Wanderserie

Mit dem ST wandern: Alte Eisenbahnstrecke schlängelt sich durch die Stadt

Ausgangspunkt ist der Südpark. In den alten Güterhallen befinden sich Ateliers und Restaurants.
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Ausgangspunkt ist der Südpark. In den alten Güterhallen befinden sich Ateliers und Restaurants.

Das ST stellt Wanderrouten vor: Heute die Korkenziehertrasse, die von Mitte über Wald und Gräfrath bis nach Vohwinkel führt.

Von Andreas Erdmann

Eine schöne Weitsicht bietet die Korkenziehertrasse in Höhe des Nümmener Feldes.

Unsere heutige Wanderung folgt der Korkenziehertrasse, die auch als Korkenzieherbahn bekannt ist. Dabei handelt es sich um die 2006 im Rahmen der Regionale zum Rad- und Wanderweg umgebauten Eisenbahntrasse, die von Mitte, über Wald und Gräfrath nach Wuppertal-Vohwinkel folgt. Offiziell eröffnet wurde die 14,2 Kilometer lange Trasse am 15. November 1887. Der Name spielt auf ihren kurvigen, einem Korkenziehergewinde ähnelnden Verlauf an.

Wir starten vom Parkplatz Südpark an Brücke Brühler Straße. Der Südpark am früheren Hauptbahnhof wurde 2006 zu einem kulturellen Zentrum. Dort befinden sich die zu Künstlerateliers umgewandelten Güterhallen, das Museum Plagearius mit Exponaten von Produktfälschungen und das Forum Produktdesign. Kulinarisches bieten die Restaurants Stückgut und Steinhaus an. Unser Weg verläuft parallel zu den Gleisen des Bahnhofs Solingen-Mitte, entlang einer Mauer, in der zahlreiche Wildtauben nisten. Es folgen Anlagen der Eisenbahnzeit, darunter ein alter Prellbock. Auf dem Friedhof Kasinostraße fanden viele namhafte Persönlichkeiten Solingens ihre letzte Ruhestätte. Rechts am Weg, zur Potshauser Straße hin, treffen wir auf das Mahnmal „Gegen das Vergessen“. Es erinnert daran, dass „am 3. März 1943 sämtliche noch in Solingen lebende Sinti aus den Baracken Wörthstraße und Potshauser Straße in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt“ wurden.

Der Tunnel Schlagbaum unterquert eine große Kreuzung.

Etwa dort, wo sich Imbiss, Spiel- und Bolzplatz befinden, stand früher der Solinger Nordbahnhof. Ab 1888 errichtet, diente er dem Personen- und Güterverkehr. Um 1953 wurden dort monatlich 1200 Tonnen Güter umgeschlagen. Nachdem die Güterhallen 1971 der Brandstiftung zum Opfer fielen, riss man das Empfangsgebäude 1979 ab. Wir nähern uns dem Schlagbaumtunnel. Er unterquert eine der größten Straßenkreuzungen der Stadt. Ursprünglich 92 Meter lang, wurde er 1979 auf 109 Meter verlängert. Bei der Renovierung erhielt er eine Beleuchtung. Wir passieren seitlich am Frankfurter Damm entlang die Orte Oben- und Untenscheid, dann den Komplex des Klinikums. Dem Klinikgelände schließt sich der Botanische Garten an. Dort lohnt sich ein Abstecher durch die 61 500 Quadratmeter große Anlage mit ihren zahlreichen heimischen und exotischen Pflanzen. 1963 eröffnet, betreibt sie heute ein Förderverein. Der Eintritt ist frei. Durch den am Teich gelegenen Ausgang gelangen wir zurück zur Trasse.

Von Gräfrath verläuft der Weg vorbei an der Hofschaft Fürkeltrath.

Wir folgen dem 300 Meter langen „Pfad der Menschenrechte“: 13 von der Künstlerin Yayo Kawamura gestaltete Schautafeln illustrieren die 30 Menschenrechtsartikel. Hinter der Sportanlage erreichen wir über die August-Preuße-Brücke den früheren Walder Bahnhof. 1887 eingeweiht, diente er bis 1958 dem Bahnverkehr nach Gräfrath und bis 1995 nach Solingen-Mitte. Heute beherbergt er die Gaststätte Walder Bahnhof und den Kulturverein Waldmeister.

Zur Fuhr hin wird die Strecke zusehends ländlicher

Je weiter wir gehen, wird es ländlicher. Uns eröffnen sich herrliche Panoramablicke über das Ittertal und Nümmener Bachtal bis nach Gräfrath und zum Haaner Höhenrücken. Sehenswert ist ein Abstecher nach Nümmen mit seinen gut erhaltenen historischen Fachwerkhäusern. Erstmals erwähnt wird der Ort 1303. Mit über 700 Jahren ältestes, noch bestehendes Gebäude ist das Haus Hauffstraße 9 im Häuserensemble 9 bis 13.

Der Botanische Garten zeigt auf 61 500 Quadratmetern heimische und exotische Pflanzen – Eintritt frei.

Über eine Leichtmetallbrücke geht es durch ein Waldgebiet Richtung Kunstmuseum. Nach Kriegsschäden wieder aufgebaut, diente es bis Ende der 80er Jahre als Deutsches Klingenmuseum und wurde 1996 zum Museum Baden. Heute beherbergt das Kunstmuseum auch das Zentrum für verfolgte Künste.

Wir überqueren die Wuppertaler Straße. Auf dem brachliegenden Gelände rechts stand früher der Gräfrather Bahnhof. Er wurde 1887 am selben Tag wie die Trasse eröffnet. Bis 1942 erfolgte der offizielle Personenverkehr. Der Güterverkehr nach Wald lief bis 1966 und der nach Vohwinkel bis 1989. 2011, nach Auflösung des Denkmalschutzes, ließ der Eigentümer das Bahnhofsgebäude abreißen. Nicht weit, und wir genießen den schönen Ausblick auf das historische Gräfrath.

Über die kleine Düssel geht es bis nach Vohwinkel

Der Ort ist mit seinen engen Gassen, dem historischen Marktplatz, der hoch aufragenden Klosterkirche und dem Klingenmuseum beliebtes Ausflugsziel. Die Trasse führt entlang der Hofschaften Eipaß und Fürkeltrath. Nach Überquerung der L 357 und Unterquerung der A 46 kann die Tour bis Vohwinkel fortgesetzt werden. Dazu biegen wir vom Westring rechts nach Bolthausen, dann gleich links in die Straße Wibbeltrath ein. In der Kurve geht es links wieder auf die Trasse. Rechts davon liegt die Ortslage Wibbeltrath. Bis 1929 gehörte es zu Haan und kam dann zu Wuppertal. Wir überqueren die Kleine Düssel und gehen unterhalb der Siedlung in Richtung Ludgerweg. Diesem folgen wir bis zur Vohwinkeler Straße, die uns zur Schwebebahnstation Vohwinkel führt. Mit dem Solinger Bus der Linie 683 können wir bis zum Bahnhof Mitte fahren, dem Ausgangspunkt unserer Tour.

Tour 31

Länge: Etwa dreieinhalb Stunden, die Tour kann auch in mehrere Teilstrecken unterteilt werden.

Schwierigkeitsgrad: Einfach, ohne Steigungen, auch für Familien mit Kindern geeignet.

Einkehr: Zum Einkehren bieten sich einige Gastbetriebe an: Steinhaus „Im Alten Bahnhof“, Portugiesisches Zentrum, Restaurant Stückgut, Restaurant Walder Bahnhof, Restaurant Junkbrunnen, in Wuppertal: Restaurant Kochstube.

Tipp: Die ersten 20 Folgen unserer Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den gpx-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – sind als PDF-Download für 7,90 Euro erhältlich auf: www.bergisch-bestes.de

Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auch hier.

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