Gericht

Mafia-Prozess: Ohligser seit über drei Jahren in U-Haft

Unter anderem Rechtsanwalt Patrick Lauterbach vertritt den Solinger Angeklagten im Mafia-Prozess. Fotos: Philipp Müller
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Unter anderem Rechtsanwalt Patrick Lauterbach vertritt den Solinger Angeklagten im Mafia-Prozess. 

58-jähriger Solinger soll einen Drogenring der ‘Ndrangheta unterstützt haben.

Von Kristin Dowe

Der umfangreiche Prozess vor dem Landgericht Duisburg gegen 14 Angeklagte, die zum Teil der kalabrischen Mafiaorganisation ‘Ndrangheta zugerechnet werden und unter dernen sich auch ein 58-jähriger Mann aus Ohligs befindet, wird mit 75 weiteren Verhandlungsterminen im kommenden Jahr fortgesetzt. Stand jetzt wird sich das Verfahren noch mindestens noch bis Dezember 2022 hinziehen. Es handelt sich um einen der wohl größten Mafia-Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik.

Schöffe soll während der Verhandlung eingeschlafen sein

Vorgeworfen wird den Männern unter anderem bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung, Betrug und Geldwäsche. Der Italiener aus Ohligs wurde im Dezember 2018 bei einer europaweiten Razzia gegen die ‘Ndrangheta in seiner Wohnung festgenommen. Zwar wird er selbst nicht dem Mafia-Ableger zugeordnet, doch soll er aus Sicht der Staatsanwaltschaft deren Großhändler mit Kurierfahrten für Drogentransporte unterstützt und sich zudem für Geld als Strohmann für eine in Düsseldorf ansässige Scheinfirma zur Verfügung gestellt zu haben. Unter dem Deckmantel des angeblichen Holz- und Kohle-Importunternehmens wollten die Drahtzieher mutmaßlich große Mengen Kokain aus Südamerika importieren.

„Mein Mandant verbringt jetzt das vierte Weihnachten in Untersuchungshaft“, berichtet Rechtsanwalt Patrick Lauterbach, der den Ohligser gemeinsam mit seinem Vater Karl-Hermann Lauterbach verteidigt. Was ihn besonders ärgert: „Beim letzten Prozesstag ist ein Schöffe für zehn Minuten fest eingeschlafen, während der wichtigste Kronzeuge des Verfahrens aus Italien per Videostream zugeschaltet war. Das sagt eine Menge darüber aus, wie wichtig diesem Schöffen eine faire Beweisaufnahme ist.“ Ein anderer Verteidiger stellte daraufhin einen Befangenheitsantrag, über den die Kammer unter Vorsitz von Richter Dr. Jens Luge noch zu entscheiden hat. Wird dem Antrag stattgegeben, muss der Schöffe ausgetauscht werden. Die Verhandlung wurde unterbrochen und wird nun am 10. Januar fortgesetzt.

Todesfall im ‘Ndrangheta-Prozess - Ein Verteidiger in dem Mammutverfahren ist an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben.

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