Ehrenamtler nehmen Menschen ihre Sorgen

Mehr Menschen brauchen die Telefonseelsorge

Hören Menschen zu: Anette Berkholz (l.), Vorsitzende der Solinger Telefonseelsorge, und Vorstandsmitglied Anne Wagner. Foto: Christian Beier
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Hören Menschen zu: Anette Berkholz (l.), Vorsitzende der Solinger Telefonseelsorge, und Vorstandsmitglied Anne Wagner.

2021 nahmen die ehrenamtlichen Mitarbeiter bislang rund 6000 Anrufe entgegen, 2020 waren es etwa 1000 weniger.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Weihnachten steht vor der Tür. An den Feiertagen gingen besonders viele Anrufe von Ratsuchenden ein, sagt Anette Berkholz, Vorsitzende der Telefonseelsorge Solingen. „Das sind Anrufer, denen klar wird, dass sie wirklich ganz allein sind.“ Ihnen sage sie dann: „Ich bin für Sie da, ich höre zu, Sie sind nicht allein.“ Auch an den Feiertagen ist die Telefonseelsorge, die als Verein organisiert ist, rund um die Uhr erreichbar.

Aktuell sind es rund 40 Mitglieder, die am Telefon einfach zuhören, wenn Menschen in Not sind. Während der Corona-Pandemie sei der Bedarf noch einmal gestiegen, sagen Berkholz und Vorstandsmitglied Anne Wagner: Rund 6000 Anrufe verzeichnete die Telefonseelsorge im auslaufenden Jahr 2021. 2020 waren es rund 5000.

In der Pandemie beschäftige viele Anrufer vor allem die Einsamkeit, aber auch die Angst vor der Krankheit. Die Verfassung der Hilfesuchenden habe sich in den vergangenen Monaten verschlechtert, schildert Berkholz. „Ängste haben zugenommen, Depressionen. Vielen Anrufern ist es dringlicher geworden, sich mitzuteilen.“

Die Sozialpädagogin engagiert sich seit sieben Jahren bei der Telefonseelsorge, im Frühjahr wurde sie zur Vorsitzenden gewählt. Anderen Menschen etwas zu geben, sei ihre Motivation, sagt Berkholz. Besonders schwer seien Gespräche mit Menschen, die am Ende mit ihrer Kraft seien, die Suizidgedanken äußern. Dann gehe es darum, nach persönlichen Ressourcen zu suchen. „Wer ist noch da an Kontaktpersonen?“

Verein finanziert seine Arbeit aus Spenden

Anne Wagner ist seit 2018 Mitglied, sie kümmert sich um den Bereich Spenden. Zuvor habe sie eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Trauerbegleiterin gemacht. „Es gibt Menschen, die sich am Telefon erst einmal einsprechen müssen, weil sie lange mit niemandem geredet haben.“ Schwierig sei, mit den Anrufern Situationen auszuhalten, die nicht mehr zu ändern sind, zum Beispiel bei einer Krankheit. Damit umzugehen, lernten die Telefonseelsorger während ihrer einjährigen Ausbildung. Dabei gehe es an jeweils einem Abend pro Woche um Themen wie Gesprächsführung, Biografiearbeit, Krisenintervention, aber auch um psychische Erkrankungen. Die Referenten sind unter anderem Ärzte, Psychologen und Theologen. Interessierte sollten psychisch stabil sein sowie persönliche Reife, Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Toleranz mitbringen, erklärt Berkholz. Nach erfolgreicher Teilnahme übernehmen Mitglieder mindestens drei Dienste im Monat. Vier Stunden lang sitzen die Ehrenamtler dann in der Dienstwohnung am Telefon. Auch Nachtdienste müssen absolviert werden. Durch regelmäßige Supervisionen werden die Mitarbeiter in ihrer Arbeit unterstützt.

Die Mehrzahl der Anrufer bei der Telefonseelsorge seien ältere Menschen. Viele riefen regelmäßig an. Ist der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin in Solingen im Gespräch, wird der Anruf nach Düsseldorf, Wuppertal oder Neuss weitergeleitet. Für Jüngere bietet die Telefonseelsorge inzwischen ihre Hilfe per Mail an. Anne Wagner ist eine von derzeit zwei Mitarbeiterinnen in Solingen, die dafür ausgebildet sind, zwei weitere sollen dazu kommen. „Die Ratsuchenden sind oft unter 20 Jahre alt. Oft schreiben sie uns mitten in der Nacht an.“ Innerhalb von 24 Stunden bekämen sie eine Antwort.

Finanziert wird die Arbeit der Solinger Telefonseelsorge aus Spenden. Die fließen vor allem in die Ausbildung neuer Mitarbeiter. Weil der Bedarf so groß ist, würde der Verein gerne einen zweiten Telefonplatz einrichten. Berkholz: „Wir hätten im Dezember die Dienste ohne Probleme doppelt besetzen können.“

Kontakt

Rufnummer: Unter den kostenlosen Rufnummern können Hilfesuchende für ein vertrauliches Gespräch anrufen: Tel. 08 00 1 11 01 11 oder 08 00 1 11 02 22.

Verein: Erste Vorsitzende der Telefonseelsorge Solingen ist Anette Berkholz, ihre Stellvertreterin Karin Hakenberg.

Ausbildung: Der nächste Ausbildungsgang ist für Sommer 2022 geplant. Anmeldung: Tel. 5 99 26 23,

buero@telefonseelsorge- solingen.de

telefonseelsorge-solingen.de

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