ST vor Ort in Merscheid

Fahrradweg soll ab 2023 dauerhaft sein

Der Radweg ist derzeit mit provisorischen Warnbaken abgetrennt. Das führt zu Problemen bei der Straßenreinigung. Foto: Tim Oelbermann
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Der Radweg ist derzeit mit provisorischen Warnbaken abgetrennt. Das führt zu Problemen bei der Straßenreinigung.

Schwarze Pfähle: Zunächst weicht die temporäre Verbindung einer Baustelle.

Von Björn Boch

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Solingen. Seit nun gut drei Monaten haben Radfahrer auf der vierspurigen Straße Schwarze Pfähle je Fahrtrichtung eine Fahrspur für sich – ein temporärer Radweg oder „Pop-up-Radweg“ ist dort entstanden. Doch so, wie dieser Radweg aufgepoppt ist Ende April, so muss er bald auch wieder verschwinden – zumindest temporär.

Denn im Spätherbst wird sich die Großbaustelle Viehbachsammler (| Kasten), aufgrund derer sich schon die Verkehrsführung auf der Viehbachtalstraße geändert hat, auch auf die Schwarzen Pfähle auswirken. „Einen genauen Zeitplan für die Baustelle dort gibt es noch nicht, geplant ist Spätherbst 2021“, erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische.

Für die Arbeiten am Sammler wird erst die eine, dann die andere Straßenseite der Schwarzen Pfähle gesperrt – insgesamt etwa eineinhalb Jahre lang. „Während dieser längeren Bauphasen, in denen der Verkehr in jede Fahrtrichtung jeweils einspurig auf einer Straßenseite geführt wird, kann für den Radverkehr bergab in Richtung Aufderhöhe keine getrennte Radverkehrsanlage angeboten werden“, so Rische. Im Baustellenbereich solle Tempo 30 gelten, Radfahrende müssten die Straße „im Mischverkehr passieren“.

In Richtung Merscheid (bergauf) werde eine gemeinsame Führung mit den Fußgängern geprüft. „Wenn die Bauarbeiten beendet sind, wird zunächst der heutige Zustand wiederhergestellt, mittelfristig aber eine sichere Lösung für Radfahrende eingerichtet“, heißt es von der Stadt. Gelegenheit dazu ist 2023 nach Abschluss der Bauarbeiten.

Was feststeht: Die Stadtverwaltung wurde von der Politik im Juni beauftragt, „einen durchgehenden Radweg zwischen Merscheid und Aufderhöhe zu planen und Fördermittel dafür zu beantragen“ – so lautet der politische Beschluss des Ausschusses Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen sowie der Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid. Grundlage war ein Bürgerantrag, der vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) unterstützt wurde.

„Markierte Wege sind nur die zweitbeste Lösung.“

Bernhard Stoer, ADFC, wirbt für baulich abgetrennte Radwege

Ein baulich abgetrennter Radweg wäre ebenso denkbar wie ein auf der Fahrbahn markierter, wobei Letzterer wesentlich günstiger wäre. „Für alle, die potenziell umsteigen wollen vom Auto aufs Rad, ist es aber eine große Hürde, wenn sie nicht vom Autoverkehr abgetrennt sind“, betont Bernhard Stoer von der ADFC-Ortsgruppe Solingen. „Und genau um die geht es ja“, sagt er mit Blick auf die Verkehrswende. „Markierte Wege sind daher nur die zweitbeste Lösung.“

Auch die Kreuzungssituation zur Merscheider Straße ist aus Stoers Sicht für Radfahrende „nicht so glücklich“. Das müsse bei einer permanenten Radwege-Lösung mitgedacht werden.

Ein Radweg an der Straße Schwarze Pfähle sei notwendig für die Schülerinnen und Schüler – und eine wichtige Ergänzung im Velorouten-Netz als Nord-Süd-Verbindung, etwa zwischen den Ost-West-Achsen Weyerstraße und Löhdorfer Straße / Mangenberger Straße. Da sei vieles aber leider „Zukunftsmusik“, sagt Stoer.

Bei vielen Diskussionen in den sozialen Medien ist das Projekt „Radweg Schwarze Pfähle“ umstritten. Darauf weist auch der ADFC in seinem Newsletter hin und wirbt für eine positive Begleitung des Vorhabens. Stadtsprecherin Sabine Rische betont auf Nachfrage: „Es gibt eine Reihe positiver und auch negativer Rückmeldungen aus der Bürgerschaft.“ Die Stadt beobachte, dass sich zu Spitzenzeiten der Verkehr in Richtung Aufderhöhe zurückstaue – „vor allem, weil viele das Reißverschlussverfahren nicht anwenden“. Außerdem sei die Straßenreinigung zwischen den provisorischen Baken problematisch.

Insgesamt werde der „Pop-up-Radweg“ jedoch als wichtiges Zeichen in Richtung Verkehrswende gesehen. Sabine Rische: „Und die Verwaltung lernt viel daraus für die zukünftige Planung.“

Viehbachsammler

Der Sammler wurde von Stadt und Bergisch-Rheinischem-Wasserverband (BRW) entwickelt. Der Stauraumkanal wird eine Länge von rund 4,5 Kilometern mit einem Querschnitt von 1,60 bis 2,40 Metern haben und parallel zur Viehbachtalstraße verlaufen. 2023 soll er in Betrieb gehen. Aus dem Einzugsgebiet wird dann das „behandlungspflichtige Mischwasser“ gesammelt und zur zentralen Abwasserbehandlungsanlage am Ende des Kanals geführt. Abgedeckt werden mit dem Sammler der Stadtbezirk Ohligs sowie Bereiche von Höhscheid und Wald, in denen laut Stadt rund 25 000 Menschen an die öffentliche Kanalisation angeschlossen sind. Die vorhandenen Abwasserbehandlungsanlagen entsprächen nicht mehr dem Stand der Technik und stammten aus einem Zeitraum Mitte der 60er Jahre.

Alle Teile der ST-Stadtteilserie finden Sie hier. 

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