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Mit dem ST wandern: Ein Ausflug in die Gräfrather Geschichte

Ein herrlicher Blick auf den Gräfrather Lichtturm bietet sich von der Lützowstraße aus.
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Ein herrlicher Blick auf den Gräfrather Lichtturm bietet sich von der Lützowstraße aus.

Unsere Wanderserie führt heute zum nördlichsten und kleinsten Stadtteil Solingens.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Einen Ausflug in die Geschichte eines alten Solinger Stadtteils, etliche Sehenswürdigkeiten und viel Natur bietet der Rundweg in und um Gräfrath.

Wir starten am Parkplatz des Solinger Kunstmuseums. Der Bau, 1907 als Gräfrather Rathaus mit markantem Uhrenturm errichtet, stellt „ein malerisches Gebäude im Bergischen Stil“ dar. 1953 nach Kriegsschäden wieder aufgebaut, diente er bis Ende der 80er Jahre als Deutsches Klingenmuseum und wurde 1996 zum Museum Baden. Heute beherbergt er auch das Zentrum für verfolgte Künste.

Wir folgen der Wuppertaler Straße Richtung Altstadt, gehen am 1876 errichteten großen Haus des Stahlwarenfabrikanten Friedrich von der Kohlen vorbei und sehen davor den liebevoll restaurierten Maurischen Pavillon, der früher als Lusthäuschen diente. Wir kommen zur Straße „In der Freiheit“, deren Name an die Erteilung des Freiheitsprivilegs 1402 durch Herzog Wilhelm von Berg erinnert. Durch dieses wurden die Gräfrather Bürger von bestimmten Steuern und allen „Herrendiensten“ befreit und erhielten die Gerichtsbarkeit. An der Straße liegen das Rathaus von 1881 bis 1908 sowie das Wohn- und Operationshaus von Augenarzt Friedrich Hermann de Leuw, der Gräfrath in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast zum Kurort für Augenkranke machte.

Mit dem ST wandern: Die Wanderung führt zum höchsten Punkt der Klingenstadt

Erstmals urkundlich erwähnt wird Gräfrath bereits 1135 als „villa Greverode“, was „Rodung des Grafen“ bedeutete; „villa“ war eine Art „Bauerngemeinschaft“. Wir kommen rechtsum zum Marktplatz, der seit Jahrhunderten das Dorfzentrum bildet und mit seinen historischen Häusern und Gaststätten noch heute Anziehungspunkt für Einheimische wie Touristen ist. Am Platz sehen wir die 1686 nach dem großen Brand im Renaissancestil neu errichtete evangelische Kirche mit Walmdach und sechseckigem Turm.

Es lohnt ein Gang durch umliegende Gassen wie Küllersberg, Täppken, Steines oder durch die Garnisonstraße, die an das im 19. Jahrhundert im Kloster stationierte Landwehrbataillon erinnert. Zum Ende der langen, steilen Klostertreppe überragt die Klosterkirche den Ort. Kirche und Kloster gehen zurück auf eine Marienerscheinung, die sich 1185 in der Kapelle eines nahe gelegenen Hofes ereignete. 1187 gründete die Vilicher Äbtissin Elisabeth vor Ort ein Frauenkloster. Nachdem 1309 laut Legende ein Knochensplitter der Heiligen Katharina als Reliquie in die Abtei gelangte, entwickelte sich Gräfrath zum Wallfahrtsort. 1803 schloss das Stift. Die Kirche wurde zur katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt, das Kloster erst zur Kaserne, dann zum Mädchenheim und ab 1946 Seniorenheim. 1990 zog das Deutsche Klingenmuseum ein.

Wir folgen der Gerberstraße vor dem Klingenmuseum rechtsum zu der lang gestreckten Park- und Waldanlage Gräfrather Heide. Es geht rechter Hand am Heider Teich vorbei, dann stetig bergan, am Heider Bach entlang. Nach einem zweiten Teich sehen wir das Damwildgehege des Tierparks Fauna. Es folgt ein Mahnmal für 321 Gräfrather Soldaten des Ersten Weltkriegs. Bänke laden zur Rast ein. Weiter geht es zum Eingang der Fauna. 1932 gegründet, hat sich der einstige Heimtierpark zu einem kleinen Zoo mit über 600 Tieren aus 155 Arten entwickelt. Von hier aus lohnt sich ein Abstecher zum Gräfrather Lichtturm und dem höchsten Punkt Solingens.

Den 38 Meter hohen Turm erblicken wir nach Überquerung der Lützowstraße. 1904 als Wasserturm errichtet, war er als solcher bis 1983 in Funktion und verfiel dann für einige Zeit. Bis 1999 ließ Lichtgestalter Johannes Dinnebier den Bau restaurieren, der dann mit seiner zum Veranstaltungsraum umgebauten, transparenten Glaskuppel zum neuen Gräfrather Wahrzeichen wurde. Zum höchsten Punkt Solingens geht es geradeaus am Sportplatz vorbei, der früher Exerzierplatz für Kasernenappelle und um 1910 sogar Flugplatz war. Der Pfad dahinter führt zu einem Stein, der 276 Meter Höhe über Normalnull und 140 Höhenmeter hinunter bis zur Wupper markiert. Über die Felder hat man eine imposante Weitsicht nach Remscheid und Cronenberg.

Wir gehen zurück Richtung Fauna, folgen der Lützowstraße rechtsum, bis wir hinter den Häusern links die Baumallee „Haus Grünewald“ sehen. Das Naturdenkmal stellt die frühere Zufahrt zu der Villa dar, die wegen ihres repräsentativen Aussehens auch Schloss Grünewald genannt wird. Das Anwesen ist als Privatbesitz nicht öffentlich zugänglich und nur zu Anlässen wie Messen oder Märkten besuchbar.

Unzugänglich ist auch die Itterquelle, der „Heilige Born“, unten im Gelände. Wir folgen dem Pfad rechtsum, am Feld entlang, dann oben links dem Weg „Haus Grünewald“, der um das Anwesen mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden, Forst- und Taubenhaus herumführt. Der heutige Bau entstand zwischen 1817 und 1824, die Verschieferung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von 1843 bis 1861 gehörte das Anwesen dem Augenarzt de Leuw. Unter dessen erstem Sohn, dem Landschaftsmaler Friedrich August de Leuw, erfuhr es bis 1866 einen Um- und Ausbau. 1880 erwarb der Unternehmer Jean Louis Piedbœuf das Haus. Es blieb bis 1997 in Familienbesitz. Anschließend von Birger Zimmermann wieder hergerichtet, steht es seit 2004 für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.

Am Ende des Wanderwegs folgen wir rechtsum der Birkenallee. Nach Überquerung der Wuppertaler Straße geht es geradeaus auf einen Feldweg, der bald nach links biegt. Linker Hand, teils von Grün verdeckt, liegt das Industriegebiet Piepersberg, rechts reicht der Blick weit über die Felder bis hin zur Engelshöhe in Vohwinkel. Dann öffnet sich vor uns eine großartige Aussicht zum Stadtteil Wald mit der Walder Kirche. Unten rechts in der Senke entspringt der Pißbach - ein Quellbach der Itter. Der Weg führt hinab zur stark befahrenen Straße Roggenkamp, der wir linksum folgen, bis wir rechts auf einen Zugang zur Korkenziehertrasse treffen.

Dieser folgen wir linker Hand. Bald können wir einen schönen Ausblick auf das historische Gräfrath genießen. Immer geradeaus gelangen wir schließlich zum Kunstmuseum, dem Ausgangspunkt unserer Tour.

Tour 50 – Gräfrather Rundweg

Dauer: ca. 130 Minuten

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk für die Waldstrecken

Busanbindung: Linie 683, Haltestelle Gräfrath

Zum Einkehren: Es bieten sich die Lokale im Gräfrather Ortskern an.

Ausflugsziele: Kunstmuseum Solingen, Wuppertaler Straße 160, Tel. 25 81 40, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr www.kunstmuseum-solingen.de

Deutsches Klingenmuseum, Klosterhof 4, Tel. 25 83 60, Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 10 bis 17 Uhr, freitags 14 bis 17 Uhr www.klingenmuseum.de

Tierpark Fauna, Lützowstraße 347, Tel. 59 12 56, reguläre Öffnungszeiten: montags bis sonntags von 9 bis 16.30 Uhr (im Sommer 9 bis 18 Uhr) www.tierpark-fauna.de

Gräfrather Lichtturm, Lützowstraße 340, Tel. 3 83 79 47, www.lichtturm-solingen.de, Termine für Führungen können telefonisch oder per E-Mail unter info@lichtturm-solingen.de erfragt werden.

Schloss Grünewald ist nicht öffentlich zugänglich.

GPX-Daten zu Gräfrather Rundweg

Alle Folgen unserer Wanderserie finden Sie hier

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