Ausstellung

Mohnblumen am und im Kunstmuseum mahnen zum Frieden

Die 200 Mohnblumen laden ein, am und im Museum Kriegsopfern zu gedenken, sich zu informieren und zu unterstützen. Foto: Michael Schütz
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Die 200 Mohnblumen laden ein, am und im Museum Kriegsopfern zu gedenken, sich zu informieren und zu unterstützen.

Ausstellungsprojekt am und im Kunstmuseum führt von Erinnerung zu Ukraine-Hilfe

Von Daniela Neumann

Solingen. Dem einen oder anderen Menschen sind sie auf dem Weg entlang schon aufgefallen. Vor dem Kunstmuseum Solingen leuchten und wogen derzeit 200 rote Mohnblumen aus Kunstseide. Sie sind das öffentliche Zentrum der Ausstellung „Zukunft bedenken – Solingen lässt Mohnblumen blühen“. Das Projekt auf dem Vorplatz und auch im Museum läuft bis zum 29. Mai. Am Samstag eröffneten Künstler Walter Kuhn und Sponsor Dieter Fervers die symbolreiche Mahnung zu Frieden und Freiheit mit aktuellem Bezug.

Dass Kunst hilft, Brücken zu bauen zur Verständigung, erläuterten Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut sowie Stadtdirektorin und Kultur-Dezernentin Dagmar Becker schon in der ersten Vernissage des Tages zu Hiroyuki Masuyama. Der zeitgenössische Künstler zeigt in der „Zeitreise 1817 – 2022“ bis zum 24. April vor Ort Werke, die in Bezügen stehen zu Bildern des Gräfrather Malers Friedrich August de Leuw aus dem 19. Jahrhundert.

Kurator Dirk Balke, der Zeichnungen von Masuyama auch in seiner Galerie ausstellt, führte in die Thematik ein. Die gut 100 Gäste hatten schließlich Gelegenheit, die Ausstellungen auf sich wirken zu lassen. In beiden geht es grundsätzlich um das Verhältnis des Menschen zur Natur, aufgezeigt an mannigfaltigem Wandel und vielfältiger Symbolik.

Wer dieser Tage rund um den Sonnenlauf die Bandbreite des Lichtes sieht, findet in der Zeitreise-Schau zugehörige Aspekte. Ob in der Serie „Game of Thrones“ oder in der verflmten „Herr der Ringe“-Saga, die Macher schöpften sichtbar aus dieser romantischen Farbpalette, bemerkte Balke. Und wer verstehen möchte, was Blumen und andere Pflanzen für den Menschen sind, kann sich mit Nachkriegslyrik oder der Dokumentation zur Mohnblumen-Installation beschäftigen (siehe Kasten).

Klatschmohn dient seit 100 Jahren dem Gedenken an Kriegsopfer

2018 zeigte der Münchner Künstler Walter Kuhn auf dem Königsplatz der bayrischen Hauptstadt 3000 hüfthohe künstliche Mohnblumen. Sie erinnerten an die dortigen nationalsozialistischen Aufmärsche. Die jetzige Ausstellung stellt dabei ein Bild von 1935 einem von 2018 gegenüber.

In seiner Rede erklärte Kuhn, warum er Mohnblumen wählte: Sie dienen seit Ende des Ersten Weltkrieges, also seit gut 100 Jahren, zum Gedenken an gefallene Soldaten. Viele Englischsprachige stecken sich dazu an jedem 11. November, dem zugehörigen Gedenktag, eine kleine Mohnblüte an. Als Hintergrund gilt das Gedicht „In Flanders Fields“ des Kanadiers John McCrae, der darin das Bild transportiert, wie auf den Gräbern der Klatschmohn zu blühen beginnt.

Walter Kuhn betonte, dass für ihn die Mohnblume nun als Mahnblume zum Gedenken an alle Kriegsopfer gelte. „Never forget. And never again!“, schloss er seine Einführung.

Wie wichtig dieses „Niemals vergessen. Und nie wieder!“ ist, hob Dieter Fervers als Initiator des Solinger Projektes mit den 200 Blumen hervor, und zwar mit zutiefst humanistischer Haltung. Von Mensch zu Mensch einander begegnen, den Menschen sehen, darum gehe es. Er selbst hat es erlebt, wie er berichtete: In einer Reha lernte er Walter Kuhn kennen, daraus entstand der Weg, die Installation nach Solingen zu holen.

„Die Blumen fordern uns auf, nachzudenken“, erklärte Fervers und verwies auf die zugehörigen Tafeln auf dem Vorplatz des Museums. Sie stellen mit wenigen Worten Abläufe dar. Innen zeigt auch eine gemalte Ukraine-Fahne Flagge. Der Chor Voices der Friedrich-Albert-Lange-Schule stellte aktuell mit fein ausgewählten Liedern wie „Imagine“ oder „Where have all the flowers gone“ Zusammenhänge her.

Ausstellungen und Ukraine-Hilfe

Zeitreise 1817 – 2022: bis 24. April. Kuratoren führungen dienstags, 15 Uhr.

Zukunft bedenken – Solingen lässt Mohnblumen blühen: bis 29. Mai. Werke können kostenlos ausgeliehen werden.

Im Museumsshop gibt es kleine Mohnblumen als Kunstobjekt zu 10 Euro das Stück sowie das Buch zum Projekt für je 20 Euro zu kaufen. Der Erlös darf aufgestockt werden und kommt der Ukraine-Hilfe zugute.

Über den Freundeskreis kann das Museum unterstützt werden.

kunstmuseum-solingen.de

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