Fit für die Zukunft

1,5 Millionen Euro fließen in den Botanischen Garten

Als eines der ersten Projekte soll das teilweise undichte Bachlaufsystem im Botanischen Garten erneuert werden. Foto: Christian Beier
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Als eines der ersten Projekte soll das teilweise undichte Bachlaufsystem im Botanischen Garten erneuert werden.

Bis 2028 soll die Garten- und Parkanlage unter anderem ein erneuertes Bachlaufsystem bekommen. Außerdem ist ein „grünes Wohnzimmer“ geplant. Die Aufwertung ist Teil des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzeptes (ISEK) „Zukunft Solingen-Wald 2030“.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Der Botanische Garten wird fit für die Zukunft gemacht. Bis 2028 sollen rund 1,5 Millionen Euro in die unter Denkmalschutz stehende Anlage fließen. Geplant ist unter anderem, das Bachlaufsystem und Wege zu erneuern. Außerdem soll ein „grünes Wohnzimmer“ für Schulungen, Seminare und Workshops entstehen. Damit reagiert die Stadt einerseits auf dem „umfangreichen Sanierungsbedarf“, der mittlerweile zu erkennen sei. Gleichzeitig gehe es darum, das „deutliche Entwicklungspotenzial“ des Geländes zu nutzen.

Der Botanische Garten erfülle für die Wohnstandort-Qualität der umliegenden Stadtgebiete sowie vor allem für Wald eine wichtige Rolle. Deshalb ist die geplante Aufwertung Teil des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzeptes (ISEK) „Zukunft Solingen-Wald 2030“. Erst im Frühjahr wurde im Botanischen Garten umgebaut. Eine neue Doppelverglasung soll den Energieverbrauch in der Tropenhalle senken.

Die ersten Mittel für das Vorhaben sind bereits geflossen. In der Städtebauförderung 2021 des Landes sind 40 000 Euro vorgesehen, um ein „ganzheitliches Entwicklungskonzept“ zu erstellen. Dies sei notwendig, erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische, um weitere Schritte und konkrete Bausteine abzuleiten. Zentral dabei ist, den Denkmalschutz zu beachten. „Alle Maßnahmen sollen sich an die Gestaltungsphilosophie der 60er Jahre anlehnen und sie fortschreiben“, betont Rische.

Grünes Klassenzimmer könnte im Botanischen Garten in Solingen eingerichtet werden

In den Prozess eingebunden ist die 1998 gegründete Stiftung Botanischer Garten Solingen. Laut deren Vorstandsmitglied Matthias Nitsche könnte die Erneuerung des teils undichten Bachlaufsystems bereits im kommenden Jahr in Angriff genommen werden, die Sanierung der Wege 2023. Außerdem gebe es konkrete Überlegungen, das Sukkulenten- und das Mutterpflanzenhaus abzureißen und durch moderne und energieeffizientere Neubauten zu ersetzen.

Dies hätte mehrere Vorteile. Zum einen benötigen die Sukkulenten eine größere Dachhöhe als derzeit. Zum anderen könnte in einem der neuen Gebäude ein „Grünes Klassenzimmer“ eingerichtet werden. „Viele Botanische Gärten verfügen über ein Lehrkonzept“, erklärt Matthias Nitsche. Vorstellbar seien etwa Kooperationen mit Schulen und Jugendgruppen von Umweltorganisationen. „Das wäre ein großer Schritt für uns.“ Bisher sei es notwendig, einzelne Gebäude zeitweise für die Öffentlichkeit zu sperren, um ungestört Veranstaltungen durchführen zu können. Rund 300 000 Euro würde es Nitsche zufolge kosten, die beiden Gewächshäuser zu ersetzen. 20 Prozent soll die Stiftung Botanischer Garten beisteuern.

„Das wäre ein großer Schritt für uns.“

Matthias Nitsche über das geplante „Grüne Klassenzimmer“

Es wäre das nächste Großprojekt für den Verein. Die umfangreiche Sanierung des Tropenhauses geht derweil auf die Zielgerade. Matthias Nitsche hofft auf eine Eröffnung Ende Oktober – am liebsten mit einer kleinen Feierstunde. Rund 250 000 Euro wird der Umbau unter dem Strich kosten. Das Geld ist beispielsweise in eine moderne Doppelverglasung und einen fortschrittlichen Klima-Computer geflossen. Letzterer sorgt unter anderem dafür, dass sich die Fenster automatisiert zum Lüften öffnen und anschließend wieder schließen. Die komplette Maßnahme hat die Stiftung mit der Hilfe von Förderern und Sponsoren finanziert.

Eine wichtige finanzielle Stütze sind in normalen Zeiten Einnahmen, die bei Veranstaltungen erzielt werden. Bis Ende September sind allerdings alle Konzerte, Aktionen und Co. abgesagt. Für die ehrenamtlichen Mitglieder der Stiftung sei die Kontrolle, ob alle Corona-Regeln eingehalten werden, kaum zu gewährleisten. „Das sind natürlich Einnahmen, die uns fehlen. Wir sind froh, wenn wir wieder richtig loslegen können“, betont Matthias Nitsche. Denn Pläne, für die es die entsprechenden Mittel braucht, gibt es genug. Unter anderem schwebt der Stiftung vor, im Botanischen Garten freies Wlan anzubieten.

Der Kiosk auf dem Gelände hat dagegen wieder geöffnet. An Sonn- und Feiertagen ist zwischen 14 und 18 Uhr ein Verkauf möglich.

Stiftung

Die 1998 gegründete Stiftung Botanischer Garten Solingen zählt rund 490 Mitglieder. Etwa 120 davon seien aktiv, erklärt Vorstandsmitglied Matthias Nitsche. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, die Anlage aus dem Jahr 1963 mit Spenden und anderen Aktivitäten zu erhalten. Weitere helfende Hände seien gerne gesehen.

www.botanischer-garten-solingen.de

Standpunkt: Ein Glücksfall

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Manuel Böhnke

Der Botanische Garten ist ein Glücksfall für Solingen. Das hat sich längst über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen. Am Wochenende bei schönem Wetter einen Parkplatz in der Nähe der Eingänge zu ergattern, gestaltet sich nicht zuletzt wegen der vielen Autos mit auswärtigen Kennzeichen schwierig. Die Attraktivität der weitläufigen Garten- und Parkanlage ist zu großen Teilen der Stiftung Botanischer Garten Solingen und ihren 500 Mitgliedern sowie den zahlreichen Unterstützern und Förderern zu verdanken. Mit großem finanziellen und zeitlichen Aufwand sorgen sie für ein gepflegtes Gelände, ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm und Innovationen. Die 250 000 Euro teure Sanierung des Tropenhauses verdeutlicht die Schlagkraft des Vereins. Doch nur durch ehrenamtliches Engagement lässt sich die 1963 eingeweihte, unter Denkmalschutz stehende Anlage wohl nicht dauerhaft erhalten. Deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass sich die öffentliche Hand zum Botanischen Garten bekennt und dazu beiträgt, ihn zu erhalten – als Naherholungsgebiet und grüne Lunge mitten in der Stadt.

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