Unterricht im Ausnahmemodus

Maskenpflicht: Schulleiter loben Disziplin

Lehrerin Sarah Nemitz unterrichtet die Klasse 8c an der August-Dicke-Schule mit Mundschutz. Foto: Christian Beier
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Lehrerin Sarah Nemitz unterrichtet die Klasse 8c an der August-Dicke-Schule mit Mundschutz.

Seit zwei Wochen läuft auch an den Solinger Schulen wieder der Unterricht: mit vollen Klassen, Maskenpflicht ab Jahrgangsstufe fünf und Hygieneregeln.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Wie funktioniert der Schulbetrieb unter besonderen Umständen? Der Ausnahmemodus bleibt. „Ich bin froh um jeden Tag Präsenzunterricht“, sagt Monika Schneider, Direktorin der August-Dicke-Schule. An zwei Solinger Schulen gab es bereits Corona-Fälle: Die Geschwister-Scholl-Schule, wo ein Lehrer positiv getestet worden war, nimmt heute weitgehend den normalen Unterricht wieder auf. Am Friedrich-List-Berufskolleg hat sich eine Schülerin mit Sars-CoV-2 infiziert. Kontaktpersonen wurden in Quarantäne geschickt.

An der „Scholle“ hätten alle 45 Lehrer in Quarantäne ein negatives Testergebnis, berichtet Leiterin Elke Mosebach-Garbade. Zum Teil müssten diese jedoch noch zu Hause bleiben, ebenso wie die Schüler, die von dem betroffenen Lehrer unterrichtet worden waren. Sie kehren erst kommende Woche in den Unterricht zurück. Dass sich das Coronavirus an ihrer Schule nicht weiter verbreitet hat, führt Mosebach-Garbade auf die Hygienemaßnahmen und die Maskenpflicht zurück. „Das zeigt, dass wir das in NRW richtig machen.“

Mit der Maskenpflicht im Unterricht gingen die Schüler sehr diszipliniert um, lobt unter anderem Peter Wirtz, Leiter der Friedrich-Albert-Lange-Schule und Mitglied im Sprecherrat der Schulleiter. Allerdings achteten viele Jugendliche außerhalb der Schule nicht mehr auf Maske und Abstandsregel. „Wir haben die Eltern gebeten, ihre Kinder darauf anzusprechen.“

„Ich bin froh um jeden Tag Präsenzunterricht.“ 

ADS-Direktorin Monika Schneider

Die Schüler wüssten es zu schätzen, dass sie nun wieder jeden Tag in die Schule gehen, sagt ADS-Leiterin Schneider. „Ich habe am ersten Tag noch nie so viele glückliche Gesichter gesehen.“ Man setze alles daran, den Präsenzunterricht zu erhalten. Die Stadt als Schulträger habe dafür gesorgt, dass ausreichend Seife und Desinfektionsmittel vorhanden sei. „Das Händewaschen frisst Zeit, wird aber konsequent umgesetzt.“ Ebenso wie das Lüften. Im Herbst müssten sich die Schüler dann wärmer anziehen, weil regelmäßig die Fenster geöffnet werden.

Gleichzeitig bereiteten sich die Schulen darauf vor, dass Klassen wegen steigender Infektionszahlen doch wieder zeitweise zu Hause lernen müssten, erklärt Peter Wirtz. So arbeite man mit Hochdruck am „Hybridlernen“: „Das heißt, die Hälfte der Lerngruppe wird vor Ort unterrichtet, der Rest wird per Videokonferenz zugeschaltet.“ Die Laptops und Tablets, die bedürftige Schüler aus Landesmitteln erhalten sollen, gibt es jedoch noch nicht: „Wir haben bislang keine Endgeräte erhalten“, sagt Andreas Tempel, Leiter der Alexander-Coppel-Gesamtschule (ACG) und Sprecher der Gesamtschulen.

Tempel und sein Kollegium arbeiten derzeit daran, den Mensabetrieb an der ACG wieder zu starten. „Die Vorgaben, wie das funktionieren soll, sind sehr allgemein. Da fühle ich mich vom Schulministerium im Stich gelassen.“ So plane man nun, alle Plätze zu nummerieren, Schüler müssten sich in Listen eintragen. So sollen mögliche Infektionsketten nachverfolgbar bleiben.

Mehr Unterstützung aus Düsseldorf wünscht sich auch Susanne Baratti, Rektorin der Erika-Rothstein-Schule. „Für die Förderschulen bräuchten wir dringend individuellere Lösungen.“ Zwar trügen auch ihre Schüler die Mund-Nase-Maske diszipliniert. „Aber unter anderem für Kinder mit einer Sprachbehinderung ist das schwierig.“ In den 50 Quadratmeter großen Klassenräumen könnten sie bei 18 Schülern plus Lehrkraft und Integrationshelfer die Maske jedoch nicht absetzen. „Die Abstände könnten nicht eingehalten werden.“ Ab 12 Uhr werde Unterricht schwer, weil die Konzentration stark nachlasse. Helfen könnten Acrylglaswände und zeitversetzter Unterricht in Kleingruppen, so Baratti: „Ich hoffe, dass sich die Schulministerin mal ein Bild vor Ort macht.“ 

Schülertransport

Busse: Die Stadtwerke Solingen (SWS) setzen seit Beginn des Schuljahres neben den zusätzlichen 22 Bussen im Schülerverkehr zehn weitere Fahrzeuge ein. „Das ist bis zu den Herbstferien vorgesehen“, sagt Silke Rampe, Sprecherin des SWS-Verkehrsbetriebs. Die Busse seien unterschiedlich ausgelastet: „Mal zu 40 Prozent, mal zu 60 Prozent, manchmal sind sie auch fast zu voll.“ Einzelne Fahrten seien deshalb bereits verstärkt worden. Im Moment reichten die Kapazitäten aus.

Gespräch: „Ab Oktober rechnen wir damit, dass die Busse noch stärker genutzt werden.“ Im September sei ein Gespräch mit der Stadtverwaltung geplant.

Standpunkt: Fragile Normalität

Von Anja Kriskofski

Bei einigen Schulleitern fällt die Bilanz des Schulstarts verhalten positiv aus. Andere hatten nach einer Coronainfektion im Kollegium gleich mit Unterrichtsausfall zu kämpfen.

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Eines ist klar: Dieses Schuljahr läuft nicht normal, auch wenn Schüler wieder in Klassenstärke im Unterricht sitzen, Busse voll sind und Elternabende stattfinden. Denn ein Coronafall an einer Schule kann diese Normalität von einem auf den anderen Tag über den Haufen werfen. Dass Hygieneregeln und Maskenpflicht etwas bringen, zeigt die Geschwister-Scholl-Schule. 

Der positiv getestete Lehrer hat nach derzeitigem Stand keine Kollegen und Schüler angesteckt, obwohl er unterrichtet und in mehreren Konferenzen mit anderen zusammengesessen hat. Mit Teilschließungen wie an der „Scholle“ oder dem Unterrichtsausfall für einzelne Klassen müssen alle Schulen jederzeit rechnen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Digitalisierung weiter vorangetrieben wird. Wenn Schüler ins Homeschooling wechseln müssen, sollte digitaler Unterricht von einem auf den anderen Tag möglich sein. Und damit sind keine Arbeitsblätter zum Ausdrucken gemeint. 

Maskenpflicht: Das Ordnungsamt führte am Montag Kontrollen im gesamten Stadtgebiet durch.

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