Einkaufen

Corona-Krise: Mitarbeiter zählt per App die Kunden

Abstandhalten im Supermarkt: Im Edeka-Center von Thomas Pauli klappt das sehr gut. Ein Mitarbeiter sorgt dafür, dass nicht zu viele Kunden gleichzeitg das Geschäft betreten. Dafür nutzt er eine Zähl-App aus seinem Handy.
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Abstandhalten im Supermarkt: Im Edeka-Center von Thomas Pauli klappt das sehr gut. Ein Mitarbeiter sorgt dafür, dass nicht zu viele Kunden gleichzeitg das Geschäft betreten. Dafür nutzt er eine Zähl-App aus seinem Handy.

Bei Edeka im Hofgarten bilden sich nur selten Schlangen – ab Montag öffnen dort aber auch andere Geschäfte.

  • Kommende Wochen dürfen die meisten Geschäfte im Hofgarten wieder öffnen.
  • Filialleiter hält mit Zähler-App nach, wie viele Kunden sich im Laden befinden.
  • Acrylglasscheiben an Kassen und Theken schützen das Personal.

Von Timo Lemmer

Solingen. Zumindest solange im Hofgarten so gut wie alle anderen Geschäfte geschlossen sind, schafft es Thomas Pauli mit seinem Team spielend im Eingangsbereich seines Edeka-Supermarkts die gebotenen Abstandsregeln einzuhalten. Von Schlangen im Einlassbereich keine Spur. „Das läuft doch super“, sagt eine ältere Dame im Vorbeigehen und huscht in den Laden. Wie es kommende Woche aussieht, wenn bis auf die Großmieter die meisten Geschäfte im Hofgarten wieder öffnen dürfen, weiß Pauli noch nicht.

„Ich meine, bis auf vier Läden sind alle anderen unter den vorgegebenen 800 Quadratmetern. Dann wird das hier vermutlich anders.“ Seine weite Auslauffläche für die wartenden Kunden, die vorsorglich angelegt wurde, aber so gut wie nie benötigt werde, könnte dann wegfallen. Denn sie erstreckt sich bis vor andere Geschäftseingänge. Doch Pauli hat längst eine Idee, wie er den Kundenstrom am Eingangsbereich dann lenken will, um Ansammlungen und Warteschlangen ganz wie gefordert zu vermeiden.

An diesem Freitagmittag klappt das alles ganz wunderbar. Dass mal Kunden draußen warten müssen, sei ohnehin die Ausnahme. „Nur vor oder nach Feiertagen“, bestätigt ein junger Mitarbeiter, dem am Eingang eine Schlüsselrolle zukommt. Denn Pauli setzt nicht etwa auf eine Einkaufswagenpflicht wie viele andere Länden. Er baut voll auf die Zähler-App auf dem Handy. Damit kann der Mitarbeiter, der zwischen Ein -und Ausgang sitzt, genau nachhalten, wie viele Kunden sich im Laden befinden. Etwa 230 darf Pauli bei seinen 2285 Quadratmetern gleichzeitig im Geschäft haben.

Solingen: An neuralgischen Stellen müssen Kunden Geduld bewahren

Diese Zahl werde so gut wie nie gerissen, entsprechend entspannt geht es vor dem Laden zu – niemand muss warten, und die meisten Kunden kommen ohnehin allein. Dasselbe Bild im Inneren: Teilweise wirkt das Einkaufen mit den Maßnahmen sogar entspannter. Weil die meisten Leute umsichtig agieren, und eben jeder theoretisch genug Platz für sich alleine hat.

Sicher: An neuralgischen Punkten wie der Gemüse- und Obstabteilung knubbelt es sich schon mal. Die meisten Kunden agieren aber geduldig. Das bestätigt auch Pauli: „Generell nehmen die Kunden die Maßnahmen und Regelungen super gut auf.“

Was Schutzmaßnahmen für das Personal angeht, setzt Pauli unter anderem auf Acrylglasscheiben an Kasse und Theke. Und, was eine mögliche Pflicht von Mund- und Gesichtsschutz angehe, sei man für die Belegschaft vorbereitet: „Zu 100 Prozent.“ Intern könnten auch Stoffmasken genutzt werden. Die Kunden, die wie häufig zu beobachten schon auf Masken setzen, müssen die aber auch weiterhin von zu Hause mitbringen – das sei bei den aktuellen Preisen nicht zu stemmen.

Im Kassen- und Frischwarenbereich sorgen Abstandsmarkierungen für Platz. Ganz selten gibt es Querschläger, berichtet Thomas Pauli. Kunden also, die alle Maßnahmen für lächerlich überzogen halten. Pauli sagt: „Das passiert vielleicht bei einem von 100 Kunden. Da hilft nur, die Ruhe zu bewahren.“ Wer Pauli beobachtet, merkt: Der Filialleiter ist gelassen. Der besonderen Umstände der Corona-Krise zum Trotz.

LEBENSMITTEL

RUHE Das Einkaufsverhalten der Leute habe sich nach dem Empfinden von Thomas Pauli „zu 100 Prozent normalisiert“, sagt der Filialleiter des Edeka-Supermarktes im Hofgarten. Der Handel habe ohnehin nur noch ein wirkliches Problem: Mehl. Toilettenpapier sei wieder verfügbar, wenn auch teurer. Den Vorwurf, Wucherpreise zum eigenen Vorteil zu nehmen, weist Pauli für die Branche zurück: „Das Problem ist, dass wir Toilettenpapier aktuell nicht aus Deutschland, sondern nur Österreich, Polen oder Spanien bekommen. Aber auch das wird sich in den nächsten 14 Tagen wieder normalisieren.“

Die Menschen, die alles in der Corona-Krise am Laufen halten, zum Beispiel in den Supermärkten sind wahrlich Helden des Alltags. Die Handelsketten allerdings bekleckern sich nicht immer mit Ruhm. ST-Autor Rainer Lange machte Ende März den Test.

Auch die Industrie ist stark betroffen von der Corona-Krise. Der Absatz sinkt, der Aufwand zum Schutz der Mitarbeiter steigt.

Aktuelle Informationen zu den Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen lesen Sie in unserem Live-Blog.

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