Bewerbung

Unesco-Welterbe: Müngstener Brücke hat starke Konkurrenz

Die Bewerbung für die Müngstener Brücke erfolgt im Verbund mit insgesamt sechs europäischen Stahlbogenbrücken.
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Die Bewerbung für die Müngstener Brücke erfolgt im Verbund mit insgesamt sechs europäischen Stahlbogenbrücken.

Auf NRW-Ebene wurden vier Bewerbungen um den Welterbe-Status abgegeben.

Solingen. Für die Müngstener Brücke und fünf weitere europäische Großbogen-Stahlbrücken hat die Stadt Solingen eine „sehr gute Bewerbung“ um einen Welterbe-Status abgegeben. Davon ist Projektkoordinator Carsten Zimmermann überzeugt. Doch steht diese Bewerbung in der NRW-Vorausscheidung nicht alleine da. Für die aktuelle Bewerbungsrunde seien vier Bewerbungen abgegeben worden, teilte das nordrhein-westfälische Bauministerium mit. Das Land kann bis zu drei Bewerbungen an den Bund weiterreichen.

Zur aktuellen Konkurrenz um den Unesco-Welterbe-Status gehört die Industrie- und Kulturregion Ruhrgebiet mit der Zeche Zollernin Dortmund und 20 weiteren Stätten.

Welche Bewerbungen vorliegen, will man wegen des schwebenden Verfahrens in Düsseldorf nicht verraten. Bekannt ist aber, dass die serielle Bewerbung für die Müngstener Brücken und ähnliche Bauwerke in Portugal, Frankreich und Italien im Herbst abgegeben wurde. Sicher ist auch, dass aus Nordrhein-Westfalen Bewerbungen für die Industrie- und Kulturregion Ruhrgebiet, die Fundstelle des Neandertalers in Mettmann (im Verbund mit weiteren europäischen Fundstellen) und für die Düsseldorfer Gasbeleuchtung eingereicht wurden.

Verfahren: Die Landesregierung hatte im vergangenen Jahr zu neuen Bewerbungen aufgerufen, weil die deutsche Tentativliste, die der Unesco vorliege, nahezu abgearbeitet sei. Darauf steht noch der rheinische Limes in Rheinland-Pfalz, NRW und den Niederlanden. Die Reste dieser römischen Grenzanlage haben große Chancen, in diesem Jahr den Welterbe-Status zu erlangen. Die Entscheidung fällt bei einer Unesco-Konferenz im Herbst.

Auch der Fundort des Neandertalers in Mettmann im Verbund mit weiteren Neandertaler-Fundstellen in Kroatien, Italien, Belgien, Frankreich und Spanien gehört zur Konkurrenz.

Die neuen Bewerbungen hingegen bewertet jetzt eine Fachjury der Landesregierung. Das Kabinett entscheidet auf dieser Basis, ob oder welche Bewerbungen im Oktober dieses Jahres der Kultusministerkonferenz der Länder gemeldet werden. Die entscheidet ein Jahr später darüber, welche Bewerbungen auf die deutsche Tentativliste gesetzt werden, die wiederum im Januar 2024 bei der Unesco eingereicht wird. Die Weltorganisation entscheidet dann 2025.

Müngsten: Projektleiter Zimmermann hofft, dass die sechs Großbogenbrücken gute Chancen haben. Die Bauwerke stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und stellen eine bedeutende Entwicklung der europäischen Ingenieurskunst dar.

Die Konkurrenz dürfte aber bereits auf NRW-Ebene nicht zu unterschätzen sein:

Ruhrgebiet: Die Industrie- und Kulturlandschaft Ruhrgebiet hatte sich bereits 2011 um den Welterbe-Status beworben, scheiterte aber – nachdem sie sich in NRW durchgesetzt hatte – im bundesweiten Wettbewerb. Die Bewerbung wurde nachgebessert. Insider vermuten, dass das Ruhrgebiet auf Landesebene gesetzt ist und quasi außer Konkurrenz läuft.

Zur Konkurrenz um den Unesco-Welterbe-Status gehört auch die Düsseldorfer Gasbeleuchtung.

Neandertal: Auch der Fundort des Neandertalers war bereits 2011/12 im Rennen. Der Ort ist in einem Tal bei Mettmann mit Stangen markiert, denn die Grotte, in der der Neandertaler 1856 gefunden wurde, ist bei Steinbrucharbeiten zerstört worden. Ähnlich wie bei der Müngstener Brücke erhofft man sich jetzt bessere Chancen durch eine internationale Bewerbung. Das Verfahren werde allerdings von den Partnern in Belgien gesteuert, teilt die Leiterin des Neanderthal Museums, Dr. Bärbel Auffermann, mit. Darum sei im Herbst keine Bewerbung beim Land NRW abgegeben worden. Dies erfolge an anderer Stelle.

Gasbeleuchtung: Düsseldorf ist eine der wenigen Städte, in denen ein großer Teil der Gasbeleuchtung erhalten ist. Rund 10 000 dieser Laternen stehen noch an den Straßen, teilt die Initiative Düsseldorfer Gaslicht mit. Deren Vertreter hatten den Welterbe-Antrag im Herbst beim Landesministerium abgegeben.

Welterbe-Stätten in Deutschland

Deutschlandweit sind 46 Natur- und Kulturerbestätten in die Unesco-Welterbeliste eingeschrieben. Dazu zählen die römischen Baudenkmäler in Trier, diverse historische Altstädte, prähistorische Bauten und das Obere Mittelrheintal. In Nordrhein-Westfalen gibt es fünf Welterbe-Stätten. Dies sind der Aachener Dom, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, der Kölner Dom, die Zeche Zollverein in Essen sowie das Karolingische Westwerk und der Civitas Corvey in Höxter.

Standpunkt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

Das Verfahren zur Welterbe-Bewerbung für die Müngstener Brücke und fünf weitere Bauwerke hat viele Unbekannte. Offiziell sagt niemand, welche Bewerbungen vorliegen, eben so wenig ist bisher bekannt, wer der Jury angehören wird, die am Ende die NRW-Bewerber für die deutsche Tentativliste auswählt. Auch kann man sich nicht sicher sein, welche Kriterien dabei eine Rolle spielen oder ob regionale Abwägungen ausschlaggebend sein könnten. Manches werden wir wohl nie gesichert erfahren. In einer Sache können wir uns aber sicher sein. Die Bewerbung der Bergischen mit ihren internationalen Partnern ist aller Ehren wert. Sie ist – mit Hilfe von Experten – nicht nur professionell gemacht. Sie hat auch einen großen Rückhalt in der Region. Dass Rathäuser ein Verfahren dieser Art so intensiv begleiten und dass Bürger sie durch private Aktionen unterstützen, ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn in dieser Sache alle weiter an einem Strang ziehen, dürfte dies die Erfolgschancen erhöhen.

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