Tradition

Martinszüge in Solingen wohl nur im kleinen Kreis

Ob der große Martinszug der Gräfrather Vereine in diesem Jahr stattfinden wird, soll noch entschieden werden. Archivfoto: Andreas Horn
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Ob der große Martinszug der Gräfrather Vereine in diesem Jahr stattfinden wird, soll noch entschieden werden.

Trotz der grundsätzlichen Erlaubnis planen Kitas und Schulen keine großen Umzüge.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. In knapp zwei Monaten wären sie wieder durch die Straßen gezogen: singende Kinder mit bunten Laternen bei den Martinszügen. Grundsätzlich sind Umzüge zu St. Martin auch zulässig, „wenn sich das Infektionsgeschehen bis dahin nicht maßgeblich verschlechtern sollte“, hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in dieser Woche festgelegt. Die großen Umzüge mit hunderten oder teilweise über tausend Teilnehmern wird es in Solingen aber in der bekannten Form wohl trotzdem nicht geben.

Ob beispielsweise der große Gräfrather Zug, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Gräfrather Vereine (Arge) und dem Gräfrather Heimatverein, in diesem Jahr durch den Stadtteil ziehen wird, ist noch ungewiss. „Wir sind gerade in Gesprächen mit dem Ordnungsamt, um zu klären, was überhaupt möglich ist“, skizziert Helmut Schurr, 1. Vorsitzender der Arge, die aktuelle Situation. Bei der Vorstandssitzung nächste Woche wolle man dann eine Entscheidung treffen. Etwa 600 Kinder, für die es von der Arge immer einen kostenlosen Weckmann gab, waren im Schnitt beim Martinszug dabei. „Insgesamt sind das hier in Gräfrath immer um die 1500 Personen gewesen“, so Schurr.

Die Solinger Grundschulleiter haben sich in dieser Woche über das Thema ausgetauscht. „Es gibt keinen gemeinsamen Beschluss, aber viele Schulen haben mitgeteilt, dass man den Martinszug nicht im gewohnten Rahmen durchführen werde“, erklärt Sabine Riffi, Leiterin der Grundschule Uhlandstraße und eine von zwei Grundschul-Sprecherinnen. Viele Menschen eng beieinander kann auch sie sich nicht gut vorstellen. „Deshalb haben sich viele Kollegien an den Schulen dagegen entschieden“, so Riffi.

Laternenzug einzelner Klassen wäre eine Alternative

An den meisten Schulen sind aber alternative Feiern rund um St. Martin in Planung. Man möchte das traditionelle Fest nicht ganz ausfallen lassen. Denkbar sei beispielsweise eine Ausstellung der gebastelten Laternen in der Klasse. „Wir überlegen auch, kleine Umzüge der einzelnen Klassen an der Schule zu machen, verteilt über die ganze Martinswoche“, so die Leiterin der Grundschule Uhlandstraße. Der große organisatorische und finanzielle Aufwand mit Straßensperrung, Pferd, Reiter und Bläsern erfordere, die Entscheidung jetzt rechtzeitig zu treffen. „Unser wichtigstes Ziel ist ja, den normalen Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Da möchte niemand ein Risiko eingehen“, so Riffi.

Die Absage vieler Züge ist auch in der Städtischen Musikschule ein Thema. „Viele Schulen und Kitas hatten schon Bläsergruppen bestellt, jetzt wurden aber fast alle Veranstaltungen wieder abgesagt“, erklärt Musiklehrerin Ann Jäger, die seit zehn Jahren die Bläsergruppen koordiniert. In der Vergangenheit vermittelte sie im Schnitt 50 junge Bläser für mehr als 20 Züge an Kitas und Grundschulen.

Der große St. Martinszug, der am 8. November im Stadtteil Wald stattfinden sollte – zum 15. Mal –, wurde schon vor etlichen Wochen coronabedingt abgesagt. „Mehrere tausend Kinder und Familien gemeinsam bei dem Zug, singend, mit Blasmusik und anschließend versammelt im Walder Stadion, das ist derzeit unverantwortlich“, hatte Organisator und Pfarrer Bernd Reinzhagen die Entscheidung begründet.

Martinszüge

Tradition: Rund um St. Martin ziehen Kinder sonst mit ihren Laternen von Haus zu Haus, singen an den Türen ihre Martinslieder und erhalten dafür eine kleine Süßigkeit. Deshalb hat das Solinger Tageblatt die Termine der Züge in der Vergangenheit auch immer angekündigt. Da Züge, wenn überhaupt, dieses Jahr nur im internen Rahmen stattfinden sollen, verzichtet das ST auf die Terminvorschau.

Abgesagte Veranstaltungen bringt Vereine an finanzielle Belastungsgrenzen.

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