Montagsinterview

Jan Welzel zum Rettungsdienst: „Faktisch gibt es genügend Personal“

Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) sieht den Rettungsdienst der Klingenstadt gut aufgestellt. Und noch gebe es ausreichend viele gute Bewerber, die sich für eine Ausbildung bei der Feuerwehr Solingen interessieren.
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Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) sieht den Rettungsdienst der Klingenstadt gut aufgestellt. Und noch gebe es ausreichend viele gute Bewerber, die sich für eine Ausbildung bei der Feuerwehr Solingen interessieren.

Gewerkschaft sieht Rettungsdienst am Limit – ein Hilferuf, den Ordnungsdezernent Jan Welzel zurückweist.

Von Leon Hohmann

Solingen. Die Mitteilung, die die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft mit Sitz in Solingen in diesen Tagen verbreitet hat, klingt dramatisch: Die Notfallrettung befände sich bundesweit am Limit. Täglich stünden den Disponenten in den Leitstellen zu wenige Einsatzfahrzeuge zur Verfügung, weil das Personal fehlt. Bundesweit – das suggeriert auch Probleme in der Klingenstadt. Das Tageblatt bat Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) um Antworten.

Wie stark ist Solingen von Personalengpässen im Rettungsdienst betroffen?

Jan Welzel: Der Rettungsdienst der Stadt Solingen ist davon nicht betroffen. Wir setzen bewusst auf ein kombiniertes System aus Feuerwehr und Hilfsorganisationen, um möglichst viel Personal gewinnen zu können. Weil alle Mitarbeitenden der Berufsfeuerwehr eine rettungsdienstliche Ausbildung haben, kann bei der Dienstplanung auf eine große Zahl einsetzbarer Kolleginnen und Kollegen zurückgegriffen werden.

Laut dem letzten Jahresbericht der Solinger Feuerwehr aus dem Jahr 2020 sind 11 von 57 Stellen im Rettungsdienst unbesetzt. Wie versuchen Sie, diesen Personalengpass aktuell aufzufangen?

Welzel: Die Darstellung ist leider etwas irreführend. Es handelt sich nicht um einen Personalengpass im Rettungsdienst, sondern um die Verwaltung des Stellenplanes. Wenn zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen noch nicht auf eine Planstelle im Rettungsdienst eingewiesen worden sind, führt das zu der zahlenmäßigen Abweichung der Statistik. Faktisch stehen die Mitarbeitenden aber zur Verfügung.

„Der Rettungsdienst ist vor zwei Jahren deutlich gestärkt worden.“

Jan Welzel (CDU), Ordnungsdezernent

Immer wieder beklagen deutsche Rettungsorganisationen, dass es zu wenig Nachwuchs – sprich zu wenig Bewerber – gibt. Ein Problem, mit dem Sie sich auch auseinandersetzen müssen?

Welzel: Alle anderthalb Jahre bildet die Feuerwehr 16 bis 18 Anwärterinnen und Anwärter für den feuerwehrtechnischen Dienst aus – und damit auch für den Rettungsdienst. Dafür erhalten wir derzeit noch ausreichend viele qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber. Um das auch in der Zukunft gewährleisten zu können, wird das Thema Personalgewinnung intensiv betrachtet. Darüber hinaus stellt die Feuerwehr immer wieder auch fertig ausgebildete Einsatzkräfte ein.

Was müsste getan werden, um die Berufe im Rettungsdienst attraktiver zu gestalten?

Welzel: Mit der gemeinsamen Fortschreibung des Brandschutz- und Rettungsdienstbedarfsplans im Jahr 2020 trägt die Feuerwehr den Veränderungen im Rettungsdienst Rechnung. Hierdurch ist der Rettungsdienst deutlich gestärkt worden. So wurden die Zahl der Rettungsmittel erhöht und zusätzliche Stellen geschaffen, viele davon im Tagesdienst. So konnte insbesondere die Aus- und Fortbildung an der Rettungsdienstschule deutlich ausgeweitet werden. Die erforderliche rettungsdienstliche Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann damit sichergestellt werden. Durch das parallel erstellte Personalentwicklungskonzept wurden zahlreiche Stellenbewertungen angepasst. Im Ergebnis konnten Ende des vergangenen Jahres 100 Beförderungen ausgesprochen werden. Durch den veränderten Stellenplan, die damit verbundenen Entwicklungschancen sowie dank der hohen Qualität der Aus- und Fortbildung ist die Feuerwehr Solingen ein sehr attraktiver Arbeitgeber.

Die Feuerwehrgewerkschaft fordert eine ganzheitliche Neuausrichtung der Notfallrettung. In den kommenden Jahren will das Land das Telenotarztsystem flächendeckend ausbauen und die Klingenstadt anbinden. Inwiefern kann das die Probleme des Rettungsdienstes von heute lösen?

Welzel: Die Stadt Solingen wird im Verbund mit Wuppertal, Remscheid, Leverkusen sowie dem Kreis Mettmann und dem Ennepe-Ruhr-Kreis ein Telenotarztsystem aufbauen. Hierbei wird die Versorgung der Bevölkerung wie bisher durch den Rettungsdienst und die Notärzte sichergestellt. Da der Telenotarzt das nichtärztliche Personal beim Einsatz unterstützt, wird dies zu einer weiteren Qualitätsverbesserung führen. Insofern zielt das System eher auf das Thema Qualität und weniger auf die Zahl der im Rettungsdienst tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab.

Zur Person

Jan Welzel (CDU), Jahrgang 1968, kommt gebürtig aus Essen. Sein Abitur legte er jedoch am Gymnasium Schwertstraße ab und studierte Rechtswissenschaften. Seit 2016 ist er Beigeordneter für Bürgerservice, Recht, Ordnung und Soziales der Stadt Solingen. Zuvor war er sechs Jahre lang Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Solingen.

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