Modernes Design

Moscheeneubau startet im Herbst 2023

Schnörkelloses Design, klare Linien: So stellt sich die Gemeinde die künftige Moschee mit den umgebenden Gebäuden an der Schlachthofstraße vor.
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Schnörkelloses Design, klare Linien: So stellt sich die Gemeinde die künftige Moschee mit den umgebenden Gebäuden an der Schlachthofstraße vor.

Die Solinger Ditib-Gemeinde stellt ihre Pläne für das Projekt an der Schlachthofstraße vor. Die Bauzeit wird etwa drei Jahre dauern.

Von Kristin Dowe

Solingen. Lange war es still geworden um die Pläne der Solinger Ditib-Gemeinde für den Neubau einer Moschee an der Schlachthofstraße. Hinter den Kulissen liefen die Vorbereitungen in den vergangenen zwei Jahren aber weiter. Das wurde bei einem Vortrag in den jetzigen Gemeinderäumen an der Kasernenstraße am Mittwoch deutlich. „Die Pandemie hat alles ausgebremst“, blickte Doris Schulz vom Christlich-Islamischen Gesprächskreis zurück, der zu dem Info-Abend eingeladen hatte. Der Spatenstich für den Bau soll am 29. Oktober 2023 erfolgen − die Gemeinde rechnet mit einer Bauzeit von etwa drei Jahren.

Tayfun Korkmaz, der bei der Ditib in der Jugendarbeit aktiv ist, gab einen Überblick über die Pläne, für die der Solinger Architekt Andreas Seidensticker federführend verantwortlich zeichnet. Neben dessen Ideen ist der Entwurf von einer Moschee in Istanbul inspiriert. „Die Bauanträge sind gestellt und wir warten zurzeit auf die letzten Genehmigungen“, sagte Korkmaz.

Das ist alles geplant

Tayfun Korkmaz stellte die Pläne für die neue Moschee in den jetzigen Gemeinderäumen an der Kasernenstraße vor.

Aktuell befinden sich noch einige Gebäude des Unternehmens OKS (Otto Kalkum & Söhne) auf dem Gelände, die der Ditib das Grundstück verkauft hatte – vorübergehend werden sie noch von der Firma genutzt. „Wir haben schon mit dem Abriss einiger alter Lagerhallen begonnen.“ Ein bereits vorhandenes Verwaltungsgebäude solle modernisiert, aber weiterhin als solches genutzt werden. Das künftige Veranstaltungsgebäude mitsamt dem Saal solle später auch vermietet und für andere Zwecke genutzt werden können. „Damit möchten wir der Stadt Solingen auch etwas zurückgeben.“

Dann müssen wir bei den Banken an die Türen klopfen.

Tayfun Korkmaz

Die ursprünglich vorgesehene Zahl der Parkplätze wurde in den Plänen von 70 auf 100 aufgestockt. Die Gemeinde wolle durch den eigenen Parkplatz auf dem Gelände auch die Parkplatzsituation entlasten. Den Kostenrahmen für das Gesamtprojekt, das aus Gemeindegeldern und Spenden finanziert werden soll, beziffert die Ditib mit rund 5 Millionen Euro. Wenn die Genehmigung in allen Punkten abgeschlossen ist, gehe es an die Finanzierung. Korkmaz sagte: „Dann müssen wir bei den Banken an die Türen klopfen.“

Weiterhin sei eine deutlich größere Küche als in den jetzigen Räumen vorgesehen. So sei die Nachfrage bei der karitativen Ausgabe von Mahlzeiten beim Fastenbrechen während des Ramadans rasant gestiegen, darauf will die Gemeinde reagieren. Ein klarer Vorteil des Neubaus von rund 15 Metern Höhe inklusive Kuppel und Minarett seien hervorragende Verkehrsanbindungen etwa an die Korkenziehertrasse, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Ein kleiner Wermutstropfen sei die Tatsache, dass das künftige Minarett nicht beschallbar sein wird. Die Gemeinde habe Verständnis für die Position der Stadt und freue sich über deren Unterstützung bei dem Projekt.

Der Gebetsraum ist in farblich in beige und türkis gehalten – ein moderner Kronleuchter bildet den optischen Mittelpunkt des Raums.

Auch die Barrierefreiheit soll besser werden. Während in den alten Räumen an der Kasernenstraße überall Stufen und Stolperfallen lauern, wird die künftige Moschee mit großen und teilweise automatisch öffnenden Türen sowie Aufzügen ausgestattet sein.

Das Design mutet modern an – klare Linien, viel Licht und schlichte Farbgebung dominieren das Innere. Zentraler Blickfang im Gebetsraum ist ein futuristischer, goldener Kronleuchter. Unten auf dem Teppich sollen die Männer beten können, die Frauen auf dem Balkon. Das Gebäude wird zudem nach Mekka ausgerichtet sein und wird über eine kleine Begegnungsstätte verfügen, die Angehörigen aller Konfessionen sowie nicht gläubigen Menschen offensteht. Dies sei ein wichtiger Aspekt bei dem Projekt, betont Keziban Altay vom Frauenvorstand der Ditib: „Unsere Tür steht jedem Menschen offen.“

Solinger besuchen Moschee-Gemeinden am Tag der offenen Tür

Moscheeneubau

Fläche: Das Gelände umfasst eine Fläche von 12 668 Quadratmetern. Die geplante Moschee nimmt davon 2600 ein, das Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude 780, die Räumlichkeiten für die Totenwaschung 66 und das Veranstaltungsgebäude 940 Quadratmeter (400 davon für den Saal).

Kapazität: Die gesamte Anlage wird für 526 Personen ausgerichtet sein und über 100 Parkplätze verfügen.

Standpunkt zum Moschee-Neubau: Vertrauen verdienen

Die Meinung von ST-Chefredakteur Stefan M. Kob zu den Ditib-Plänen in Solingen.

stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Es ist erst einmal ein ermutigendes Zeichen, dass sich die Solinger Ditib-Gemeinde so offen gibt und offensiv über die Neubaupläne ihrer Moschee informiert. Dass die derzeitigen Räume an der Kasernenstraße nicht das Bild einer modernen muslimischen Gemeinde vermitteln, ist sofort verständlich.

Und auch ein gutes Zeichen ist das Versprechen, dass das neue Gebäude offen für alle sein und dem Dialog der Konfessionen diesen soll. Aber dieses Versprechen muss Ditib erst einlösen.

Denn die islamische Organisation wird vom türkischen Staat finanziert und ist direkt dem türkischen Präsidenten unterstellt.

Was dieser von Meinungsfreiheit, Menschenrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien hält, ist hinlänglich und leidvoll bekannt. Kritiker halten Ditib daher für den verlängerten Arm Erdogans, der den Nationalismus fördert statt der Integration zu dienen. Daher stuft der Verfassungsschutz die deutsche Ditib-Zentrale als Verdachtsfall ein.

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