Brückenfest

Mitte: Streetfood-Festival und verkaufsoffener Sonntag fallen aus

Auf dem Neumarkt gab es drei Tage lang Street-Food: vom Veggie-Burger über Spanferkel bis hin zu Wein und Gin.
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Erstmals gab es auf dem Neumarkt im Jahr 2019 drei Tage lang Street-Food: vom Veggie-Burger über Spanferkel bis hin zu Wein und Gin.

UPDATE: Platzmangel sorgt für Konflikt zwischen Streetfood und Wochenmarkt – Ohligs ist nicht betroffen.

Von Björn Boch

Solingen. Der für das Brückenfest geplante verkaufsoffene Sonntag am 30. Oktober in Mitte muss ausfallen. Das gab die Werbe- und Interessengemeinschaft Solinger Innenstadt (W.I.R.) am Freitag in einem Gespräch mit dem Tageblatt bekannt. Grund sei, dass das geplante Streetfood-Festival auf dem Neumarkt nicht stattfinden könne. „Und ohne das Festival dürfen die Geschäfte nicht öffnen“, so Ralf Lindl, Center-Manager im Hofgarten und Mitglied des W.I.R.-Vorstandes.

„Eine Absage des Wochenmarkts kam für uns nicht infrage.“

Rudolf Jacobs, Sprecher der Solinger Wochenmärkte

Ein verkaufsoffener Sonntag ist gesetzlich nur dann zulässig, wenn er von einer Veranstaltung begleitet wird, die mehr Menschen anzieht als die Öffnung der Geschäfte. Die geöffneten Läden dürfen nur Begleitprogramm sein. Stattfinden wird aber der verkaufsoffene Sonntag am 30. Oktober in Ohligs, wie Brigitte Kiekenap für die Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) erklärte.

Für den W.I.R.-Vorstand erläuterten Susanne Garpheide-Keusen, Detlef Ammann und Ralf Lindl (r.) die Gründe für die Absage.

Die Absage des Streetfood-Festivals in Mitte begründet der W.I.R.-Vorstand um Susanne Garpheide-Keusen, Detlef Ammann und Ralf Lindl mit zwei Faktoren: Der Platz sei begrenzt durch die Baustelle der Stadt-Sparkasse am Neumarkt, weshalb ein Nebeneinander von Wochenmarkt und Streetfood-Anbietern nicht möglich gewesen sei. Die Marktbeschicker wiederum seien zu einer Absage des Wochenmarktes für Samstag, 29. Oktober, nicht bereit gewesen.

Ein Ausweichen der Streetfood-Trucks, etwa auf den Fronhof und den Alten Markt, habe die Stadtverwaltung zwar möglich machen wollen. Das scheiterte aber an Kosten. Mehrausgaben im fünfstelligen Bereich seien weder für die W.I.R.-Händler noch für den Festival-Veranstalter zu finanzieren, berichtete Susanne Garpheide-Keusen.

Höhere Ausgaben vor allem für Strom- und Wasserleitungen und zusätzliches Sicherheitspersonal hätten sich in einem niedrigen fünfstelligen Bereich bewegt. Auch das Konzept des Festivals – Sitzgelegenheiten in der Mitte und viele Food-Trucks drumherum – wäre andernorts so nicht umsetzbar gewesen.

In der Kürze der Zeit könne keine andere Veranstaltung organisiert werden. Außerdem ist der rechtliche Spielraum stark eingeschränkt, wie der zuständige Dezernent Jan Welzel (CDU) betonte: „Die Rechtslage ist diffizil und muss aufgrund der verschiedenen Interessen zwingend beachtet werden.“

Rudolf Jacobs, Sprecher der Solinger Wochenmärkte und selbst W.I.R.-Mitglied, vermisst auf ST-Nachfrage ein Gesprächsangebot seitens des Vorstandes. Stattdessen sei aus allen möglichen Richtungen – auch über die Stadtverwaltung – versucht worden, die Markthändler zur Absage zu bewegen. „Wir haben den Markt aber bereits wegen der Sommerparty und wegen des Zöppkesmarkts ausfallen lassen. Unsere Händler sind auf die Umsätze angewiesen und können den Markt nicht dauernd absagen.“ Außerdem orientierten sich die Kunden anderweitig, wenn ein Wochenmarkt zu oft ausfalle.

Jacobs verwies auf 2019. Beim ersten Streetfood-Festival auf dem Neumarkt sei man zusammengerückt, es gab ein Nebeneinander von Food-Trucks und Markthändlern. Aufgrund des Platzmangels sei das 2022 unmöglich. „Wir waren kompromissbereit und werden das nächstes Jahr auch wieder sein. Aber eine Absage kam nicht infrage.“

Detlef Ammann bedauert das Aus, der Brückenfest-Sonntag sei mit der stärkste für den Handel gewesen. Nun gelte es, die Energie auf den Weihnachtsmarkt und den verkaufsoffenen Sonntag am 3. Advent (11. Dezember) zu richten.

Verkaufsoffene Sonntage

30. Oktober (Brückenfest): „Ohligs verbindet“ mit Büchermarkt, Kinderkarussell, Kunstmarkt, Essensständen und einem Treffen der Teilnehmer der Six Bridges Rally.

4. Dezember: Wald, Walder Weihnachtsdorf.

4. Dezember: Ohligs, Weihnachtsdürpel. Vorige Woche hatte das ST berichtet, dass der Weihnachtsdürpel auf der Kippe steht. Das gilt nach wie vor. Die OWG bezeichnete die Chancen für eine Durchführung am Freitag vorsichtig optimistisch mit „60:40“. Der verkaufsoffene Sonntag ist ebenfalls von der Durchführung abhängig.

11. Dezember: Mitte, Weihnachtsmarkt.

Standpunkt von Björn Boch: Nicht mehr zeitgemäß

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Dass der Handel alles tun muss, um attraktiv zu bleiben, ist hinlänglich bekannt. Wenn ein Vorhaben so scheitert wie jetzt das Streetfood-Festival samt Sonntagsöffnung, ist das mehr als bedauerlich. Erst recht für eine City, die attraktiv sein und etwas bieten will. Zur Attraktivität trägt aber auch ein Wochenmarkt bei. Insofern wäre es zu einfach, nur auf die Markthändler zu schimpfen – auch wenn ihre Ablehnung sehr kategorisch ist.

Die W.I.R.-Händler müssen nun alles tun, um ein ähnliches Desaster 2023 zu verhindern. Und Politik wie Gesetzgeber müssen sich zeitnah fragen, wie die Zukunft verkaufsoffener Sonntage aussehen kann. Die besondere Bedeutung des Sonntags bröckelt in der Wahrnehmung vieler.

Egal, ob man das begrüßt oder bedauert: In Corona-Zeiten und auch in Zukunft ist es schlicht nicht mehr zeitgemäß, zum Schutz des Sonntags eine Ladenöffnung an ein Großereignis zu koppeln.

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