Mein Blick auf die Woche in Solingen

Meinung: City ohne goldenes M? Schwer vorstellbar 

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Es war eine Fastfood-Oase zwischen zahllosen drehenden Fleischspießen, findet ST-Chefredakteur Stefan M. Kob: Wenn McDonald´s geht, fehlen nicht nur Hamburger, sondern auch ein Stückchen Hoffnung für die City. Er fordert: Redet nochmal - schließlich gibt es sie noch, die Projekte, die neues Leben und und neue Perspektiven in die Mitte bringen werden. Welche das sind, steht im Kommentar

Solingen. Auf die Eröffnungsfanfaren des City-Hoffnungsträgers „Gläserne Werkstatt” am Wochenende folgten postwendend die Dissonanzen: Das ST berichtete am Dienstag über die Schließungspläne der McDonald’s-Filiale in der Innenstadt. Nach dem jüngst bekannt gewordenen Rückzug von Klauser und Tchibo die nächste Hiobsbotschaft.

Nun kann man kaum behaupten, dass jemand im nächsten Jahr in der City hungern müsste - dafür ist allein die Döner-Dichte auf der Kölner Straße zu hoch. Doch gerade angesichts der zahllosen sich drehenden Fleischspieße schien das Angebot der amerikanischen Burger-Kette schon ein bisschen wie eine Oase in der Fastfood-Einöde. Hätte man vor ein paar Jahren sicher auch noch nicht so empfunden.  

Das Aus schmerzt besonders aus drei Gründen. Zum einen geht mit dem Bulettenbrater gerade kein Geschäft, dessen Verlust man sich mit den allgemeinen Strukturproblemen des stationären Einzelhandels schönreden kann. Dazu: So steht es um die Leerstände auf der Hauptstraße

Die kleine Burger-Eckfiliale ist aber auch aus einem anderen Grund wichtig. Denn wer kennt ein anderes Großstadtzentrum ohne das markante M-Logo? Irgendwie ist es auch ein Zeichen für ein urbanes Angebot, weshalb als Beispiel der Rückzug von McDonald’s aus Moskau (aus anderen Gründen) ja Schlagzeilen machte.

Der dritte Schmerzpunkt: Die Betreiber-Familie Wolny, die vier Jahrzehnte an diesem zentralen Standort die McDonald’s-Fahne hochhielt, glaubt offenbar nicht daran, dass die Belebungspläne der Stadt irgendwann einmal aufgehen werden. Denn dass es kein anderes geeignetes Ladenlokal statt des renovierungsbedürftigen Standorts in der City gäbe, ist angesichts der zahllosen prominenten Leerstände eine Schutzbehauptung der Inhaber. Insbesondere in den Clemens-Galerien wäre mit Sicherheit noch genügend Platz zu schaffen. Das wäre endlich mal ein sichtbarer Erfolg für die irgendwie endlosen Umbauarbeiten.

Vielleicht ist noch Zeit und Gelegenheit, mit den Betreibern darüber zu reden: Einen Versuch von oberster Stelle wäre es in jedem Fall wert. Immerhin verhandelt man hier nicht mit einer anonymen Konzernzentrale, sondern mit Solinger Unternehmern, denen etwas am Standort liegen sollte. 

Argumente, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen sollten, gibt es ja nun doch. Gerade wächst am Neumarkt der Neubau der Stadt-Sparkasse in die Höhe. Die allein bringt vielleicht nicht unbedingt mehr Menschen in die Innenstadt - aber der vorgesehene Wohnungsbau auf dem derzeitigen Standort schon. Dieser kann vergleichbare Effekte wie das O-Quartier in Ohligs erzielen. 

Dazu passen die Neubaupläne nach dem geplanten Abriss von Kaufhof und Peek & Cloppenburg, die immer konkreter werden. Spätestens in zwei Jahren sollen hier unter anderem 81 neue Wohnungen entstehen.

Auch die Umbaupläne im Hofgarten zeigen, dass das Einkaufszentrum noch Potenziale sieht, die sich ausschöpfen lassen. Und ja - mag die Gläserne Werkstatt auch noch nicht die Rettung der Innenstadt bedeuten, so ist sie doch ein wichtiges Signal: Die Stadt will dem Niedergang nicht tatenlos zusehen, sondern stemmt sich ihm mit allen Mitteln entgegen. Das sollten auch die Kritiker bedenken, die diese unbestritten teuren Programme zur Erfolglosigkeit verdammen. Was genau ist die Alternative? Einfach nur zuzuschauen, wie ein Mosaikstein nach dem anderen in der City fällt? Oder hat jemand noch bessere Ideen? Dann her damit. 

Unsere Top-Themen in dieser Woche 

Die Baupreise explodieren, das Geld wird knapper - mit schlimmen Folgen für das städtische Schulbau-Programm. 

Kompromiss zum Busverkehr in Ohligs steht: So fahren künftig die Busse im Stadtteil. 

Kam die 36-jährige Mutter tatsächlich so zu Tode, wie es der angeklagte 33-jährige Familienvater schildert? Die Gerichtsmediziner haben Zweifel. 

In der Energiekrise blicken die Unternehmen und Verbraucher mit Sorge auf ein Ende der Preisspirale: Gibt es kurzfristig Hoffnung? 

Unser neuer „Engelbert Echt Lecker” liegt druckfrisch vor. Hier kann man auch schon einmal online in die Töpfe gucken.

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