen Stellen an Verbesserungen gearbeitet wird – und wenn der Staat mehr Geld ins System gibt.

Elektrischer „Müngstener“ kommt wohl nicht vor 2028.

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