Einheitliche Regelung für NRW

Masken: Die Bergische Lösung ist vom Tisch

Wer keine Maske zur Verfügung hat, muss sich ab Montag in Bussen, Bahnen und Geschäften mit einem Schal oder Tuch behelfen. Fotos: Christian Beier
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Wer keine Maske zur Verfügung hat, muss sich ab Montag in Bussen, Bahnen und Geschäften mit einem Schal oder Tuch behelfen.

Ab Montag gilt eine einheitliche Regelung für NRW. Experten raten, einen Mund-Nasen-Schutz aus Papier oder Stoff zu tragen.

Von Simone Theyßen-Speich und Philipp Müller

Solingen. Eine bergische Lösung als Alleingang der Städte Wuppertal, Remscheid und Solingen für eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum ist vom Tisch. Es wird ab Montag, 27. April, diese Pflicht für ganz Nordrhein-Westfalen geben. Darauf hatten die Rathäuser im Städtedreieck am Mittwoch gedrängt. Das Tragen einer Maske wird beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen verpflichtend.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) machte noch am Dienstagabend deutlich, dass ihm die landesweite Lösung deutlich lieber sei, als die Pflicht im Städtedreieck als kommunale Verordnung umzusetzen.

Der Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder OP-Maske schützt den Träger selbst nur vor größeren Tröpfchen, schützt aber andere Menschen in der Umgebung.

Carsten Voigt, Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender der CDU-Ratsfraktion, sieht die Maskenpflicht als „unabdingbaren Schritt in die nahe Zukunft auf einem langen Weg in die Normalität“. Gesichtsmasken seien dazu „eine gute Möglichkeit und beeinflussen die Entwicklung positiv“, erklärte BfS-Sprecher Jan Salewski.

Das Robert-Koch-Institut erklärt, dass durch das Tragen eines Mundschutzes in erster Linie andere Menschen geschützt werden, die eigenen Viren können zurückhalten werden. Außerdem verhindert die Maske, dass der Träger sich unbewusst mit schmutzigen Händen an Mund oder Nase fasst. Aber welcher Mundschutz ist der richtige oder überhaupt verfügbar? Medizinische Masken der Kategorie FFP2 oder FFP3 sollen auf jeden Fall auch zukünftig dem medizinischen Personal in den Krankenhäusern und Praxen vorbehalten bleiben.

Stoffmasken und MNS-Masken sind gleich zu bewerten

Als Schutz im Alltag kommen ab Montag in Solingen also nur die sogenannten MNS-Masken (Mund-Nasen-Schutz) oder selbstgenähte Stoffmasken infrage.

Richtig über Mund, Nase und Kinn getragen, hält eine selbstgenähte Stoffmaske Tröpfchen, die beim Sprechen vom Träger abgegeben werden, zurück.

„Mit Blick auf die Schutzfunktion sind diese beiden Masken etwa gleich zu bewerten“, erklärt Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, in der derzeit die meisten Solinger Covid-19-Patienten behandelt werden.

Klar sei, dass der Mund-Nasen-Schutz nicht den Träger selbst schütze, sondern nur andere Menschen. „Und das auch nur vor Tröpfchen, die beim normalen Sprechen abgesondert werden. Kräftiges Niesen oder Husten muss auch trotz Maske nach wie vor in die Armbeuge oder abgewendet erfolgen“, empfiehlt Prof. Randerath. Er spricht sich aber trotzdem für das Tragen der Masken aus. „Wenn im Bus alle eine Maske tragen, bedeutet das ja auch für alle einen gewissen Schutz.“

Auch in der Lungenfachklinik benutzten Ärzte und Pfleger, die nicht im direkten Kontakt mit Covid-19-Patienten stehen, die normalen MNS-Masken aus Papier. „Wir tragen diese Masken derzeit auch tagelang, bis sie kaputt sind, um Material zu sparen“, so der Mediziner. Einen genauen Nachweis, wie lange sie schützen, gebe es nicht. Wenn die Papiermasken nach mehrstündigem Tragen durch die Atemluft feucht würden, könnten sie allerdings schneller reißen.

Das Problem bestehe bei selbstgenähten Stoffmasken nicht. Diese sollte man aber ab und zu waschen. „Man kann sie aber auch einfach länger liegen lassen, weil die Viren nach einiger Zeit nicht mehr vermehrungsfähig sind“, so Prof. Randerath. Das Wichtigste sei aber, trotz Maske die bekannten Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen und Abstandhalten weiter zu beherzigen.

Dr. Gertrud-Sofie Schenke, Ärztliche Leiterin der Krankenhaus-Hygiene am Klinikum, betont: „Generell ist es wichtig, den Mund-Nasen-Schutz mit sauberen Händen aufzusetzen, also die Hände gründlich mit Seife waschen.“ Die Maske müsse richtig über Nase, Mund und Kinn platziert sein und an den Wangen eng anliegen. „Masken mit biegsamen Draht erleichtern es, den Schutz anzupassen. Wenn die Maske durch die Atemluft feucht wird, muss sie gewechselt werden“, so Dr. Schenke.

Beim Absetzen sollte man darauf achten, die Maske möglichst nur an den Schlaufen anzufassen. Anschließend sollten die Hände gewaschen werden. Idealerweise sollte die Maske nach Gebrauch gewaschen werden, bei mindestens 60 Grad. Auch Dr. Gertrud-Sofie Schenke appelliert, trotzdem die Hygieneregeln einzuhalten. 

AKTUELLE CORONAZAHLEN IN SOLINGEN

TODESOPFER Die Corona-Pandemie hat in Solingen ein fünftes Todesopfer gefordert. In der Lungenfachklinik Bethanien ist eine Frau im Alter von unter 65 Jahren mit multiplen, aber leichteren Vorerkrankungen verstorben.

INFEKTIONEN Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen seit Beginn der Pandemie liegt bei 215. Am Dienstag wurden 216 gemeldet: Eine Person war aber fälschlicherweise mit ihrem Hauptwohnsitz Solingen zugeordnet worden. 144 Menschen sind wieder genesen. 66 Personen sind noch betroffen, 22 von ihnen werden stationär behandelt, die übrigen ambulant.

QUARANTÄNE In häuslicher Quarantäne befinden sich in Solingen derzeit insgesamt 156 Personen, 1239 Menschen konnten die Quarantäne inzwischen wieder verlassen.

STANDPUNKT Man gewöhnt sich an alles

Von Simone Theyßen-Speich

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wer hätte noch vor zwei Monaten geglaubt, dass die Solinger brav vor den Supermärkten in der Schlange stehen, Schüler von zu Hause lernen und Gottesdienste online gefeiert werden.

simone.theyssen-speich @solinger-tageblatt.de

Auch wenn das alles nicht schön ist – man gewöhnt sich daran. Jetzt im Bus oder beim Einkauf einen wie auch immer gearteten Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ist da eine vergleichsweise geringe Einschränkung. 

Und auch daran werden wir uns gewöhnen. Auch wenn das keinen hundertprozentigen Schutz bedeutet – es ist besser als nichts, reduziert die Ansteckungsgefahr und alleine das zählt im Moment. Damit die anderen Einschränkungen, die uns alle, unsere Gesundheit, die Wirtschaft, die Gastronomie und den Handel viel mehr belasten, langsam wieder gelockert werden können. Und auch hinter der Maske das Lächeln nicht vergessen . . . 

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

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