Biologische Vielfalt

„Mehrartenräume“ sollen Mensch und Insekt zusammenbringen

Für Schmetterlinge und andere Insekten sollen neue „Mehrartenräume“ geschaffen werden. Archivfoto: Michael Schütz
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Für Schmetterlinge und andere Insekten sollen neue „Mehrartenräume“ geschaffen werden.

Bundesumweltministerium fördert fünf „Mehrartenräume“ in den Solinger Stadtteilen.

Solingen. Bienen, Schmetterlinge, Libellen, Grashüpfer, Käfer oder andere Insekten sollen zusätzliche Möglichkeiten erhalten, im Stadtgebiet zu leben, Futter zu finden und Nester zu bauen. In jedem der fünf Stadtbezirke wird in den kommenden dreieinhalb Jahren jeweils ein „Mehrartenraum“ entstehen, in dem Insektenschutz nicht nur auf diese Weise gefördert wird. Die Insekten und ihre Bedürfnisse will Marie Thöne, Projektleiterin im Stadtdienst Natur und Umwelt, auf diesen Arealen für die Menschen erlebbar machen. Das Bundesumweltministerium fördert dieses Projekt mit rund 311.000 Euro. Dies sind 90 Prozent der geplanten Kosten von 345.000 Euro.

Für jeden Stadtteil wird es ein typisches Projekt geben

Marie Thöne, Projektleiterin

Die „Mehrartenräume“ sind eines von zehn neuen Projekten, die das Bundesumweltministerium von diesem Jahr an im Zuge des Bundesprogramms Biologische Vielfalt fördert. Nur ein weiteres Förderprojekt (in Aachen) ist in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Andere unterstützen den Insektenschutz unter anderem in Hamburg, Mainz, in der Umgebung von Rostock oder durch bundesweite Untersuchungen.

Wo sich die Solinger Projektflächen genau befinden werden, steht noch nicht fest. Es werden aber städtische Grundstücke sein, kündigt Marie Thöne an. Solingen wurde nach Angaben des Ministeriums unter anderem deswegen ausgesucht, weil es über vielfältige Naturräume verfügt. Möglich seien zum Beispiel Projektflächen auf Obstwiesen in Burg oder auf landwirtschaftlichen Flächen in Ohligs, schildert Thöne. Auch Kleingärten, Grünflächen und Parks sind in der Auswahl. Welche Flächen ausgewählt werden und was auf ihnen geschehen wird, werde in Zusammenarbeit mit Kitas, Grundschulen, Sozial- oder Pflegeeinrichtungen entschieden. Dies sei Teil des Projektes. Auch andere Bürger können sich nach Thönes Angaben beteiligen.

Dieses Verfahren und die anschließenden Planungen werden laut Thöne den größten Teil der Projektzeit beanspruchen. An die konkrete Umsetzung werde es erst Ende 2022 oder Anfang 2023 gehen. Thöne: „Dafür benötigen wir nur eine Vegetationsphase.“

Solingen: In den Mehrartenräumen sollen Umweltbildung und Naturerleben stattfinden

Die „Mehrartenräume“ sollen an möglichst zentralen Stellen im Stadtgebiet entstehen. Die Menschen, die sich dort aufhalten, sollen in ihrem Alltag Insekten begegnen. Es gehe darum, den Solingern Erkenntnisse über die Lebensräume der Insekten näherzubringen – zum Beispiel, dass der Admiralfalter Brennnesseln zum Leben brauche.

Biodiversität zu erhalten und zu fördern, ist eine der großen Herausforderungen unserer Generation“, betont Stadtdirektor Hartmut Hoferichter. Die „Mehrartenräume“ sollen nicht nur Begegnungen in und mit der Natur ermöglichen, sondern auch Raum zum Lernen, Spielen und Erholen bieten, den Regenabfluss regulieren, Hitze reduzieren und das Mikroklima begünstigen.

Dies heißt, dass vor Ort nicht nur die Lebensräume der Insekten zu erleben sind und dass auf Informationstafeln Wissen vermittelt wird. Geplant sind auch themenspezifische „Naturboxen to go“ mit Spielelementen für Umweltbildung und Naturerleben. Konzipiert werden diese Boxen von Fachleuten aus dem pädagogischen Bereich und aus dem Natur- und Artenschutz. Spielplatzgeräte und Sitzmöglichkeiten sollen das Angebot für den Aufenthalt in der Natur abrunden. Für jeden Stadtbezirk werde es ein typisches Projekt geben, erklärt Thöne. Die Akteure werden für ihre „Mehrartenräume“ Insektenarten auswählen, die typisch für die direkte Umgebung sind.

Thöne hofft, auf diesem Weg „Empathie für die Natur“ zu schaffen. Das Ziel ist nicht nur, dass die neu angelegten oder aufgewerteten Flächen über das Projektende im Sommer 2024 hinaus bestehen. Sie sollen auch Vorbild für weitere „Mehrartenräume“ in Solingen, aber auch in anderen Städten sein. Dazu wird das Projektteam um Marie Thöne Leitfäden zur Erstellung solcher Flächen ausarbeiten.

Bundesprogramm

Das Programm Biologische Vielfalt ist das finanzstärkste Naturschutz-Förderprogramm des Bundes. Zu den neuen Projekten gehören eine wildbienengerechte Stadtplanung mithilfe künstlicher Intelligenz und ein Großprojekt zur Wiederbelebung der Natur an der Ostsee.

2019 veröffentlichten wir eine Serie, in der es vor Allem um die Biene ging: Bienenfrühling.

Die Technischen Betriebe der Stadt Solingen entwickeln eine Kampagne, die dazu auffordern soll, Vorgärten artenreich zu bepflanzen.

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