Landgericht

Mordprozess Hasseldelle: Keine Hinweise auf männlichen Täter

Erneut wies die Kammer am Donnerstag zwei Anträge des Verteidigers Thomas Seifert als unbegründet zurück. Archivfoto: Tim Oelbermann
+
Erneut wies die Kammer am Donnerstag zwei Anträge des Verteidigers Thomas Seifert als unbegründet zurück.

Kindstötungen in der Hasseldelle: Biologin des LKA erläuterte dem Gericht ihre DNA-Gutachten

Von Kristin Dowe

Solingen. Es war einer der Strohhalme, an den sich die Verteidigung im Prozess um die Tötung von fünf Kindern vor dem Landgericht Wuppertal zuletzt noch geklammert hatte. An den Körpern der Kinder seien männliche DNA-Spuren gefunden worden, die nicht klar zugeordnet werden könnten, hieß es in einem Antrag des Verteidigers Thomas Seifert, der die Diplom-Biologin Dr. Nicole Blümer vom Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf als Sachverständige benannt hatte. Sie hatte im Zuge der Spurensicherung zwei forensische Gutachten nach der Tat erstellt.

Der Antrag des Verteidigers legte nahe, dass theoretisch auch eine männliche Person für die Tat infrage kommen könnte – so wie die Angeklagte es selbst behauptet. Die 28-Jährige hatte in der Verhandlung bislang keinerlei Angaben gemacht, gegenüber Verfahrensbeteiligten aber stets konstatiert, dass ein Mann in ihre Wohnung eingedrungen sei und sie zu der Tat gezwungen habe. Trotz der erdrückenden Beweislage gegen sie wich sie von dieser Version der Ereignisse bislang nicht ab.

Die Staatsanwaltschaft ist hingegen von ihrer Schuld überzeugt und legt ihr zur Last, ihre drei Töchter und zwei Söhne im Alter von einem bis acht Jahren in der Wohnung der Familie in der Hasseldelle getötet zu haben. Die Kinder wurden zuvor mit Medikamenten ruhiggestellt und starben durch Ersticken oder Ertränken in der Badewanne.

Mordprozess Hasseldelle: Biologin stellte nur minimale Mischspuren an Asservaten fest

Die Biologin Blümer führte aus, dass nur von der Mutter selbst sowie von den Kindern sogenannte „abgleichsgeeignete DNA“ gefunden worden sei – also Spuren, die eindeutig einer bestimmten Person zuzuordnen waren. Darüber hinaus seien minimale Mischspuren beziehungsweise Beimengungen an Abrieben festgestellt worden. Diese habe man keiner konkreten Person und auch keinem Geschlecht klar zuordnen können, sie könnten theoretisch auch von den Kindern selbst stammen und womöglich auch schon Wochen alt sein. Es handele sich dabei um „berechtigte Eintragungen“, so Blümer.

Untersucht wurden mehrere Handtücher und Putzlappen, mit denen die Kinder möglicherweise erstickt worden sein könnten – auch Fingernägel der Opfer und Badespielzeug wurden auf DNA-Spuren untersucht. Über das Alter des Spurenlegers lasse sich ebenfalls keine belastbare Aussage treffen, die Spur könne auch von dem zum Tatzeitpunkt elfjährigen Sohn der Familie stammen. Der Junge überlebte die Tat als einziger, weil er sich zur fraglichen Zeit in der Schule befand.

Wie Thomas Seifert es schon häufiger im Laufe des Hauptverfahrens erleben musste, biss er bei der Kammer unter Vorsitz von Richter Jochen Kötter auch am Donnerstag mit seinen jüngsten Anträgen auf Granit. So wies sie unter anderem dessen Vorstoß als unbegründet zurück, die beisitzende Richterin Jutta Schiedel-Krege wegen angeblicher Befangenheit abzusetzen.

Die Beisitzerin hatte kürzlich dem von Seifert gesondert beauftragtem psychiatrischen Gutachter Dr. Thomas Schwarz aus München, der die Angeklagte untersucht hatte, einige unangenehme Fragen gestellt. Schwarz hatte der Beschuldigten in einer höchst undurchsichtigen Argumentation eine kombinierte Persönlichkeitsstörung und „Pseudopsychopathie“ bescheinigt – bei letzterer handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um eine Persönlichkeitsstörung, die der Psychopathie ähnelt, der aber organische Ursachen wie etwa eine Hirnschädigung zugrunde liegen. Auf Schiedel-Kreges Nachfrage hin, wie sich diese Störung denn – abgesehen von der Tat – im Alltag äußere, reagierte der Gutachter ungehalten und konnte keine schlüssige Antwort darauf geben.

Die Kammer betrachtete die kritischen Nachfragen der Beisitzerin derweil als durchaus berechtigt – und wies den Antrag als unbegründet zurück. Der Vorsitzende Kötter befand zu dem Vortrag des Gutachters: „Es war ja gar nicht möglich, eine Gegenfrage zu stellen.“

Verteidiger Felix Menke hatte sich Seiferts Anträgen bislang nicht angeschlossen. Menkes Kanzleikollege und zuvor dritter Verteidiger Gerd Meister hatte in dem Fall kürzlich um seine Entpflichtung von dem Mandat gebeten.

Ablehnungsgesuch

Auch Thomas Seiferts Ablehnungsgesuch gegen die Gutachterin Professor Dr. Sabine Nowara lehnte die Kammer am Donnerstag ab. Seifert hatte behauptet, dass die renommierte Kriminologin und Rechtspsychologin „sich eine Beurteilungskompetenz anmaßt, die sie nicht hat“. Als Psychologin verfüge sie nicht über die erforderlichen ärztlichen Kenntnisse. „Die Formulierung, dass Frau Nowara sich eine Kompetenz anmaßt, muss ich wieder einmal rügen“, sagte Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt in einer Stellungnahme.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Welche Kreuzung suchen wir heute?
Welche Kreuzung suchen wir heute?
Welche Kreuzung suchen wir heute?
Impfstation: Falsches Vakzin gespritzt
Impfstation: Falsches Vakzin gespritzt
Impfstation: Falsches Vakzin gespritzt
Corona: Erneut Todesfall in Zusammenhang mit Covid-19 in Solingen
Corona: Erneut Todesfall in Zusammenhang mit Covid-19 in Solingen
Corona: Erneut Todesfall in Zusammenhang mit Covid-19 in Solingen
Torsten Sträter ist der Erzähler unter den Comedians
Torsten Sträter ist der Erzähler unter den Comedians
Torsten Sträter ist der Erzähler unter den Comedians

Kommentare