Gericht

Prozess wegen Misshandlung: Blaues Auge und Prellungen - Lehrerin schöpft Verdacht

Eine Lehrerin schöpfte Verdacht.
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Eine Lehrerin schöpfte Verdacht.

Gericht befragt Umfeld eines Zweitklässlers.

Von Dirk Lotze

Solingen. Ein Zweitklässler mit dick geschwollenem, blauem Auge, übersät mit Prellungen und voller Angst, dass Außenstehende mit seinem Zuhause Kontakt aufnehmen könnten – das brachte Mitarbeitende einer Grundschule in Aufderhöhe auf die Spur mutmaßlich schwerster Kindesmisshandlungen in einer Solinger Familie. Die frühere Klassenlehrerin sagte gestern vor dem Landgericht Wuppertal aus.

Angeklagt ist ein 40 Jahre alter Angestellter, ein früherer Freund der Mutter des betroffenen Kindes. Er soll 2017 den damals sieben Jahre alten Jungen geschlagen, gedemütigt und gequält haben. In einem Fall habe er das Kind im Treppenhaus ans Geländer gefesselt. Die Lehrerin sagte über den Jungen: „Er wollte erst nicht sprechen. Dann hat er doch gesagt, dass das blaue Auge nicht vom Spielplatz stammt, sondern vom Freund der Mutter.“

Die Anklage geht davon aus, dass der Mann den Jungen für Fehler bei Schulaufgaben schlug. Er habe mit einem Gürtel geschlagen; er habe den Kopf seines Opfers in einer Schranktür eingeklemmt und zugedrückt. Das Kind habe sein Erbrochenes essen müssen, nachdem es sich übergeben hatte. Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann Übergriffe auf eine zwei Jahre ältere Schwester des Jungen vor, ebenso wie auf die damalige Lebensgefährtin.

„Das dürfen Sie aber auf gar keinem Fall jemandem sagen.“

Verängstigter Junge gegenüber seiner Lehrerin

Die Taten habe er ab März 2017 begangen; wenige Monate zuvor soll er mit der Frau zusammengekommen sein. Ab dem Sommer gab es erste Ermittlungen der Behörden, im Oktober 2017 brachte das Jugendamt die Kinder in ein Heim.

Der Angeklagte bestreitet die meisten Anklagepunkte. Schläge mit dem Gürtel hat er gestanden. Die Kinder haben zu ihrem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Die frühere Klassenlehrerin berichtete, die Prellung am Auge des Kindes habe sie dazu gebracht, gezielt nachzufragen. Als sich der Junge schließlich offenbart hatte, habe er noch sichtlich verängstigt hinzugefügt: „Das dürfen Sie aber auf gar keinen Fall jemandem sagen.“

Die Lehrerin nahm die Berichte ernst und zog die Schulsozialarbeiterin, die Schulleitung und die Kinderschutzbeauftragte hinzu. Sie sagte aus, der Siebenjährige habe Misshandlungen benannt, bei denen sie in einem Fall das Wort zunächst nicht verstanden habe. Er habe erläutert, dass dabei jemand den Kopf einer anderen Person in eine Toilettenschüssel steckt und abspült. „Kopfspülung“ habe der Junge das genannt.

Das Gericht befragt weitere Zeugen aus dem Umfeld. Womöglich können sie sich noch erinnern, was für Verletzungen der Junge hatte.

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