Urteil

Missbrauch: Solinger muss sechs Jahre in Haft

Der Angeklagte verbarg beim Prozessauftakt sein Gesicht vor den Kameras. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Der Angeklagte verbarg beim Prozessauftakt im Landgericht Wuppertal sein Gesicht vor den Kameras. (Archivfoto)

Kinderpornografie: Gericht verurteilt 39-jährigen Vater, der sich an seiner Tochter und seinem Sohn verging

Solingen. Reglos nahm der 39-jährige Solinger gestern sein Urteil hin: Wegen schweren sexuellen Missbrauchs sowie wegen der Herstellung und des Konsums kinderpornografischen Materials sprach das Landgericht Wuppertal gegen ihn eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten aus.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Zeitsoldat der Bundeswehr sich in zahlreichen Fällen zunächst an seiner 13-jährigen Tochter und später auch an seinem zehnjährigen Sohn vergangen hat. Der Vorsitzende Richter Dr. Karsten Bremer erkannte zwar einerseits an, dass der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt und nennenswerte Aufklärungshilfe mit Blick auf weitere Fälle geleistet hatte, beschönigte die gravierenden seelischen Schäden der Taten für die Kinder aber nicht: „Sie haben Ihre Familie zerstört. Ihre Kinder werden keine normale sexuelle Entwicklung haben“, wandte sich der Vorsitzende an den Angeklagten. „Wenn Ihre Kinder eines Tages ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen, werden sie immer das Bild des Vaters vor Augen haben.“ Schon jetzt seien beide extrem verschlossen und verhaltensauffällig; das Mädchen sei zudem stark abgemagert.

Sie haben Ihre Familie zerstört

Karsten Bremer, Vorsitzender Richter

Erstmals geriet der Solinger im Herbst 2019 ins Visier der US-Behörden. Diese hatten ein Foto im Internet entdeckt, das den Täter bei sexuellen Handlungen mit einem Kind zeigte. Durch umfangreiche Ermittlungen konnte man den 39-Jährigen schließlich identifizieren und fand heraus, dass es sich bei dem Kind auf dem Foto um dessen Tochter handelte. Von dem Missbrauch des Mädchens in einem Wohnwagen hatte der Beschuldigte unter anderem ein Video angefertigt. Regelmäßig machte die Familie auf einem FKK-Campingplatz in Rösrath Urlaub, dort wurde der Solinger schließlich auch festgenommen.

Auf den ersten Missbrauchsverdacht reagierten die Ermittler und durchsuchten im Dezember 2019 die Wohnung des Mannes, bei dem sie umfangreiches, belastendes Material – vornehmlich Datenträger mit kinderpornografischen Inhalten – sicherstellten. In das weitere Vorgehen der Behörden wurde auch das Solinger Jugendamt einbezogen. Gemeinsam mit der Mutter der Familie erarbeitete man ein Konzept zum Schutz der Kinder, das unter anderem ein Annäherungsverbot für den Vater vorsah. Zudem durfte er sich nicht mehr allein mit seinen Kindern in einem Raum aufhalten.

Kinder blieben dem Täter weiterhin ausgeliefert

Dieser Plan scheiterte auf ganzer Linie. Denn beide Elternteile setzten sich über die Vereinbarung mit dem Jugendamt hinweg. Es folgten weitere Übergriffe, danach nachweislich erstmals auch gegen den Jungen, so dass beide Kinder dem Vater weiter schutzlos ausgeliefert blieben. „Das muss man schon als dummdreist bezeichnen“, hielt der Vorsitzende fest. Die Taten nach der Wohnungsdurchsuchung seien im Urteil strafverschärfend berücksichtigt worden. Gegen die Mutter läuft ein gesondertes Verfahren.

Ein Gerichtspsychiater hatte dem Täter in dem Prozess eine pädophile Veranlagung bescheinigt. So hatte sich der Solinger regelmäßig in einer Chatgruppe getummelt, in der kinderpornografische Fantasien geschildert und entsprechende Fotos getauscht wurden. In seiner Einlassung hatte der Angeklagte stets betont, niemals Gewalt gegen seine Kinder angewandt zu haben. Darin sah die Kammer wohl eher eine Relativierung der Taten. Bremer: „Sie mussten auch gar keine Gewalt anwenden, weil Ihre Kinder Ihnen blind vertraut haben. Sie aber haben dieses Vertrauen ausgenutzt.“

Hintergrund

Der Vorsitzende erwähnte bei der Urteilsverkündung, dass es keinerlei Bezug des Falls zum Missbrauchskomplex in Bergisch-Gladbach gebe. Dies sei in der Presse falsch berichtet worden. Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert bestätigte hingegen auf Nachfrage, dass der Solinger mit einem Verdächtigen aus diesem Dunstkreis Fotos getauscht haben soll.

Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch das Tageblatt verzichtet mit Rücksicht auf die Opfer bewusst auf Details aus den Tatvorwürfen.

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