Reformpläne

Martina Zsack-Möllmann: „Frauen mit Behinderung brauchen mehr Unterstützung“

Martina Zsack-Möllmann ist Leiterin des Solinger Frauenhauses.
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Martina Zsack-Möllmann ist Leiterin des Solinger Frauenhauses.

Leiterin des Solinger Frauenhauses sieht Reformpläne von Ministerin Ina Scharrenbach kritisch.

Von Kristin Dowe

Das Problem häuslicher Gewalt hat sich während der Corona-Pandemie verschärft. Deshalb will das Landeskabinett zusätzlich 1,5 Millionen Euro aus dem NRW-Rettungsschirm freigeben, um Frauenhäuser zu unterstützen. Die Einrichtungen will NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) zudem als sogenannte „Powerhäuser“ neu organisieren und dabei unter anderem Frauenhäuser und Beratungsstellen unter einem Dach bündeln.

Die Pläne der Ministerin sieht Martina Zsack-Möllmann, Leiterin des Solinger Frauenhauses, skeptisch. „Zunächst ist mir nicht klar, woher Frau Scharrenbach dieses Geld nehmen will, da die investiven Mittel komplett ausgeschöpft sind und wir uns nicht weiter verschulden können.“

Statt einer kurzfristigen Finanzspritze benötige speziell die Solinger Schutzeinrichtung mehr geschultes Personal etwa für die besonderen Bedürfnisse von Frauen mit Behinderung, das allerdings dauerhaft finanziert werden müsse. „Diese Frauen benötigen häufig eine Assistentin, die bei einem Schutzfall ebenfalls im Frauenhaus aufgenommen werden müsste. Wir benötigen Personal, das Gebärdensprache beherrscht oder im Umgang mit einer Lernbehinderung ausgebildet ist. Auf diesen Bedarf geht Frau Scharrenbachs Entwurf überhaupt nicht ein.“

„Die Kommune fängt bei uns viel auf.“

Martina Zsack-Möllmann, Frauenhaus Solingen

Auch die Idee, das Frauenhaus und Beratungsstellen wie etwa „Frauen helfen Frauen“ unter einem Dach zu vereinen, halte sie nicht für zielführend. „Die Beratungsstellen decken ja ein sehr breites Spektrum ab, da geht es bei weitem nicht nur um häusliche Gewalt. Und nicht jede Frau, die bei einer Beratungsstelle Hilfe sucht, möchte sich gleich ins Frauenhaus begeben – das könnte auch einen abschreckenden Effekt haben.“

Scharrenbach wolle zudem auch Männer stärker als Opfer von häuslicher Gewalt in den Blick nehmen. „Ich möchte nicht kleinreden, dass es sicherlich auch häusliche Gewalt gegen Männer gibt. Aber Fakt ist nun mal, dass es sich dabei ganz überwiegend um eine Problematik handelt, die Frauen betrifft und die damit eher geschmälert würde.“

Das Solinger Frauenhaus verfügt über zwei Gebäude, die jeweils über zehn beziehungsweise fünf Plätze für Frauen und teilweise für deren Kinder verfügen. Der Platzbedarf sei nach wie vor sehr groß. „Neulich ist ein Platz bei uns freigeworden und innerhalb eines Tages haben sich bestimmt fünf oder sechs Frauen darauf beworben.“

Personell umfasst das Team in Solingen zurzeit 2,5 Sozialarbeiterstellen, eine Erzieherin und eine Hilfskraft pro Haus. „Man muss sagen, dass die Kommune uns sehr unterstützt und viel auffängt“, lobt Zsack-Möllmann. Das Land gebe hingegen auf viele drängende Fragen keine Antworten. Dies gelte insbesondere für von Gewalt betroffene Migrantinnen mit unklarem Aufenthaltsstatus, deren Verbleib im Frauenhaus immer nur für drei Monate gesichert sei.

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