Trauer

Mevlüde Genç ist gestorben - Viele Reaktionen zu ihrem Tod

Wünscht sich ein gutes Miteinander von Türken und Deutschen: Mevlüde Genc und ihre Enkelin Özlem. Fotos: Daniela Tobias
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Mevlüde Genç starb mit 79 Jahren. Seit dem Brandanschlag 1993 auf ihre Familie war sie die Stimme der Versöhnung. Das Foto entstand bei einem Interview im Jahr 2018 anlässlich des Brandanschlag-Gedenkens. Mevlüde Genç lächelt auf dem Bild, denn sie erzählt von ihrer Enkeltochter, die wenige Tage vor dem Brandanschlag eine Zusage für den Kindergarten bekommen hatte und so stolz darauf war. Den ersten Tag im Kindergarten erlebte die kleine Saime nicht mehr. Sie wurde nur 4 Jahre alt.

Weltweit hatte Mevlüde Genç nach dem Brandanschlag in Solingen für Aufsehen gesorgt. Sie wurde zur anerkannten Friedensbotschafterin.

Von Philipp Müller

Solingen. Bundesweit fand der Tod von Mevlüde Genç große Beachtung. Wie zunächst der Bundesverband Ditib gemeldet hatte, ist Mevlüde Genç am Sonntag im Alter von 79 Jahren gestorben. Das bestätigte Stadtsprecher Lutz Peters am Sonntagvormittag. In einer ersten Reaktion bedauert der grüne Bundesminister Cem Özdemir, der mit Familie Genç sehr verbunden ist, den Tod der Solingerin, die fünf Angehörige beim Solinger Brandanschlag durch vier rechtskräftig verurteilte Rechtsextremisten 1993 verloren hatte. 17 weitere Familienmitglieder waren dabei schwer verletzt worden. Mevlüde Genç wäre kommenden Februar 80 Jahre alt geworden und war bereits in die Vorbereitung zum 30. Jahrestag des Brandanschlags kommendes Jahr eingebunden.

In den frühen Morgenstunden des 29. Mai 1993 verändert ein Brandanschlag von vier dafür rechtskräftig verurteilten Neonazis aus der rechtsextremen Szene Solingen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Und dies nicht nur, weil die Bilder der rauchenden Ruine an der Unteren Wernerstraße um die Welt gehen. Es ist Mevlüde Genç, die sofort die Hand zur Versöhnung ausstreckte. Eine bis heute einmalige und von vielen zu Recht bewunderte Geste. Denn in der Nacht starben durch das Feuer fünf Menschen, zwei Töchter von Mevlüde und Durmus Genç, Hatice und Gürsün, zwei Enkelinnen, Hülya und Saime, und die Nichte Gülistan. 17 weitere Familienangehörige wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Ihr sofortiger Appell, der Tod ihrer Kinder müsse das Tor zur Aussöhnung öffnen, hat der klugen Frau viel Respekt entgegengebracht – Respekt, den sie sich so sehr für den Alltag der Menschen verschiedener Kulturen in ihrer Heimatstadt Solingen wünschte. Mevlüde Genç wurde zur Friedensbotschafterin. Der 29. Mai wurde zum Gedenktag, er wurde zum Tag der Mahnung, diesen gewünschten Respekt endlich auch zu leben. Mevlüde und Durmus Genç, ihr Ehemann, die Kinder und Enkel sind in die Gestaltung des Gedenkens eingebunden.

„Nur içinde yat Mevlüde anne.“

Cem Özdemir

Am Dienstag, 1. November, findet um 14 Uhr eine zentrale Trauerfeier an der Unteren Wernerstraße an der Gedenkplakette für die fünf Opfer statt. Das berichtete ein Vertreter der Solinger Ditib vor dem Haus von Familie Genç. Dort waren am Vormittag Polizei und Staatsschutz vorgefahren, um besonders gefährdete Trauergäste zu schützen, wie ein Einsatzleiter erklärte. Im Anschluss an die Trauerfeier werde der Leichnam von Mevlüde Genç rituell gewaschen und in die Türkei in ihren Geburtsort Mercimek in der türkischen Provinz Amasya überführt, um dort neben ihren Kindern beigesetzt zu werden, führte der Ditib-Vertreter aus.

OB Kurzbach kondolierte der Familie Genç persönlich

OB Tim Kurzbach (SPD), der die Familie neben vielen anderen Trauergästen am Sonntag besuchte, sagte: „Mit großer Bestürzung habe ich heute Morgen die traurige Nachricht erhalten, dass Frau Mevlüde Genç für uns unerwartet verstorben ist. Ich habe der Familie bereits persönlich mein Beileid ausgesprochen und ihnen den Beistand der Stadt Solingen zugesagt.“

Weltweit hatte Mevlüde Genç nach dem Brandanschlag für Aufsehen gesorgt. Denn sie setzte sich nicht für Rache ein, sondern für die Versöhnung der Völker und der Menschen. Sie wurde zur anerkannten Friedensbotschafterin. „Liebe lässt den Menschen leben, aber der Hass bringt den Tod“, hatte Mevlüde Genç mahnend erklärt. 1996 hatte sie für ihren Einsatz um die Versöhnung das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen und 2015 den Verdienstorden des Landes NRW. Im Rahmen der deutsch-türkischen Kulturwochen der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde die Solingerin zudem 2003 mit dem Freundschaftspreis ausgezeichnet.

Zentrale Trauerfeier am Dienstag

Am Vormittag waren Polizei und Staatsschutz vorgefahren, um besonders gefährdete Trauergäste zu schützen.

Am Dienstag, 1. November, findet um 14 Uhr eine zentrale Trauerfeier an der Unteren Wernerstraße an der Gedenkplakette für die fünf Opfer statt. Das berichtet ein Vertreter der Solinger Ditib vor dem Haus von Familie Genç. Dort waren am Vormittag Polizei und Staatsschutz vorgefahren, um besonders gefährdete Trauergäste zu schützen, wie ein Einsatzleiter berichtet. So war auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach am Mittag bei der Familie. Im Anschluss an die Trauerfeier werde der Leichnam von Mevlüde Genç rituell gewaschen und in die Türkei in ihren Geburtstort Mercimek in der türkischen Provinz Amasya überführt, um dort beigesetzt zu werden, führte der Ditib-Vertreter aus.

Die Stadt Solingen wird das Trauergebet unterstützen, erklärt Stadtsprecher Lutz Peters am Nachmittag. Sie werde dafür sorgen, dass auf der Unteren Werner Straße ein würdiger Rahmen geschaffen werde. Dazu sei man auch mit der Polizei im Gespräch, um den Ort abzusperren. Ein Iman werde vor dem aufgebahrten Sarg mit Mevlüde Genç ein Trauergebet sprechen. Nach der Überführung der sterblichen Überreste in die Türkei wird sie in Mercimek neben ihren Kindern beerdigt.

Stimmen zum Tod von Mevlüde Genç

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich auf Twitter: „Als Stimme der Versöhnung wird sie unvergessen bleiben: Mevlüde Genç hat 1993 bei dem rechtsextremen Brandanschlag in Solingen zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren. Heute ist sie gestorben. Mein Beileid gilt ihrer Familie, başınız sağolsun.“

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan meldetet sich auf türkisch über Twitter: „Almanya’nın Solingen şehrinde 1993‘te ırkçılar tarafından kundaklanan evlerinde çıkan yangında ailesinin beş ferdini yitiren Mevlüde Genç‘in vefatı nedeniyle, eşi Durmuş Genç ve oğlu Kamil Genç’i telefonla arayarak taziyelerimi ilettim. Merhumeye Allah’tan rahmet diliyorum.“ Bedeutet: „Aufgrund des Todes von Mevlüde Genç, die 1993 fünf Familienmitglieder bei dem Brand in ihrem von Rassisten angezündeten Haus in Solingen, Deutschland, verloren hat, habe ich ihren Mann Durmuş Genç und ihren Sohn Kamil Genç angerufen und mein Beileid ausgesprochen. Ich wünsche der Verstorbenen Gottes Barmherzigkeit.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Mevlüde Genç als „große Versöhnerin“ gewürdigt. In einem Schreiben an ihren Mann Durmus Genç sprach Steinmeier der Familie am Montag sein Beileid aus. „Die Nachricht vom Tod Ihrer Frau hat mich sehr traurig gemacht“, hieß es. „Unser Land hat eine große Versöhnerin verloren.“ Mevlüde Genç sei eine „Botschafterin des friedlichen Miteinanders, in ihrer Heimatstadt Solingen und in ganz Deutschland“ gewesen, schrieb der Bundespräsident weiter. „Sie hat uns vor Augen geführt, dass Nächstenliebe und Menschlichkeit stärker sind als Hass und Gewalt.“ Dass sie nach allem, was sie in ihrer deutschen Heimat erleiden musste, die Kraft zu ihrem großartigen, warmherzigen Engagement gefunden habe, „das ist ein Geschenk an uns alle“.

Steinmeier erinnerte an ein Treffen kurz vor dem 25. Jahrestag des Brandanschlags. „Es war eine beeindruckende Begegnung, die ich nie vergessen werde: Mevlüde Genç hatte ihren Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren, obwohl sie allen Grund dazu gehabt hätte. Auch das macht sie zu einem Vorbild für alle Menschen in unserem Land.“ Man werde sie nicht vergessen und ihr Vermächtnis bewahren. (dpa)

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, der der Familie Genç gut kannte, zeigt sich tief betroffen: „Bin tieftraurig über den Tod von Mevlüde Genç. Nach dem rassistischen Anschlag von Solingen hat sie sich geweigert, die Mörder zu hassen. Rassisten leben von Hass – genau den hat sie denen nie geben. Sie wird für immer mein großes Vorbild bleiben.“ Auf türkisch ergänzt er: „Nur içinde yat Mevlüde anne.“ Ruhe in Frieden, Mutter Mevlüde.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) hatte angekündigt, zunächst der Familie sein Beileid auszusprechen, bevor er sich öffentlich zum Tod der Friedensbotschafterin äußert. Im Anschluss sagte Solingens Stadtoberhaupt: „Mit großer Bestürzung habe ich heute Morgen die traurige Nachricht erhalten, dass Frau Mevlüde Genç für uns unerwartet verstorben ist. Ich habe der Familie bereits persönlich mein Beileid ausgesprochen und ihnen den Beistand der Stadt Solingen zugesagt.

OB Kurzbach kondolierte der Familie Genç.

Die Familie Genç hat am 29. Mai 1993 in Solingen furchtbares Leid erfahren; fünf Mitglieder der Familie fielen einem mörderischen Brandanschlag zum Opfer, begangen von rechtsextremistischen Jugendlichen aus unserer Stadt. Obwohl Mevlüde bei diesem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor, hat sie unmittelbar nach der Katastrophe Deutsche und Türken in Solingen zu Freundschaft und Versöhnung aufgerufen. Sie hat damit unsere Stadt in den Tagen nach dem Brand, die von Angst, Hass und teils gewalttätigen Demonstrationen bestimmt waren, vor großem Schaden bewahrt. Sie hat die Zornigen besänftigt und die Traurigen getröstet und Frieden in die Stadt gebracht.

So hat sie auch den Weg zur Verständigung und einer neuen Integrationspolitik bereitet, in Solingen und in ganz Deutschland. Solingen wurde nicht zuletzt durch ihr Beispiel Integrationsstadt, lange bevor Deutschland sich als Integrationsland verstehen wollte. Familie Genç ist Solingen, der Stadt, in der sie so viel Leid erfahren hat, treu geblieben. Mevlüde Genç war eine Frau mit einem großen Herzen, viele haben eine beispielhafte Mutter in ihr gesehen, dabei von großer Wortgewalt. Wir schulden ihr Dank.

Noch vor wenigen Tagen haben wir zusammengesessen, um über den 30. Jahrestag des Brandanschlages im nächsten Jahr zu sprechen. Es war ihr wichtig, dass das Gedächtnis an ihre ermordeten Kinder Teil der Erinnerungskultur Solingens bleibt, auch über die Lebensspanne der Zeitzeugen hinaus, und dass junge Menschen in die Erinnerungsarbeit einbezogen würden. Weil der Brandanschlag zeige, welche brutalen Konsequenzen Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit haben müssen, wenn wir Ihnen nicht immer entschieden entgegentreten. Ich habe Mevlüde Genç und der Familie versprochen, dass die Stadt dieses Gedächtnis, das jetzt ihr Vermächtnis ist, wahren wird.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Josef Neumann erklärt: „Nach dem schrecklichen Brandanschlag, bei dem fünf Mitglieder ihrer Familie den Tod fanden, hat Mevlüde Genç uns die Hand gereicht und damit den Weg für ein gemeinsames und respektvolles Miteinander geschaffen.“ Und weiter: „Gern blicke ich auf die zahlreichen privaten und öffentlichen Begegnungen zurück, die stets von Herzlichkeit und Freundschaft geprägt waren.“

Der Ditib Bundesverband spricht in einer Würdigung Mevlüde Genç von der „Mutter der türkischen Community“. Sie sei ein „unerschütterliches Symbol der Versöhnung“ gewesen und zugleich „Sinnbild einer deutschen Tragödie“. In Bezug auf die fünf Angehörigen, die Genç verloren hat, sagt Ditib: „Dein Schmerz, dein Verlust war und wird immer auch unserer sein.“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Haug erklärt: „Mevlüde Genç hat bei dem entsetzlichen Brandanschlag 1993 fünf Familienmitglieder verloren. Trotzdem hat sie sich über 29 Jahre immer und an jeder Stelle für Versöhnung, gegenseitigen Respekt und Verständnis eingesetzt. In einem WDR-Interview habe sie vor einigen Jahren betont: „Ich habe mein Wertvollstes verloren, einen Teil von mir. Und ich habe trotzdem nicht mit Hass reagiert, sondern mit Liebe und Respekt. Wir sind Menschen und müssen einander respektieren und wertschätzen. Wir müssen einander helfen und uns gegenseitig verstehen.“ Haug fährt fort mit: „Ich habe Mevlüde Genç für ihre Haltung immer bewundert. Sie war eine zutiefst beeindruckende Botschafterin für Toleranz, Freundschaft und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Meine Gedanken und guten Wünsche sind in dieser Stunde des Verlustes bei ihrer Familie, ihren Freunden und allen, die ihr nahestanden.“

Zum Tod von Mevlüde Genç erklärt Iris Preuß-Buchholz, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Solingen: „Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Solingen verneigt sich in Dankbarkeit und Trauer vor Mevlüde Genç. Trotz allem, was ihr und ihrer Familie beim Brandanschlag am 29. Mai 1993 an Leid zugefügt wurde, hat sie bis zuletzt all ihre Kraft für Aussöhnung und ein friedliches Miteinander eingesetzt. Ohne Mevlüde Genç hätte es nach dem 29. Mai 1993 wohl kaum gelingen können, die Solinger Stadtgesellschaft wieder zu einen und zu einem guten Zusammenleben zu führen. In diesen Stunden des Abschieds fühlen wir uns ihrem Mann, ihren Kindern und ihrer gesamten Familie in Dankbarkeit und Trauer verbunden.“

Daniel Flemm, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion äußert sich auf Facebook zum Tod von Mevlüde Genç: „Der Tod von Mevlüde Genç erfüllt mich – und wohl eine ganze Stadt - mit Trauer. Zurück bleibt heute nur eine tiefe Ehrfurcht vor der Stärke, gerade dann für den Frieden und die Versöhnung einzustehen, wenn Hass und Verachtung so naheliegende menschliche Reaktionen wären. Ihr Tod verpflichtet uns in Zukunft noch mehr denn je, an eine der dunkelsten Stunden unserer Solinger Stadtgeschichte zu erinnern und dabei stets wachsam zu bleiben. Wachsam, vor den dunklen Schatten, die das Licht einer friedlichen und freien Gesellschaft zu überlagern versuchen – auch heute noch.“

Bürgermeisterin Ioanna Zacharaki (SPD) erklärte ebenfalls auf Facebook: „Wir sind sehr traurig. Frau Mevlüde Genç war Vorbild für Versöhnung und Verständigung, Ruhe in Frieden.“

Der Solinger Kreisverband der FDP erklärt: „Mit Mevlüde Genç verliert die Stadt Solingen eine herausragende Persönlichkeit, die sich für Frieden und Versöhnung statt Fremdenhass einsetzte - und das, nachdem sie fünf Familienmitglieder bei einem rechtsextremistischen Brandanschlag 1993 verlor. Ihr Einsatz hat dazu geführt, dass wir heute eine friedlichere und weltoffenere Gesellschaft geworden sind, die eine Kultur der Erinnerung hochhält, damit so etwas Schreckliches wie damals nie wieder passiert. Wir Freie Demokraten sagen Danke! Wir werden uns erinnern und Mevlüde Genç bei unserem Einsatz für ein friedliches Miteinander in Freiheit im Herzen tragen.“

Der Zuwanderungs- und Integrationsrat der Stadt Solingen der Stadt Solingen erklärt zum Tod von Mevlüde Genç: „Mit Trauer und tiefem Respekt haben wir vom Tode von Mevlüde Genç erfahren. Frau Genc hat trotz einer unermesslichen persönlichen Katastrophe die Botschaft von Liebe und Freundschaft in die Welt getragen. Dafür ist ihr nicht immer Freundlichkeit zuteilgeworden. Aber sie hat damit wohl nicht nur unsere Stadt vor schwereren Unruhen bewahrt, sie hat damit auch deutschlandweit Zeichen für eine neue Form der Integrationspolitik gesetzt. Wir verneigen uns vor dieser Lebensleistung. Sie möge in Frieden ruhen.“

Der Kreisverband und die Ratsfraktion der Grünen erinnern, viele hätten Mevlüde Genç „mit großem Respekt in den Tagen nach dem Brandanschlag erlebt, wie sie trotz ihres eigenen großen Schmerzes zu Freundschaft und Versöhnung aufgerufen hat“. „Ihre Haltung gerade in tiefer Trauer und ihr unbedingtes Einstehen für Toleranz hat den Menschen gezeigt, dass Liebe größer ist als Hass. Für mich wird sie damit ein Leben lang Vorbild sein“, sagt Vorstandssprecherin Dorothea Gessner. „Mit Mevlüde Genc verliert die Stadt Solingen, verliert unser Land eine der wichtigsten mahnenden Stimmen gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt. Wir Grüne trauern mit der Familie Genc, so, wie wir mit ihr voller Entsetzen und Scham getrauert haben nach dem unsäglichen Brandanschlag vor fast 30 Jahren“, erklärt Fraktionssprecher Frank Knoche.

Landtag wird mit einer Schweigeminute gedenken

Seit 2018 ehrt das Land NRW mit der Mevlüde Genç-Medaille Personen und Gruppen, die sich besonders für Toleranz einsetzen. Zum Tod der Solinger Friedensbotschafterin erklärt der Präsident der NRW-Landtags, der CDU-Politiker André Kuper: „Nordrhein-Westfalen verliert ein Vorbild für das friedliche und tolerante Miteinander. Ich habe Mevlüde Genç 2018 kennengelernt, 25 Jahre nach dem fremdenfeindlichen Brandanschlag von Solingen. Sie ist Hass und Gewalt mit Vergebung und Liebe entgegengetreten. Die Größe, mit der sie Schmerz und Trauer in Vergebung gewandelt hat, bleibt – auch über ihren Tod hinaus. Sie bleibt für immer ein Vorbild für Versöhnung und Toleranz. Wir und besonders die Menschen in Solingen werden sie vermissen.“ Am Mittwoch werde der Landtag ihr mit einer Schweigeminute gedenken.

Standpunkt von Philipp Müller: Sie reichte die Hand

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Es war alles andere als selbstverständlich, dass Mevlüde Genç noch beim Anblick der verbrannten Trümmer ihres Hauses die Hand zur Versöhnung reichte. Der Solinger Brandanschlag 1993, bei dem die spätere Friedensbotschafterin zwei Töchter, zwei Enkeltöchter und eine Nichte verlor, fiel in eine Zeit, in der Rechtsextremisten bundesweit mit Anschlägen aktiv waren. Die Reaktionen auf die Taten in Mölln, Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und eben Solingen wurden zum Fanal wider den aufkeimenden Rechtsterror.

Und mittendrin die mahnende Stimme der Solinger Mutter und Großmutter. Ja, Versöhnung ist anstrengend, das wusste auch Mevlüde Genç. Und doch ist sie zusammen mit gegenseitigem Respekt der einzige Weg zum friedlichen Miteinander. Doch der Weg ist steinig und sehr lang, auch das wusste die weltweit anerkannte Solingerin. Der Brandanschlag spaltet aus verschiedenen Gründen die Solinger Stadtgesellschaft bis heute. Mevlüde Gençs Appell zu mehr Liebe sollte von allen befolgt werden.

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