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Mit dem ST wandern: Vorbei an alten Ortschaften und romantischen Bachläufen

1968 wurde die Bausmühle im Kinofilm „Morgens um 7 Uhr ist die Welt noch in Ordnung“ zur Filmkulisse.
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1968 wurde die Bausmühle im Kinofilm „Morgens um 7 Uhr ist die Welt noch in Ordnung“ zur Filmkulisse.

Unsere heutige Wanderung führt von der Korkenziehertrasse ins Holzerbachtal und ins obere Ittertal.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Gleich zwei romantisch anmutende Täler im Solinger Norden, das Walder Holzerbachtal und das obere Ittertal in Gräfrath, lassen sich in einem Rundweg erkunden.

Wir starten unsere Wanderung vom Parkplatz neben dem Solinger Kunstmuseum, überqueren die Wuppertaler Straße und gelangen wir zu einem Teilstück der früheren Korkenziehertrasse.

Bei der auch als Korkenzieherbahn bekannten Strecke handelt es sich um eine zum Wander- und Radweg umgebaute Eisenbahntrasse, die Solingen über Wald und Gräfrath mit Vohwinkel verband. Sie wurde 1887 zusammen mit dem Gräfrather Bahnhof eröffnet, der sich rechts auf dem brachliegenden Gelände befand. Bis 1942 lief in Gräfrath der offizielle Personenverkehr. 1989 wurde der Güterverkehr eingestellt. Nach dem Umbau der Trasse im Rahmen der Regionale 2006 zum Radwanderweg, ließ der Eigentümer das Bahnhofsgebäude 2011 nach Auflösung des Denkmalschutzes abreißen.

Mit dem ST wandern: 1832 gab es in „Förkeltrath“ 80 Bewohner

Wir folgen der Trasse, genießen den schönen Ausblick zur Rechten auf das historische Gräfrath. Der Weg verläuft parallel zur Oberhaaner Straße, führt dann am Eipass vorbei zur Hofschaft Fürkeltrath. Wir verlassen die Trasse, wo sie nahe an die Straße Fürkeltrath heranrückt. Der Ortsname kommt abgewandelt mehrfach in Solingen vor, so in Fürk bei Merscheid oder Fürkelt bei Widdert. Dabei steht Fürk für den Föhrenbaum, also die Kiefer, und Fürkeltrath für eine Rodung von Kiefern, welche die Besiedlung ermöglichte. 1671 ist der Ort erstmals in einer Akte belegt. 1832 bestand „Förkeltrath“ aus 14 Wohnhäusern und 17 landwirtschaftlichen Gebäuden. Man zählte 80 Bewohner.

Wir folgen der Straße bergab durch den Ort. Oben links hinter den Häusern entspringt der Holzer Bach, der dem Tal seinen Namen gab. Wir überqueren den Wasserlauf und folgen dem Wanderweg, der am Ufer verläuft. Die Wiesen zur Rechten leuchten im Frühling und Sommer in ihrer üppigen Blütenpracht und wimmeln nur so von Insekten. In den Bäumen umher nisten Singvogelarten. Der Weg stößt auf die Straße Gütchen, welche rechts in die gleichnamige Hofschaft führt. Der erste urkundliche Nachweis über den Hof Gütchen, dessen Bezeichnung auf ein kleines Gut oder ein kleines Gutshaus anspielt, findet sich 1594 mit Erwähnung des Bewohners „Caspar zum Gütgen“. Noch älter ist der „Pött“, der Brunnen im Ort. 1832 besaß die sogenannte „Hofstadt“ neun Wohnhäuser sowie sechs landwirtschaftliche Gebäude bei 84 Einwohnern.

Die Hofschaft Fürkeltrath – der Ortsname kommt abgewandelt mehrfach in Solingen vor.

Wir folgen weiter dem Wanderweg. Links oben am Hang steht das Naturfreundehaus Holzerbachtal. Das Gebäude wurde in den 1950er Jahren durch Mitglieder der Naturfreude wieder aufgebaut, nachdem die Nazis es zerstörten. Gegründet wurde die europaweit aktive Bewegung 1895 in Wien. 1912 bildete sich die Walder Ortsgruppe. Ziel war es, Arbeitern zu ermöglichen, ihre wenige Freizeit in der Natur zu verbringen, wie es zuvor nur wohlhabende Bürger vermochten. Das Haus bietet Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten, verfügt über Gruppenräume und ist idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in die umgebende Natur. Wir kommen vorüber am Bach Holzsiepen. Rechts zweigt ein Pfad zur Ortschaft Holz ab, die auf der Anhöhe liegt. Die Geschichte des Orts, der auf einen einzelnen Hof zurückgeht, lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen.

Der Wanderweg endet unten an der Kotzerter Straße. An der gegenüberliegenden Straßenseite sehen wir die Bausmühle. Unterhalb davon mündet der Holzer Bach in die Itter. Das Gebäude wurde vermutlich 1728 von Johann Baus, Bauer und Messerschleifermeister des  benachbarten Bauskottens, zunächst als Schleifkotten errichtet. Darauf weist eine in Stein gehauene Jahreszahl neben der Hintertür hin.

Nachfahre Johann Peter Baus baute den Kotten 1766 zur Getreidemühle um. Dazu legte er einen Sammelteich an. Lange Zeit war der Mühlenbetrieb mit einem Bauerngut, einer Bäckerei, Brauerei und Brennerei, einer Schankwirtschaft und einem Kolonialwarenladen verbunden. Bis 1942 lief die Mühle. 1968 kam das Wohngebäude in dem Kinofilm „Morgens um 7 Uhr ist die Welt noch in Ordnung“ als Filmkulisse zu neuen Ehren.

Mit dem ST wandern: Knochenmühle wurde zum Schleifkotten

Wir gehen die Kotzerter Straße hinunter zur Hofschaft Eschbach. Vorsicht! An der Straßenkreuzung herrscht starker Autoverkehr. Die erste Erwähnung Eschbachs erfolgte 1492 als „eschbacher Hoyff“. Der Name ist wohl von einem mit Eschen bestandenen Bach – der Itter oder dem Nümmener Bach – abgeleitet. Bestand der Ort im Jahr 1775 aus vier Wohnhäusern, waren es 1885 schon 18 Häuser mit 102 Einwohnern.

Versteckt im dichten Grün: ein historischer Brünnen in Grütchen.

Hinter dem Buswendeplatz biegen wir links in den Klingenpfad ein, der an der Itter entlang verläuft. Bei dem Wohnhaus, das links am Itterbrucher Abhang zu sehen ist, handelt es sich um den umgebauten früheren Kratzkotten. 1835 vom Färberei- und Druckereibesitzer Wilhelm Rüttgers zuerst als Knochenmühle errichtet, ließ sie der Scherenschleifer Gustav Kratz 1854 zum Schleifkotten umfunktionieren. Kratz’ ältester Sohn, Emil, erfand später das Scherenaugenpließten nach einem Verfahren, das bahnbrechend für die Scherenfertigung wurde und teils noch heute verwendet wird. Der Weg führt nun durch einen romantischen Buchen- und Eichenhain, der unterhalb eines Wiesenhangs verläuft. Im Tal umher sind über 40 Baumarten zu finden, darunter Eschen, Weiden, Weißdorn und Esskastanien. Auf der Wiese rechts hinter der kleinen Brücke über die Itter grasen des Öfteren Esel. Hinter dem Pißbach, einem Quellbach der Itter, kommen wir zu der kleinen Ortslage Blumental, die vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Auf der Karte des Regierungsbezirks Düsseldorf von 1871 ist sie noch nicht vermerkt; erst 1885 im rheinischen Gemeindelexikon ist dort ein Wohnhaus mit vier Einwohnern angegeben. Zehn Jahre später zählt man in Blumental zwölf Einwohner.

Über den Blumentalweg gelangen wir zur Oberhaaner Straße. Wir halten uns rechts und kommen nahe der Unterführung zurück auf die Korkenziehertrasse, die uns zum Ausgangspunkt unserer Tour führt.

26. Tour

Dauer der Wanderung: Unsere 26. Route führt durch Holzer Bachtal, Eickenberg und oberes Ittertal. Sie dauert ca. 90 Minuten

Schwierigkeitsgrad: leicht, auch für Familien mit Kindern geeignet

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk

Zum Einkehren: Naturfreundehaus Holzerbachtal, Eipaßstraße 25b, Tel. 31 37 91

naturfreundehaus-holzerbachtal.de

Am Ende der Tour bietet sich das Restaurant Junkbrunnen im Gebäude des Kunstmuseums Solingen an. Wuppertaler Straße 160, P 59 33 00, Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 16.30 bis 23 Uhr, sonntags 12 bis 14 und 16.30 bis 22 Uhr, montags Ruhetag

www.junkbrunnen.de

Serie: In unserer nächsten Folge sind wir auf folgender Route unterwegs: Nacker Bachtal/Ölberg/Eickenberg

PDF-Download: Die ersten 20 Folgen unserer großen Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den gpx-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – sind als PDF-Download für 7,90 Euro erhältlich auf:

www.bergisch-bestes.de

Weitere Wanderstrecken innerhalb und um Solingen, finden Sie auf unserer Überblicksseite.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX Holzerbach- und oberes Ittertal

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