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Mit dem ST wandern: Natur pur und stille Plätze zum Verweilen

Sehenswertes an der Strecke: Die Hofschaft Rölscheid.
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Sehenswertes an der Strecke: Die Hofschaft Rölscheid.

Unsere 24. Wandertour führt über den Verschönerungsweg.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Abwechslungsreiche Natureindrücke mit herrlichen Fernblicken in die Landschaft der Wupperberge bietet unsere heutige Wanderung auf dem Widderter Verschönerungsweg von Rölscheid nach Vockert. Zurück führt der Rundweg über Grünental und den Hillingweg mit Ausblicken bis in die Rheinebene oder alternativ durch den Ort Fürkelt.

Wir starten vom Parkplatz der ehemaligen Gaststätte Meis an der Börsenstraße. Die leerstehenden drei Lokale gegenüber zeugen von glorreichen gastronomischen Zeiten. Schon um 1830 gab es in Widdert und Höhscheid 49 Gaststätten. In den 1930er Jahren und erneut in den 1960er Jahren kamen massenhaft Gäste in Reisebussen aus dem Rheinland und Ruhrgebiet zu den Tanzlokalen Eickhorn, Meis und Café Müller nach „Klein St. Pauli“. Zudem gab es die Gaststätte Grah, das Café Schwecke (später: Fenten) und die St. Pauli-Stube. Ab Anfang der 1970er Jahre, mit Aufkommen der Diskotheken, schlossen die Lokale. Die noch bestehenden Gebäude von Grah und Meis sollen bald neuen Wohnhäusern weichen.

Der Gedenkstein, der an den Erbauer des Verschönerungsweges erinnert.

Wir folgen der Börsenstraße, bis links die Rölscheider Straße abzweigt. Diese führt uns in Kurven, dann gerade von Oben- nach Untenrölscheid. Auf der Ploennies-Karte von 1715 ist unten im Ort unter „Rülscheit“ ein Bauernhof verzeichnet. Akten nach 1750 erwähnen auch einen „Messermacher“ und einen „Schleifer“. Vor dem einzeln stehenden Haus Rölscheider Straße 89 biegen wir links in den als Klingenpfad mit einem „S“ gekennzeichneten Wanderweg ein. Dieser Abschnitt der 1935 eingeweihten 60 – heute 75 – Kilometer langen Route rund um die Klingenstadt erhielt den Namen „Verschönerungsweg“. Begonnen wurde der Bau als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Arbeitslose zur Zeit der Weltwirtschaftkrise Ende der 1920er Jahre und dann unter den Nazis ab 1933 weitergeführt. Es war harte Knochenarbeit, die Wegschneisen ohne Einsatz von Maschinen aus dem felsigen Grund zu schlagen. Der Weg führt unterhalb des früheren Widderter Sportplatzes entlang um den Rölscheider Berg. Bald sieht man die drastischen Auswirkungen des Fichtensterbens der letzten Jahre in den Bergischen Wäldern: Weitläufige Freiflächen an den Hängen, wo früher Nadelbäume standen, ermöglichen beachtliche Ausblicke in die Wupperberge, auf Hohenscheid, Wupperhof und die Witzheldener Höhenzüge.

„Der du so sorglos gehest und fröhlich den Weg, o Wanderer, trinkenden Augen der Schönheiten tausend im Tal. . .“

Zeilen auf einem Gedenkstein

Nach einer Wegbiegung erreichen wir das Kalte Tal. Der Taleinschnitt wurde geprägt durch den Kaltentaler Bach, der unterhalb der Hofschaft Höfchen entspringt und sich in der Nähe des früheren Heiler Kottens in die Wupper ergießt. Bis zur Neugestaltung des Geländes um 1970, wobei auch die kleine Holzbrücke angelegt wurde, bestand der untere Teil aus dichtem, dunklem Tannenwald. Das Tal war schattig und kühl, was seinen Namen erklärt. Nach 1900 wurden im oberen Bereich ein Stauteich und links am Hang eine gartenähnliche Anlage um einen „Pött“ – einen traditionellen Brunnen – angelegt. Manches „Pöttfest“ wurde dort früher gefeiert. Der Wasserspender am Weg, der heute trocken liegt, entstand bei einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Anfang der 1930er Jahre.

Wir folgen dem Hauptweg, der rechts vor dem Wasserspender an einer Sitzbank vorbei bergan führt. Eine große baumlose Fläche gibt dann weite Ausblicke nach Wupperhof und zur Bielsteiner Aue frei. Der Hang erinnert an Abbildungen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, wo das Gelände abgeholzt und noch nicht aufgeforstet war. Anstelle der abgestorbenen Fichten soll dort Mischwald entstehen.

Nach einem Taleinschnitt führt der Weg zu einer Anhöhe, auf der eine Bank zum Rasten einlädt. Früher stand dort ein Wetterpilz. Eine Aufschrift auf einem aus einem Schleifstein geschaffenen Gedenkstein erinnert an die Erbauer des Verschönerungswegs: „Der du so sorglos gehest und fröhlich den Weg, o Wanderer, trinkenden Augen der Schönheiten tausend im Tal, wisse, mit Mühe und Plage schufen ihn arbeitheischende Hände, derer, die das Schicksal geschlagen erwerbslos!“

Der alte Wasserspender.

Weiter geht es leicht bergan, am Weckshof und zwei Häusern vorbei. Dann an Wiesen entlang, die bald als Wohngebiet bebaut werden sollen. Am Ende stößt der Weg auf die Vockerter Straße. Wir halten uns links, biegen dann rechts in die Straße Grünental ein. Unten links zweigt der Hillingweg ab. Neben einem einzeln stehenden Schieferhaus sehen wir den 1905 errichteten Hillingskotten, dem der Weg seinen Namen verdankt. Unter „Hilling“ und „Hillingfeiern“ verstand man im 19. Jahrhundert in Solingen eine Art Polterabend, der als Festbrauch vor einer bevorstehen Hochzeit in den Hofschaften gefeiert wurde. Von der erhöhten Stelle aus hat man einen eindrucksvollen Blick über das Weinsbergtal und weit über Solingens Grenzen hinaus in das Rheintal. Wir kommen vorüber am Brenzelskotten und Häusern von Obenfürkelt und kehren zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Ein alternativer, etwas längerer Rückweg bietet sich an, wenn wir der Straße Grünental bis zur Einmündung in die Peresstraße folgen. Von dieser zweigt unten links die Mollstraße ab. Sie führt uns direkt in die malerisch gelegenen alten Hofschaften Mittel- und Untenfürkelt mit ihren gut erhaltene Fachwerkhäusern. In der Ploennies-Karte von 1715 sind unter der Ortsbezeichnung „Fürckelt“ zwei Höfe und drei am Weinsbergtaler Bach gelegene Kotten eingetragen. Einer der Schleifbetriebe, der heute nicht mehr vorhandene Evertskotten, ist nachweislich älter; er wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Der Ortsname steht für den Föhrenbaum, also die Kiefer, welche früher für die Gegend typisch war.

Links vor der Holzscheune gegenüber dem Haus Untenfürkelt 12 führt ein Feldweg bergan und in den Wald hinein. Bei klarem Wetter hat man eine fantastische Weitsicht zwischen dem Widderter und dem Höhscheider Höhenrücken ins obere Weinsbergtal. In der Ferne erspäht man die Lutherkirche. Oben gelangen wir auf der nach rechts verlaufenden Straße zur Lacherstraße, halten uns links und folgen der Börsenstraße bis zum Parkplatz bei Meis.

Tour 24: Verschönerungsweg

Dauer: ca. 80 Minuten, Alternativstrecke über Fürkelt: ca. 100 Minuten

Schwierigkeitsgrad: leicht, wenige Steigungen auch für Familien mit Kindern geeignet

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk

Besuch: Die Wanderung lässt sich womöglich mit einem Besuch im Rölscheider Puppen-, Bären- und Spielzeugmuseum verbinden: Atelier Heide-Marie Lange, Rölscheider Straße. 63, Tel. 81 13 31, geöffnet jeden ersten Mittwoch im Monat, 14 bis 17 Uhr.

www.puppeundbaer.de

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track Widderter Verschönerunsweg

Weitere Wanderstrecken innerhalb und um Solingen, finden Sie auf unserer Überblicksseite.

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