Verein hilft in Lesbos und Athen

Griechenland: Mediziner aus Solingen kämpfen gegen die Krätze

Der Verein Solingen hilft besuchte die Geflüchteten-Lager in Griechenland.
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Der Verein Solingen hilft besuchte die Geflüchteten-Lager in Griechenland.

Solinger bringen aufrüttelnde Videobilder aus Lagern auf Lesbos mit

Von Philipp Müller

Solingen Mit einem 16 000 Euro teuren Ultraschallgerät und 28 000 Euro Bargeld für Medikamente im Gepäck machten sich vier Solinger Anfang Juni nach Griechenland auf. Die Gruppe des Vereins „Solingen hilft“ hatte Athen und die Insel Lesbos mit dem Nachfolger des abgebrannten Geflüchteten-Lagers Moria, Karatepe 2, als Ziele. Im ST-Gespräch berichten Ilona Fiedler und Barbara Eufinger sowie die beiden Mediziner Dr. Christoph Zenses und Dr. Werner Klur von ihren Eindrücken. Nicht nur das. Sie brachten auch Videomaterial mit, das ST-Fotograf Christian Beier zusammengestellt hat.

Ilona Fiedler (v. links) sowie die beiden Mediziner Dr. Christoph Zenses und Dr. Werner Klur sowie Barbara Eufinger besuchten Griechenland

Die 44 000 Euro stammen aus Spendengeldern, die vorwiegend aus der Solinger Bürgerschaft stammen. Dr. Zenses, Vorsitzender des Vereins, erklärt aber auch, dass andere Hilfsgruppen aus Deutschland längst auf die Kompetenz der Solinger setzen, wenn es um die Umsetzung der konkreten Hilfe vor Ort geht.

Die Arbeit in den Lagern organisiert der Verein mit griechischen Partnern wie dem Verein Kitrinos Health Care oder der von Flüchtlingen gegründeten Gruppe Khora.

Werner Klur: „Es ist ein Verbrechen an der Menschheit, was in Griechenland mit den Geflüchteten in den Lagern passiert“

In Athen, der ersten Station, leben aktuell 45 000 geflüchtete Menschen. Sie seien teilweise auf 13 Lager verteilt. „Viele leben aber auch in leerstehenden Häusern oder auf der Straße“, berichtet Barbara Eufinger. Werner Klur stellte dort eine Woche lang seine medizinischen Dienste für eine privat organisierte Krankenstation zur Verfügung. „Es ist ein Verbrechen an der Menschheit, was in Griechenland mit den Geflüchteten in den Lagern passiert“, zieht er eine bittere Bilanz. Aber erfolglos war er nicht. Die Krätze, eine durch Milben ausgelöste Seuche, die auf katastrophale hygienische Umstände zurückzuführen sei, hätte durch den Einsatz von Medikamenten zurückgedrängt werden können.

Der Verein Solingen hilft besuchte die Geflüchteten-Lager in Griechenland.

Wie elementar die Hilfe ist, betont Ilona Fiedler anhand der Berichte von Lesbos. Dort fehle es im neuen Lager Karatepe 2 fast an allem. Neu angeschaffte Waschmaschinen und Trockner sorgen jetzt für einen Mindeststandard. Das Lager ist mit 7000 Geflüchteten völlig überfüllt. Fließendes Wasser gibt es nicht. Und es herrsche besonders bei den Frauen Angst, erzählt Eufinger. Wenn die vier Solinger Helfer erzählen, dann merkt man, wie ohnmächtig sie sich bei ihren Besuchen in Griechenland im Grunde fühlen. Aber es ist auch zu erkennen, dass sie weiter mit viel Optimismus an die Sache herangehen. Dr. Zenses berichtet von Bussen, die zu Schulen umgebaut wurden.

Doch dann steht da auch wieder diese Fassungslosigkeit im Raum, wenn Fiedler von einer jungen Mutter aus Syrien berichtet, die schon seit drei Jahren im Lager lebt. Ihre Asylanträge wurden abgelehnt. Jetzt steht sie mittellos und ohne eine Perspektive für die Zukunft zwischen den Zelten – ein Zustand, der für sehr viele Geflüchtete gilt, haben die vier erfahren. Sie besuchten auch die Trümmer das Lagers Moria. Das war nach einer Brandstiftung niedergebrannt. Ein Täter wurde gerade zu zehn Jahren Haft verurteilt.

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