Angeklagter aus Solingen

Mafia-Prozess um 680 Kilo Kokain beginnt

Unter anderem Rechtsanwalt Patrick Lauterbach vertritt den Solinger Angeklagten im Mafia-Prozess. Fotos: Philipp Müller
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Unter anderem Rechtsanwalt Patrick Lauterbach vertritt den Solinger Angeklagten im Mafia-Prozess.

Corona-Verdacht bei einem Staatsanwalt wird mit Schnelltest ausgeräumt.

  • 14 Angeklagte, darunter ein Mann aus Solingen, müssen sich vor im Mafia-Prozess Gericht verantworten.
  • Ihnen wird vorgeworfen, mit 650 Kilogramm Kokain gehandelt zu haben.
  • Die Anklageschrift umfasst 650 Seiten. 

Von Philipp Müller

Solingen. Gerade einmal die Personalien von 11 der 14 Angeklagten, darunter ein Solinger, waren im Duisburger Mafia-Prozess aufgenommen worden, da verließ einer der Staatsanwälte plötzlich den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Düsseldorf, in dem aus Sicherheitsgründen verhandelt wird. Die Kammer zog sich zu einer mehrstündigen Beratung zurück, um zu klären, ob der Prozess erneut, wie schon zum Auftakt, unterbrochen werden muss. Grund: Der Staatsanwalt hatte bei einer Dienstfahrt mit einem positiv getesteten Polizisten in einem Pkw gesessen.

Die 4. Große Strafkammer ordnete im Einverständnis mit den Staatsanwälten einen Corona-Schnelltest an, der bei allen drei negativ ausfiel. Nach der Unterbrechung verwarf das Gericht den Antrag, die Hauptverhandlung zu unterbrechen. Der Vorsitzende, Dr. Jens Luge, erklärte vor dem Hintergrund der hohen Testgenauigkeit: „Wir können nur zu einer Sicherheit kommen, die wir verantworten können“ – absolute Sicherheit gebe es nicht.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf.

Die Staatsanwaltschaft konnte so mit der Verlesung der Anklage beginnen. Staatsanwalt Uwe Mühlhoff bezeichnete die 14 Angeklagten als Bande. Diese Bande soll Handel mit Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ getrieben haben. Die Taten hätten sowohl im In- als auch im Ausland stattgefunden.

Unter den Angeklagten befindet sich ein 57-jähriger Solinger, dem mit 13 weiteren Angeklagten vorgeworfen wird, mit insgesamt 680 Kilogramm Kokain gehandelt zu haben. Der Solinger soll laut Anklage im Tatzeitraum 2015 mit einer nur für die Drogengeschäfte gegründeten Importfirma in Düsseldorf Teil der Logistik des Systems gewesen sein. Er habe 2000 Euro monatlich als Strohmann auf dem Posten des Geschäftsführers erhalten.

Das lief laut Anklage so: In Südamerika gekauftes Kokain wurde unter Lieferungen von Holz und Bananen oder in doppelten Böden von Schiffscontainern über Rotterdam nach Deutschland geschafft und europaweit verkauft. Dazu wurde auch eine Lagerhalle in Schwalmtal genutzt. Das war nicht in allen Fällen erfolgreich. Der Import von rund 82 Kilogramm Kokain fiel im Hafen von Rotterdam auf. 100 000 Euro als Prämie sollen dem Ohligser hierbei gewunken haben.

Solinger Angeklagter soll Mafia in Italien unterstützt haben

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Solinger in einem Fall Hilfeleistung beim bandenmäßigen Handel mit nicht geringer Menge Betäubungsmitteln vor. In zwei Fällen soll er als Mitglied der Bande Hilfe bei der Einfuhr – überwiegend von Kokain – geleistet haben. Er soll auch als Kurier mit Fahrzeugen, die professionelle Verstecke für Drogen hatten, tätig gewesen sein.

Auch zwei Fahrten von Belgien aus in ein Restaurant in Wesseling wirft ihm die Anklage vor. 7000 Euro sei jeweils für eine Fahrt gezahlt worden, bei der zuvor stets drei Kilogramm Kokain in einem Fiat versteckt worden seien. Damit habe er eine „Vereinigung im Ausland“ unterstützt, „die den Zweck der Begehung von Straftaten hat“. Gemeint ist die Mafia in Italien, besonders in San Luca. Staatsanwalt Mühlhoff sprach über den Ort von der „Mutter der ‘Ndrangetha“. 39 Familien bildeten dort verschiedene Clans.

Der Solinger wurde zu Beginn vom Vorsitzenden zur Person vernommen. Er konnte sich zunächst nicht an seine Solinger Adresse erinnern, bejahte dann allerdings die Angaben der Kammer. Der Angeklagte wurde 1963 in Palermo geboren und gab an, geschieden zu sein. Er sitzt derzeit in Duisburg-Hamborn in Untersuchungshaft. Der Beschuldigte wird von drei Anwälten vertreten, darunter Karl-Hermann und Patrick Lauterbach aus Solingen.

Hintergrund

Die Anklageschrift umfasst nach Angaben von Gerichtssprecherin Sarah Bader 650 Seiten, dazu 57 Ordner mit Beweismaterial und einige Terabyte Daten. Diese stammten etwa aus einer Telefonüberwachung der Beschuldigten. Vertreten werden die Angeklagten von 40 Verteidigern. Am Prozess ist zudem die Oberfinanzdirektion beteiligt, da den Beschuldigten Steuerhinterziehung vorgeworfen wird. 90 Verhandlungstage sind bis Ende 2021 angesetzt. Das ST berichtet, wenn die Verhandlung den Tatbeitrag des Ohligsers behandelt.

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