Ein Jahr Corona in der Klingenstadt

Rückblick: März 2020 - Corona erreicht Solingen

Während der Pandemie wandelt sich der Wissensstand permanent – damit verändern sich das Verhalten und die Bilder. Unsere Fotos zeigen Corona-Pressekonferenzen der Stadt: zunächst am 4. März 2020 (oben), dann am 30. Oktober (unten).
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Während der Pandemie wandelt sich der Wissensstand permanent – damit verändern sich das Verhalten und die Bilder. Unsere Fotos zeigen Corona-Pressekonferenzen der Stadt: zunächst am 4. März 2020 (oben), dann am 30. Oktober (unten).

Nach dem ersten Nachweis einer Infektion steigen die Zahlen schnell.

Solingen. Das erste Mal in Solingen nachgewiesen wird das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 bei einem Test am Abend des 9. März 2020: Vier Erwachsene sind nach einem Urlaub in Südtirol positiv getestet worden. Schon zuvor war das Coronavirus immer wieder Thema im Lokalteil des Tageblatts: Bereits am 22. Februar berichten wir, dass Solinger Firmen mit Kontakten nach China erste wirtschaftliche Auswirkungen spüren. Solinger meiden derweil Asia-Restaurants aus Angst vor dem Virus – viel weiß man über die Krankheit noch nicht.

Corona bringt die Krankenhäuser in der Region an die Grenzen, zeitweise sind kaum Intensivbetten frei.

Ende Februar titelt das ST dann: „Masken sind vergriffen“ – kurz zuvor waren am 26. Februar in Gangelt (Kreis Heinsberg) die ersten Fälle in NRW nachgewiesen worden. Die Rosenmontagsumzüge im ganzen Land waren da gerade über die Bühne gegangen.

Wir brauchen alle Ärzte und Krankenschwestern.

Tim Kurzbach, Oberbürgermeister

Am 4. März hat die Angst vor dem Virus schon stark zugenommen – die Solinger hamstern Nudeln, auch in Arztpraxen und Firmen wächst die Unsicherheit. Am 6. März berichtet das Tageblatt über den städtischen Krisenstab, der eingerichtet wurde, um „auf eine weitere Ausbreitung des Coronavirus“ vorbereitet zu sein. Die ST-Ausgabe am 9. März wird dann für sehr lange Zeit die letzte sein, in der Corona in Bezug auf Solingen keine Rolle spielt – denn tags darauf werden die ersten Infektionen bekannt.

Schüler mit Maske im Unterricht: Immer wieder sind Schulen und Kitas ganz oder teilweise geschlossen.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Den Wendepunkt markiert eine Corona-Pressekonferenz der Stadt am 13. März, passenderweise ein Freitag. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) erklärt, dass sich die Bürger in den nächsten Wochen auf umfangreiche Einschränkungen im öffentlichen Leben einstellen müssen. Er spricht von einer „Bewährungsprobe für die Stadt“. Schulen und Kitas schließen ab 16. März, für Freizeit, Kultur und Sport gibt es zunächst nur Empfehlungen. Schon nach dem Wochenende wird klar, dass deutschlandweit auch Handel und Gastronomie schließen müssen – der erste Lockdown hat die Stadt im Griff.

In Solingen gibt es zu diesem Zeitpunkt 33 offiziell gemeldete Corona-Infizierte. 400 Personen befinden sich laut Stadtverwaltung in häuslicher Quarantäne. Um ein Ausbreiten der Epidemie zu verzögern, müssen alle Einzelhandelsgeschäfte geschlossen bleiben, die nicht der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten dienen. Friseursalons, Gaststätten und Restaurants dürfen nicht mehr öffnen. Sämtliche Grünanlagen sind gesperrt. Verboten sind Ansammlungen ab 15 Personen. OB Kurzbach fordert landesweit einheitliche Regeln.

In der Infektionsschutzambulanz in Bethanien werden viele Solinger mit PCR-Tests auf Coronaviren getestet.

Am 20. März werden in Bethanien zwischen 100 und 120 Personen täglich getestet. 36 Solinger sind infiziert – die OWG sagt das Dürpelfest für 2020 ab. Gruppen von mehr als vier Personen im öffentlichen Raum aus verschiedenen Haushalten werden verboten. Das Hamstern geht zurück. Die abgesagte Kulturnacht findet nun doch statt – im Internet. Viele weitere Veranstaltungen werden online folgen.

Am 21. März meldet das ST den ersten coronabedingten Todesfall in einer Solinger Klinik. Am Nachmittag zuvor war ein Haaner in der Lungenfachklinik Bethanien gestorben.

Am 22. März appelliert Tim Kurzbach in einer Videobotschaft an die Solinger: „Wir brauchen alle Ärzte und Krankenschwestern.“ Er begründet dies mit der Steigerung der Zahl der Infizierten. Bei 51 Menschen in der Klingenstadt ist das Virus zu diesem Zeitpunkt nachgewiesen. Die St. Lukas Klinik muss Masken und Desinfektionsmittel einschließen.

Handel, Gastronomie und Dienstleister müssen – je nach Lockdown – ganz schließen oder sich einschränken.

Weitere Schlagzeilen Ende März: 24. März: S 7 total überfüllt / Stadt setzt Kontrollen bei den Parkgebühren aus. 25. März: Mit Bia und Borbet kündigen zwei große Solinger Firmen Kurzarbeit an. 26. März: Solinger Geschäftsinhaber setzen auf Bestellung per Telefon, E-Mail oder Online-Shop – viele bringen die Ware selbst vorbei / Die Stadt hebt die Sperrung der Parks auf. 27. März: Abiturienten bereiten sich online auf die Prüfungen vor / Solinger Wirtschaftsförderung erwartet Tausende Anträge auf Soforthilfe. 28. März: Abiprüfungen werden verschoben / Wahlkampf verlagert sich ins Internet. 30. März: Jetzt schon 87 Corona-Fälle in Solingen. 31. März: Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister können sich ab sofort beim ST melden und erhalten einen kostenlosen Standardeintrag mit ihrem Angebot.

Übrigens: Auch 2020 gab es bereits eine Impfdebatte – die galt damals allerdings noch den Masern. Seit 1. März 2020 dürfen Kinder nur noch mit einer entsprechenden Impfung in die Kita.

Hier finden Sie alle Artikel unseres Rückblicks „Ein Jahr Corona in Solingen“:

April 2020: Schon gibt es wieder Lockerungen

Sommer 2020: Solingen hat die meisten Neuinfektionen in NRW – mit einer Inzidenz von 26,88

September 2020: Viele Fälle bei Reiserückkehrern

November 2020: Die Zahlen steigen rasant, der „Solinger Weg“ wird gestoppt

Dezember 2020: Inzidenzwert nähert sich 300

ab Januar 2021: Fälle gehen zurück, Mutationen nehmen zu

Unser Live-Blog ist seit Beginn der Pandemie aktuell. Hier finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen

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