Prozess

Mann gesteht Brandstiftung am Haus seines Sohnes

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Auslöser soll ein Familienstreit gewesen sein. 63-Jähriger ist in U-Haft.

Von Dirk Lotze

Solingen. Mit einem Geständnis ist ein 63 Jahre alter Angeklagter aus Solingen-Wald in seinen Prozess um Brandstiftung am Haus der Familie seines Sohnes (36) gestartet. Er habe im August 2019 zweimal Benzin an dem Gebäude in Haan ausgegossen und angezündet. Bei der zweiten Tat explodierte am frühen Morgen ein Feuerball vor der Eingangstür.

Zum Glück wurde niemand verletzt. Auslöser soll ein seit zwei Jahren schwelender Familienstreit gewesen sein, der sich letztlich um eine Banalität gedreht habe: Beim zeitweisen gemeinsamen Wohnen aller Beteiligten im Haus des Sohnes habe es Ärger um Zigarettenrauch des Angeklagten und seiner Frau gegeben. Nun sitzt der 63-jährige Frührentner in Untersuchungshaft. Zum Prozessbeginn im Amtsgericht Wuppertal erklärte er: „Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe. Ich war plemplem.“ Und: „Ich möchte mich entschuldigen.“

Den Zeugenaussagen zufolge kündigte der Sohn seinen Eltern wegen des Streits im Juli 2017 den Mietvertrag. Der Angeklagte und seine Frau seien nach Solingen gezogen. Letztlich blieben sie in Sichtweite. Nach zwei Jahren fast ohne Kontakt habe sich die Lage im Sommer 2019 zugespitzt.

„Ich hatte Angst um das Leben meines Kindes.“
Zeugin im Brandstiftungsprozess

Das Feuer am Eingang löschte der Sohn. Da war die Tür schon angekohlt. Den Richtern bezeugte er: „Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, ohne sofort unsachlich zu werden.“ Seine Frau sagte: „Nach diesem Brand habe ich eine Freundin angerufen und gebeten, dass sie unsere Tochter vorübergehend zu sich nimmt. Ich hatte einfach Angst um das Leben meines Kindes.“

In den Wochen zuvor hatte es Farbschmierereien am Haus der Geschädigten gegeben. An einem Garagenfenster erschienen Brand- und Benzinspuren. Ein Polizist berichtete: „Auf dem Garagendach lag eine Bierflasche mit einer stark riechenden Flüssigkeit. In den Flaschenhals war als Lunte Papier gestopft, das angebrannt war.“ In nur wenigen Wochen häuften sich die Polizeieinsätze. Der Sohn installierte eine Video-Überwachung am Haus. Eine Aufnahme belegt sogar eine kurze Prügelei zwischen Vater und Sohn.

Sohn, Schwiegertochter und Ehefrau (66) des Angeklagten berichteten von einer Wesensveränderung bei dem Mann, die sich bis mindestens drei Jahre vor den Taten zurückverfolgen lasse. Zwar sei er bei Meinungsverschiedenheiten immer aufbrausend gewesen, sagte die Frau. Er sei aber neidisch geworden und ausfallend, habe angefangen, sie übel zu beleidigen und sei im Bademantel rumgelaufen. In einem Kaufrausch im Sommer 2019 habe er rund 30 000 Euro ausgegeben – die sie nun in Raten abzahle.

Das Gericht will am 21. April weiter verhandeln. Dann soll eine behandelnde Ärztin des Angeklagten aussagen.

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