Unbekannter spricht Kinder an

Mann belästigt Kinder an Schulen - Polizei bestätigt mehrere Vorfälle

Vor der Grundschule Gottlieb-Heinrich-Straße kam es am Freitag zu einem Polizeieinsatz.
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Vor der Grundschule Gottlieb-Heinrich-Straße kam es am Freitag zu einem Polizeieinsatz

Nach einigen Vorfällen an Solinger Schulen verstärkt die Polizei die Präsenz an den Einrichtungen. Experten raten Eltern unter anderem, mit ihren Kindern über das Thema zu sprechen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Vorfälle hatten sich in den vergangenen Wochen gehäuft und Eltern in Solingen in Sorge versetzt: Nachdem Anfang November ein unbekannter Mann Kinder im Wartebereich der Musikschule an der Flurstraße gefragt hatte, ob sie einen Kakao mit ihm trinken möchten, wurden nun weitere Fälle dieser Art bekannt. So bestätigte die Leitstelle der Polizei zuletzt etwa einen Einsatz an der Gemeinschaftsgrundschule Gottlieb-Heinrich-Straße, wo am Freitag ebenfalls ein Mann Kinder im Umfeld der Schule angesprochen und ihnen Süßigkeiten angeboten haben soll.

Wie viele Vorfälle dieser Art es im Stadtgebiet bislang tatsächlich gegeben hat, lässt sich schwer ausmachen. Offiziell bestätigt die Polizei bislang vier Meldungen, in denen Kinder aus einem weißen Transportfahrzeug heraus angesprochen worden sein sollen. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ wolle die Polizei laut Polizeisprecher Stefan Weiand aktuell nicht kommunizieren, um welche Schulen es sich – abgesehen von den bereits bekannten Fällen – handelt. Auch eine Personenbeschreibung des Verdächtigen sei zurzeit nicht möglich.

In den sozialen Netzwerken meldeten sich derweil weitere Eltern zu Wort, deren Kinder ähnliche Vorfälle an weiteren Einrichtungen, darunter auch Kindertagesstätten, geschildert haben sollen. Möglicherweise wurde nicht in allen Fällen die Polizei verständigt. So appelliert Stefan Weiand an Eltern und Lehrer: „Wir raten grundsätzlich zur Wachsamkeit. Verdächtige Feststellungen sollten umgehend der Polizei über die Amtsleitung oder den Notruf gemeldet werden.“ Der Wach- und der Bezirksdienst der Polizei seien sensibilisiert und zeigten erhöhte Präsenz an Solinger Schulen. Die Ermittlungen zu den Sachverhalten dauerten an.

Die Stadt schließe sich den Empfehlungen der Polizei an, teilte Rathaussprecher Daniel Hadrys auf Nachfrage mit. Zudem kündigte er an, die Solinger Schulen bezüglich weiterer möglicher Fälle abzufragen.

Große Sorgen angesichts der Vorfälle macht sich auch ST-Leserin Melanie Schmitz, deren Tochter am Tor der Grundschule Gottlieb-Heinrich-Straße von zwei Männern angesprochen wurde. „Die beiden haben versucht, meine Tochter mit Süßigkeiten und angeblichen Hundewelpen in ihr Auto zu locken“, schildert die Mutter. Sie wünsche sich, dass die Kitas und Schulen transparent mit den Vorfällen umgehen, um die Kinder so gut wie möglich zu schützen. Ihre Tochter habe glücklicherweise richtig reagiert und sich sofort von den Männern entfernt, um eine Lehrerin zu informieren. Laut Melanie Schmitz habe es mindestens noch einen weiteren Vorfall an der Schule gegeben, bei dem zwei Männer gegenüber einem Jungen handgreiflich geworden sein und ihn am Arm gepackt haben sollen.

Kinder müssen lernen, klare Grenzen zu ziehen

Silvia Barsties, Mitarbeiterin bei der Fachberatungsstelle für sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche (FABS) im Verein Frauen helfen Frauen, empfiehlt Eltern, ein offenes Gespräch mit Kindern zu suchen, ohne Panikmache zu betreiben. „Das Wichtigste für ein Kind in einer solchen Situation ist, einfach wegzugehen und das Erlebte einem vertrauten Erwachsenen zu erzählen. Natürlich ist es toll, wenn es klar ‚Nein‘ sagen kann, doch dieser Schritt erfordert schon viel Eigenverantwortung seitens des Kindes.“ Auch sollten Eltern ihrem Kind vermitteln, dass vermeintliche Höflichkeit gegenüber Unbekannten absolut unangebracht ist, wenn diese eine Grenze überschreiten. „Das gilt übrigens nicht nur für Menschen, die irgendetwas Böses im Schilde führen, sondern auch für Personen, die ein Kind im Bus vielleicht einfach nur niedlich finden und ihm über den Kopf streicheln. Kinder können so etwas nicht differenzieren. Sie dürfen selbstbewusst sein und entschieden ‚Nein‘ sagen.“ Positiv sei, dass die Kinder in den bekannten Fällen angemessen reagiert hätten.

Die Musikschule hat bereits erste Maßnahmen ergriffen und einen privaten Sicherheitsdienst installiert, teilte Leiterin Birgit Walter dem ST mit.

Theaterprojekt

Vorbeugung: Das Stück „Mein Körper gehört mir“ der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück sensibilisiert Kinder für das Thema sexualisierte Gewalt. Das Projekt richtet sich an Kinder an Grundschulen der dritten und vierten Jahrgänge und wird vom Kinderschutzbund Solingen und der Polizei Wuppertal (Kommissariat Kriminalprävention) unterstützt.

Standpunkt von Kristin Dowe: Nein sagen trainieren

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Auch wenn mit Blick auf die Vorfälle an Solinger Schulen Angst immer eine schlechte Beraterin ist, lässt die schiere Häufung dieser Meldungen in den letzten Wochen doch besorgt aufhorchen: Zwar ist es aus rechtlicher Sicht noch nicht zu einer Straftat gekommen und glücklicherweise wurde bislang kein Kind geschädigt. Doch wenn tatsächlich ein Mann an Schulen versucht, Kinder mit Süßigkeiten in ein Auto zu locken, sollten alle Alarmglocken schrillen.

Die Stadt, Kitas und Schulen sowie die Polizei sollten mit solchen Vorfällen möglichst transparent umgehen, um Kinder frühzeitig für Gefahren zu sensibilisieren. Positiv hervorzuheben ist, dass die betroffenen Kinder offenbar größtenteils mustergültig auf die unerwünschten Kontaktversuche reagiert haben. Dies zeigt, dass Aufklärung und Prävention Wirkung zeigen.

Hilfreich kann auch sein, gefährliche Situationen nachzustellen und mit Kindern zu trainieren. Ein klares Nein ist der beste Schutz.

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