Abfallbilanz

Mehr Müll durch Corona und Onlinehandel

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Ein großer Teil des Haus- und Sperrmülls wird von den Entsorgungsfahrzeugen der Technischen Betriebe zum Müllheizkraftwerk gefahren und dient bei der Verbrennung dort als Energiequelle.

Pro Kopf fielen im vergangenen Jahr 507 Kilogramm Abfall an, neun mehr als 2019.

Von Andreas Tews

Knapp 82.600 Tonnen Hausmüll produzierten die Solinger im vergangenen Jahr. Nach der Abfallbilanz der Technischen Betriebe Solingen (TBS) entspricht dies pro Einwohner einer Menge von 507 Kilogramm. Das Aufkommen ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen (um 1,8 Prozent oder neun Kilogramm pro Einwohner).

507 Kilogramm Müll produziert jeder Solinger jährlich.

Gründe: Diese Entwicklung führen die TBS nach Angaben von Rathaussprecher Daniel Hadrys unter anderem darauf zurück, dass die Solinger durch die Pandemie mehr Zeit zu Hause verbracht hätten – und somit mehr Gelegenheit hatten, Müll anfallen zu lassen. Aber auch der wachsende Internethandel mit dem damit verbundenen Verpackungsmüll trage zum Anwachsen des Müllbergs bei, berichtet Hadrys. Zudem werde immer mehr Essen per Lieferservice bestellt.

Anstieg: Ein guter Teil der Steigerungen ist auf das Aufkommen beim Haus- und Sperrmüll sowie bei den Leichtverpackungen zurückzuführen. Auf den Restmüll, aus Mülltonnen, aus Kleinanlieferungen beim Müllheizkraftwerk (MHKW) an der Sandstraße oder im Entsorgungszentrum Bärenloch, entfiel die größte Menge (44.700 Tonnen). Nach einem davor registrierten jährlichen Rückgang um 1,7 Prozent gab es 2020 einen Anstieg um 2,8 Prozent. Sperrmüll machte 4400 Tonnen aus. Auch hier gab es eine überdurchschnittliche Steigerung um 4,6 Prozent. Zuvor war hier die Menge nahezu gleich geblieben.

Metalle werden beim Müllheizkraftwerk aussortiert.

Bei Leichtverpackungen (Gelbe Tonne) fiel der Anstieg mit 15,7 Prozent besonders stark aus. Im vergangenen Jahr wurden rund 4200 Tonnen gesammelt. An Altglas fielen im vergangenen Jahr 2800 Tonnen an. Hier blieb die Menge nahezu konstant (plus 0,1 Prozent nach einem Rückgang um 4,4 Prozent im Vorjahr).

So kann jeder Abfälle vermeiden.

Rückgang: Einen leichten Rückgang gab es hingegen bei den Bio- und Grünabfällen sowie bei Papier, Pappe und Kartonage. Der fiel allerdings weniger stark aus als im Vorjahr. Das Biomüllaufkommen sank 2020 um 3,4 Prozent (nach minus 9,4 Prozent im Vorjahr) auf 11.200 Tonnen. Papier, Pappe und Kartonage machten 8900 Tonnen aus. Hier gab es einen leichten Rückgang um 1,6 Prozent (nach minus 5,4 Prozent im Vorjahr).

Unter dem Begriff sonstige werthaltige Abfälle (unter anderem Metalle, Holz und Altkleider) wurden 6300 Tonnen verbucht. Bei den schadstoffhaltigen Abfällen aus getrennter Sammlung waren es 75 Tonnen.

Restmüll wird im Müllheizkraftwerk energetisch verwertet.

Sonstiger Abfall: Nicht nur Hausmüll müssen die TBS entsorgen. Insgesamt fielen laut Jahresbericht 132.200 Tonnen Abfall an. In die Bilanz fließen auch Müll aus Abfallbehandlungsanlagen (42.100 Tonnen), Gewerbeabfälle (5100 Tonnen) und Infrastrukturabfälle (2400 Tonnen), vor allem Straßenkehricht, ein.

Verwertung: Etwas mehr als die Hälfte der Abfälle des Jahres 2020 (51 Prozent) wurden nach Angaben der Technischen Betriebe mechanisch behandelt. Das heißt, sie wurden zerkleinert, klassiert, sortiert, verpresst oder pelletiert. Dies erfolgte unter andrem bei Papier und Pappe, Verpackungsmüll, Glas, Metall, Holz oder Textilien. Der Großteil (42.100 von 66.000 Tonnen) stammt laut TBS aber aus Abfällen aus der Abfallbehandlung. Die TBS erklären: „So werden nach der Abfallbehandlung beispielsweise Schlacken im Erd-, Grund- und Straßenbau sowie feste Abfälle aus der Abgasbehandlung als Füll-, Versatz- und Abdichtmaterial im Bergbau eingesetzt.“

Energetisch verwertet wurden im Solinger MHKW und anderen Müllverbrennungsanlagen etwa 39 Prozent der Siedlungsabfallmenge. Den Großteil machten hier mit 45.000 Tonnen der Haus- und der Sperrmüll aus.

In Vergärungs- und Kompostierungsanlagen wurden die 11.200 Tonnen Bioabfall (neun Prozent der Siedlungsabfälle) biologisch behandelt und überwiegend den Inhaltsstoffen entsprechend weiterverwertet. Der restliche Müll (etwa 1,1 Prozent) wurde vor allem über Lager und Umschlagplätze entsorgt. Nur 0,001 Prozent des Solinger Abfalls landete nach TBS-Angaben auf einer Deponie.

So können Kommunen Abfälle vermeiden.

Müll pro Kopf

Gesamt: Pro Kopf produzierten die Solinger 507 Kilogramm Hausmüll.

Abfallarten: Diese Mengen entfielen auf die verschiedenen Abfallarten: Hausmüll: 274,2 Kilogramm; Sperrmüll: 27,1 Kilogramm; Bio- und Grünabfälle: 68,6 Kilogramm; Papier, Pappe und Kartonage: 54,7 Kilogramm; Glas: 17 Kilogramm; Leichtverpackungen: 26,1 Kilogramm; sonstige wertstoffhaltige Abfälle: 38,7 Kilogramm; schadstoffhaltige Abfälle aus getrennter Sammlung: 0,5 Kilogramm.

Standpunkt: Kein Naturgesetz

Ein Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Wo Menschen sind, da fällt Müll an. Das ist offenbar nicht zu vermeiden. Darum können wir froh darüber sein, in einem Land zu leben, in dem es eine funktionierende Müllabfuhr mit einem entsprechenden Entsorgungs- und Recycling-System gibt. Es ist aber kein Naturgesetz, dass die Müllmengen immer größer werden. Müll zu vermeiden, schont die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen – und trägt damit sowohl zum Umwelt- als auch zum Klimaschutz bei. Jeder von uns kann etwas dazu beitragen, fangen wir doch einfach heute damit an. Zum Beispiel, indem wir Produkte meiden, die durch eine Verpackung auffallen, die größer ist als das Produkt. Oder, indem wir damit aufhören, Papier und Kippen auf den Gehwegen zu hinterlassen. Und auch, indem wir wieder mehr in den Geschäften vor Ort einkaufen, anstatt uns Unmengen an Kartonagen mit darin versteckten Produkten aus dem Internethandel zuschicken zu lassen. Mit dem Einkauf in Solingen tun wir nicht nur etwas für die Umwelt. Wir helfen auch, heimische Arbeitsplätze zu erhalten und die Innenstädte am Leben zu halten.

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