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Mit dem ST wandern: Natur gepaart mit geballter Industriegeschichte

Wanderer kommen bei unserer Tour am malerisch gelegenen Diederichskotten vorbei.
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Wanderer kommen bei unserer Tour am malerisch gelegenen Diederichskotten vorbei.

Unsere 25. Wandertour lädt zu einer Reise in die Remscheider Vergangenheit ein

Von Daniel Juhr (Text und Fotos)

Industriekultur, Naturerlebnis, Zeitreise: Der Erlebnisweg Morsbachtal, die Werkzeugtrasse und das Hammertal lassen sich zu einer abwechslungsreichen Remscheidrunde über knapp 20 Kilometer verbinden.

Diese startet auf dem Besucherparkplatz des Brückenparks Müngsten und geht direkt ans Eingemachte: Von der Wupperbrücke führt der Erlebnisweg Morsbach (super markiert mit weißem Dreieck auf schwarzem Grund) in Richtung Remscheid einige hundert Meter stramm bergauf. Übrigens parallel zum Bergischen Weg und Röntgenweg, also dem Who is who der Traditionsrouten in der Region. Kaum oben, geht es über einen steilen Serpentinenpfad wieder runter und über die Solinger Straße zum Morsbach.

Alle warmgelaufen? Jetzt geht es etwas gemütlicher weiter. In sanftem Auf und Ab folgt der Weg dem Bach, und unterwegs warten unter anderem kleine Höhlen, steinerne Bänke und Tische, hübsch geschmückte Gärten uralter Fachwerkhäuser, schier endlose Schafweiden sowie Spuren aus früherer Zeit.

Wandertour: Von Müngsten geht´s auf ruhigen Pfaden durchs Morsbachtal

Von der parallel zum Weg verlaufenden Morsbachtalstraße kommt erfreulicherweise kaum Verkehrslärm rüber. Wer sich wundert, warum die Autos der Anwohner entlang des Wanderwegs alle ein W auf dem Nummernschild tragen: Man wandert durch die Gemarkung Cronenberg, also auf Wuppertaler Stadtgebiet.

Über die Gerstau erreichen wir nach knapp acht Kilometern die idyllische Ortschaft Clemenshammer mit dem bekannten Steffenshammer, dem letzten seiner Art hier unten im Tal, der auch mehr als 260 Jahre nach seiner Erbauung im Jahr 1746 noch funktioniert. Möglich macht das der eigens gegründete Förderverein. Im 19. Jahrhundert wurde im Steffenshammer nicht nur Werkzeug hergestellt, sondern auch hochwertiger Raffinierstahl geschmiedet. Das Wasserrad ist vom Weg aus gut erkennbar, ebenso der Stauteich.

Wer hier weiter dem Erlebnisweg Morsbach folgen möchte, folgt dem Schild bis zur Ortschaft Platz. Wir gönnen uns noch eine Schleife und biegen hinterm Steffenshammer halb rechts auf den Wanderweg A2. Vorher am besten kurz stärken, denn jetzt geht es gut 200 Meter über Stein und Wurzelwerk steil bergauf, ehe wir oben rechts auf den Weg A3 abbiegen und auf einer Hochebene durch einen Buchenwald laufen.

Wandern vorbei an Platz, Gründerhammer und nach Hasten

Mehr als einen Blick wert ist die Trasse des Werkzeugs – rostfarbene Schilder erinnern an die frühere Nutzung

Aber die Trasse des Werkzeugs ruft, also nach rund 800 Metern scharf rechts abbiegen und über einen Asphaltweg geht es wieder runter bis auf die Morsbachtalstraße. Einmal rüber, dann durch die verwinkelte Ortschaft Platz laufen und immer wieder kurz stehen bleiben: Infoschilder informieren an vielen Ecken über die Werkzeuggeschichte. Wir folgen der Straße Platz und wandern am Wasser entlang – jetzt wieder auf dem Erlebnisweg Morsbach, den wir in Höhe des Gründerhammers aber endgültig Richtung Remscheid Hasten verlassen.

Hier ist Wanderhalbzeit: Zehn Kilometer sind geschafft. Der Fußweg, der hier scharf rechts abzweigt, bestätigt eine Remscheider Eigenschaft: Vom Zentrum aus sind es zu Fuß zwar nur wenige Minuten ins Grüne, aber dafür meist viele Höhenmeter. Das Grüne genießen wir noch einen Moment. Wir folgen dem Fußweg bis zur Ortschaft Büchel, biegen aber noch vor dem ersten Haus an einem hohen Lebensbaum scharf links auf einen Trampelpfad ab.

Wer mag, kann von hier aus auch einen Schlenker zurück ins Tal machen und einmal die Ibacher Mühle mit ihren Teichen umrunden. So oder so führt der Weg in einer weiten Rechtsschleife bergauf Richtung Evangelischem Friedhof. Dort an der ersten Weggabelung rechts halten – links kommt man zwar auf ein schönes Feld, steht am Ende aber vor einem verschlossenen Tor – und in den Baumschulenweg sowie später die Büchelstraße einbiegen. Und Halt: Ein Foto von der Pauluskirche, im Jahr 1853 quasi als Filiale der Remscheider Stadtkirche erbaut, muss sein, bevor es bis zur Hastener Straße und nach deren Überquerung hinter der Buchhandlung Barnes auf die Trasse des Werkzeugs geht.

Trasse des Werkzeugs: Industriekultur pur auf vier Kilometern

Hier wartet Industriekultur pur auf der einstigen Eisenbahnstrecke, die im Jahr 1883 von Lennep über Remscheid und Vieringhausen bis nach Hasten verlängert wurde. Drei Jahre etwa, von 1993 bis 1996, dauerte der Rückbau. Weitere zehn Jahre später war die Verwandlung in eine vier Kilometer langen Erlebnisweg mitten durch die Stadt perfekt.

Rostfarbene Schilder erinnern an die einstige Nutzung der Strecke, auch alte Signalanlagen lassen sich auf den nächsten Kilometern entdecken. Zur Trassenhalbzeit, also nach zwei Kilometern, steigen wir aus und topographisch gleichsam ab: von knapp 300 Höhenmetern auf gut 140. Denn wir queren die Schüttendelle und gelangen über Büchener Straße und Lange Straße in die Hoffmeisterstraße.

Diese verlassen wir vor einer Rechtskurve in Höhe des dortigen Spielplatzes, und ein anfangs schmaler Waldweg führt uns bis auf den Industriegeschichtspfad Hammertal, welches seinen Namen wegen all der Hammerwerke trägt, die hier einst in Betrieb waren. Eine weitere faszinierende Zeitreise, vorbei unter anderem am Diederichskotten aus dem 18. Jahrhundert, von dem heute noch der Anbau steht – der ist aber bestens erhalten. Was sich vom Bücheler- oder Ibachshammer unten im Tal, direkt neben dem Lobach, nicht behaupten lässt. Nur noch Mauerreste sind zu erkennen. Zum Glück informiert der Bergische Geschichtsverein an Infotafeln über die Geschichte der alten Hämmer.

Schöne Holzskulpturen am Teufelsfelsen

Und nicht nur über diese, denn das Hammertal ist außerdem durchzogen von alten Bergwerken. Wer ihnen auf die Spur kommen und zurück nach Müngsten will, der muss bergauf. Und wie. Eben noch leicht bergab auf der Straße Tyrol dem dahinplätschernden Lobach folgend, heißt es nun scharf rechts abbiegen auf die Tyroler Straße. Auf gut 17 Kilometern Strecke geht es in steilen Serpentinen bergauf. Vorbei am Eichenhöfer Bergwerk, dessen Eingang sich vom Weg aus erkennen lässt, und der Wolfskuhle, einem Stollen, der von einem Remscheider Privatmann wieder freigelegt wurde – 250 Jahre nach dem dortigen Eisenerzabbau.

Müngsten ruft, also marschieren wir weiter rauf. Zuerst durch den kleinen Eisenbahntunnel, dann einmal rechts ab auf die Straße Unterreinshagen und durchs Wohngebiet bis zur Reinshagener Straße. Von hier aus geht es auch schnell wieder bergab. Auf dem Weg ins Tal dürfen wir noch einmal staunen. Über die schönen Holzskulpturen am Teufelsfelsen neben dem Reinshagener Bach zum Beispiel.

Und dann dieser Ausblick. Links von uns erhebt sich zwischen den Bäumen die Müngstener Brücke, davor thront auf einem Felsvorsprung der Diederichstempel. Mehr Industriegeschichte geht nicht auf 20 Kilometern in und um Remscheid. Muss auch nicht. Nur ein paar Schritte noch. Und wir sind da.

25. Tour: Historisches Remscheid

Länge: 19,8 Kilometer

Dauer: ca. 4 bis 6 Stunden oder länger

Verlauf: die ersten 8 Kilometer auf dem Erlebnisweg Morsbach, Gesamtlänge gut 12 Kilometer, dann 2 Kilometer auf der Trasse des Werkzeugs

Einkehren: Haus Müngsten, Wildschütz Aue, Ristorante Il Camino Hasten

Pause machen: Auf den schönen Steinmöbeln im Morsbachtal

Parken: Wanderparkplatz Brückenpark Müngsten

Gut zu wissen: Abenteuerliche Pfade und Wegeführung erfordern festes Schuhwerk, nicht kinderwagengeeignet

Serie: In unserer nächsten Folge sind wir in Solingen unterwegs: im Holzerbachtal und oberen Ittertal

Die ersten 20 Folgen unserer Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den gpx-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – sind als PDF-Download für 7,90 Euro erhältlich auf: www.bergisch-bestes.de.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX Historisches Remscheid

Weitere Wanderstrecken innerhalb und um Solingen, finden Sie auf unserer Überblicksseite.

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