Abriss

Merscheid verabschiedet sich von Kita

Ulrike Reiff hat die Kita Hofstraße in den vergangenen beiden Jahren geleitet. Die Einrichtung schließt Mitte Juli. Die Kinder wechseln in die Schule oder haben einen Betreuungsplatz in einem anderen Kindergarten gefunden.
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Ulrike Reiff hat die Kita Hofstraße in den vergangenen beiden Jahren geleitet. Die Einrichtung schließt Mitte Juli. Die Kinder wechseln in die Schule oder haben einen Betreuungsplatz in einem anderen Kindergarten gefunden.

Grundstück wird an einen Investor verkauft, der eine neue Kita errichten will. Kirche an der Hofstraße soll erweitert werden.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Es sind die letzten Wochen in der evangelischen Kindertagesstätte Merscheid an der Hofstraße. Am 15. Juli schließt die Einrichtung, am Tag davor werden zum letzten Mal Kinder betreut. Die Kita soll abgerissen werden, weil das Gebäude einen hohen Sanierungsstau hat. Stattdessen wird ein Investor an derselben Stelle einen neuen, viergruppigen Kindergarten errichten und an das Diakonische Werk als Kita-Träger vermieten.

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An der Hofstraße stehen zudem weitere Umbrüche an: Auch das 51 Jahre alte Gemeindehaus soll abgerissen, die Kirche von 1902 dafür erweitert werden. „Wir geben etwas auf und schaffen etwas Neues“, sagt Pfarrer Dirk Stark. Die Kirche als Herz des Stadtteils soll künftig viel mehr geöffnet werden, als das bislang der Fall ist.

Mit 42 Kindern ist die Kita Hofstraße bis zuletzt voll belegt. „24 Kinder kommen jetzt in die Schule, die 18 anderen wechseln in andere Kitas“, berichtet Ulrike Reiff, die den Kindergarten in den vergangenen zwei Jahren geleitet hat. Auch die sieben Mitarbeiterinnen hätten neue Stellen gefunden. Nach über 60 Jahren ist das Kita-Gebäude Hofstraße bald Geschichte. „Bei den Eltern ist eine große Traurigkeit zu spüren“, sagt Reiff. „Viele hätten gerne auch ihre jüngeren Kinder in die Einrichtung gegeben.“ Das Inventar geht an andere Kindergärten des Diakonischen Werks, das Träger der evangelischen Kitas in Solingen ist.

Wir geben etwas auf und schaffen etwas Neues.

Pfarrer Dirk Stark

Die evangelische Gemeinde mache mit dem großen Umbruch aus der Not eine Tugend, sagt Pfarrer Stark. Beim Gemeindehaus sei seit Jahren klar, dass eine Sanierung vor allem des Flachdachs notwendig sei. „Wir sind als Gemeinde aber nicht in der Lage, das zu finanzieren.“ Hinzu kommt: Mit seinen rund 900 Quadratmetern Fläche, mit großem Saal und Jugendetage, ist es inzwischen überdimensioniert. „Das Haus hat viel, aber es wird leider nicht mehr so genutzt wie zur Zeit der Disco-Abende in den 70er und 80er Jahren.“ Nicht mehr zeitgemäß sei auch das Kita-Gebäude, das ursprünglich ein Einfamilienhaus war. „Die Kosten für die Sanierung hätten die Kosten für einen Neubau überstiegen“, erklärt Petra Butterweck vom Diakonischen Werk.

Der Grundstücksteil, auf dem Gemeindehaus und Kita stehen, soll nun abgetrennt und an einen Investor verkauft werden. „Wir hoffen, in Kürze zum Notar gehen zu können“, berichtet Dirk Stark. Der Plan: Neben einem neuen Kita-Gebäude werde der Investor betreute Seniorenwohnungen, so genanntes Servicewohnen, errichten. Die Fertigstellung wird laut Pfarrer Stark für 2024 angepeilt. Der Verkaufserlös verschaffe der Gemeinde einen finanziellen Grundstock, um die Kirche umzubauen und zu erweitern. „Aber wir werden zudem Fördermittel und Spenden benötigen.“

Geplant sei, das Gotteshaus mit einem Anbau zur Hofstraße hin zu öffnen. „Wir wollen die Kirche innen so verändern, dass wir sie gut nutzen können.“ Im Inneren soll eine Art Bistro eingerichtet werden, um dort auch Cafés stattfinden zu lassen. „Oder Veranstaltungen wie ,Brot und Wein‘ mit Andacht, mehr Konzerte oder Kinoabende.“ Auch das Format „Talk im Zentrum“ will er in neuer Form wieder aufleben lassen. Um die Kirche besser zu nutzen, soll auch der Gemeinderaum im hinteren Bereich renoviert werden.

Das Ziel: Die Kirche Hofstraße neben dem neuen Ensemble aus Kita und Seniorenwohnen zum Mittelpunkt des Stadtteils Merscheid zu machen. „Sie soll den Menschen täglich zur Verfügung stehen: für Vereine, Gruppentreffen, Jahresversammlungen oder anderes“, beschreibt Stark. Wie alles konkret aussehen soll, werde ab Herbst 2022 geplant. „Dann geht es in die zweite Phase.“ Vorstellbar sei auch, für den Anbau einen Architektenwettbewerb zu veranstalten.

Hintergrund

Kirche: Die evangelische Kirche an der Hofstraße wurde 1902 gebaut, das große Gemeindehaus im Jahr 1971. In den 50er Jahren hatte die Gemeinde laut Festschrift rund 4500 Mitglieder. Aktuell seien es knapp unter 2000, sagt Pfarrer Stark.

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