Großteil der Abschlagszahlungen angekommen

55 Millionen an Corona-Hilfen fürs Bergische

In einem Raum fing es an, inzwischen bringen Berita Schwarz und Miro Jelic die gesamte Gaststätte Birkenweiher auf Vordermann. So nutzen sie die unfreiwillige Betriebspause. Ein Kredit aus dem Sommer hält sie über Wasser. Foto: Christian Beier
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In einem Raum fing es an, inzwischen bringen Berita Schwarz und Miro Jelic die gesamte Gaststätte Birkenweiher auf Vordermann. So nutzen sie die unfreiwillige Betriebspause. Ein Kredit aus dem Sommer hält sie über Wasser.

Gastronomie und Handel in Solingen wünschen sich einen Fahrplan für die kommenden Wochen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. 55 Millionen Euro Corona-Hilfen haben die Unternehmen im Bergischen beantragt. „Rund die Hälfte wurde bislang ausgezahlt“, schätzt Thomas Grigutsch. Der Geschäftsführer der Bergischen Industrie- und Handelskammer bezieht sich bei dieser Zahl auf die Überbrückungshilfen I und II sowie die November- und Dezemberhilfen. Von Letzteren seien bei der überwiegenden Mehrheit der Betriebe inzwischen zumindest Abschlagszahlungen eingegangen. Seit Anfang Februar läuft die reguläre Auszahlung der Dezemberhilfe. „Es ruckelt noch, funktioniert aber immer besser“, schildert Grigutsch seinen Eindruck.

Petra Meis kann bestätigen, dass bei einem Großteil der Gastronomen inzwischen Abschlagszahlungen der Hilfen angekommen sind. Für finanzielle Entspannung sorgt das allerdings nur bedingt, betont die Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Solingen. Denn viele Kosten, etwa für Versicherungen, bleiben trotz des Lockdowns bestehen, das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter müssen die Betriebe vorstrecken. „Wie soll das gehen, wenn die Liquidität schlicht und einfach fehlt?“, fragt die Inhaberin der Gaststätte Rüdenstein.

„Ich hoffe, zu Beginn des Frühjahrs wieder arbeiten zu dürfen.“
Petra Meis, Dehoga-Vorsitzende

Solingen: Insbesondere für kleinere Betriebe ein „riesiges Problem“

Insbesondere für kleinere Betriebe, die nicht über eine eigene Immobilie verfügen, sei das ein „riesiges Problem“. Meis wünscht sich für ihre Branche einen Fahrplan, wie es in den kommenden Wochen weitergeht. Sie rechnet nicht mit einem schnellen Ende des Lockdowns: „Ich hoffe, zu Beginn des Frühjahrs wieder arbeiten zu dürfen.“ Ihre große Sorge ist, dass nach Weihnachten auch Ostern für die Gastronomie ins Wasser fällt.

Bis zur Wiedereröffnung versuchen die Betriebe, sich über Wasser zu halten – und die Zeit sinnvoll zu nutzen. So wie Berita Schwarz und Miro Jelic. Seit Dezember bringen sie ihr Birkenweiher auf Vordermann. Die Renovierung begann in einem Raum und hat sich inzwischen auf die gesamte Gaststätte ausgeweitet. „Wir machen aus der Not eine Tugend. So lange am Stück haben wir hoffentlich nie wieder geschlossen“, sagt Schwarz.

Im Sommer konnte die Gastronomin einen Kredit aufnehmen, der nun Gold wert ist. „Vor einigen Jahren, als wir noch große Darlehen abzahlen mussten, hätten wir diese Phase wohl nicht überlebt“, sagt Schwarz. Sie wünscht sich eine Perspektive für die Wiedereröffnung, warnt allerdings vor Schnellschüssen: „Sonst laufen wir in eine dritte Welle.“

Auch andere Branchen verfolgen die Diskussionen um mögliche Lockerungen beziehungsweise eine Verlängerung des Lockdowns genau. Ralf Engel, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW-Rheinland, pocht auf eine „einigermaßen verlässliche Planung, wie mit welchen Infektionszahlen umgegangen wird“. Gleichzeitig seien die Geschäfte auf schnelle finanzielle Unterstützung angewiesen. Thomas Grigutsch erklärt in diesem Zusammenhang, dass Anträge für die Überbrückungshilfe III zur Erstattung von Fixkosten wohl ab Mitte Februar von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern gestellt werden können.

Wer die Möglichkeit habe, solle es Berita Schwarz gleichtun und die unfreiwillige Pause nutzen, um den Betrieb auf Vordermann zu bringen, rät Petra Meis. „Damit es bei uns gut aussieht, wenn wieder Gäste kommen dürfen“, sagt die Dehoga-Vorsitzende. Auch Ralf Engel rät dringend dazu, nicht nur auf das Ende des Lockdowns zu warten, sondern die Zeit zu nutzen: „Es braucht Konzepte, wie es nach Corona weitergeht.“ 

Sorgen

Laut der Dehoga-Vorsitzenden Petra Meis sorgen sich viele Betriebe, die Corona-Hilfen eines Tages zurückzahlen zu müssen. Solche Forderungen gab es teilweise bei der im Frühjahr gezahlten Soforthilfe. „Ich gehe momentan nicht davon aus, dass die aktuelle Unterstützung zurückgezahlt werden muss, wenn die Unternehmen korrekte Angaben gemacht haben“, erklärt Thomas Grigutsch von der Bergischen IHK.

Warten auf Corona-Hilfen: Für manche Firmen wird es eng

Standpunkt: Klare Perspektiven

Von Manuel Böhnke

Die Ankündigungen waren vollmundig. Schnelle, unbürokratische Hilfe wurde den Unternehmen versprochen, die die Corona-Krise besonders hart getroffen hat. Seit Wochen dürfen etwa Händler, Gastronomen und Friseure ihren Beruf nicht oder nur sehr eingeschränkt ausüben. Und die angekündigte Unterstützung?

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Kam erst gar nicht, dann nur tröpfchenweise. Die Betriebe müssen derweil ihre laufenden Kosten decken, vielen steht das Wasser bis zum Hals. Hinzu kommt das Ärgernis, dass immer wieder Bedingungen für die Hilfen im Nachhinein still und heimlich verändert wurden. 

Die Regierung ist also der Buhmann? Das wäre wohl zu einfach. Der administrative Aufwand hinter den Hilfsprogrammen ist enorm, neue Strukturen sind erforderlich. Entscheidend ist, dass Fehler, Verzögerungen, Schwierigkeiten klar kommuniziert werden. Vollmundige Ankündigungen helfen den betroffenen Unternehmen nicht weiter – Ehrlichkeit und klare Perspektiven dagegen schon. 

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Solingen? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Solingen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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