Streuobstwiese am Eickenberg

Lutz Nöthen pflanzt alte Birnen-, Apfel- und Pflaumensorten

Lutz Nöthen (l.) und Gerhard Bahmer beim Einpflanzen am Gut Eickenberg in Aufderhöhe. Foto: Christian Beier
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Lutz Nöthen (l.) und Gerhard Bahmer beim Einpflanzen am Gut Eickenberg in Aufderhöhe.

Obstwiesenpraktiker Lutz Nöthen pflanzt alte Birnen-, Apfel- und Pflaumensorten in Aufderhöhe.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Rund 50 Zentimeter tief ist das Loch, das Lutz Nöthen für den Butterbirnenbaum in der weichen Wiesenerde ausgehoben hat. Zudem hat er es mit einem Maschendrahtkorb ausgelegt. „Aus unverzinktem Material, damit er im Laufe der Jahre verrosten und verwittern kann und den wachsenden Wurzeln kein Hindernis ist“, erläutert der Obstwiesenpraktiker, der an diesem sonnigen Novembertag auf der Streuobstwiese am Gut Eickenberg in Aufderhöhe im Einsatz ist.

Ohne dieses Drahtgeflecht hätten Wühlmäuse allzu leichtes Spiel – und die jungen Wurzeltriebe keine Chance auf Entfaltung. Deshalb packt Nöthen den gesamten Wurzelballen mit Draht ein und bedeckt alles sorgfältig mit Erde. Noch ragt der Erdballen ein Stück über der Grasnarbe heraus. „Aber das setzt sich noch und dann passt es genau“, ist sich der Experte sicher.

Das von der Stiftung zum Schutz von Tier und Natur betreute Areal ist ein besonders wertvolles Biotop: Eine Streuobstwiese ist eine von Menschen geschaffene Landschaftsform, die seit dem Mittelalter großflächig rund um die Dörfer entstand. Die Kombination aus alten Bäumen und Blühwiesen bietet einer großen Zahl verschiedener Tierarten Nahrung und Unterschlupf, zum Beispiel Insektenarten und Vögeln.

Es gebe nicht mehr viele solcher Wiesen, sagt Stiftungsvorsitzender Gerhard Bahmer, der bewusst von einem „Lebensraum-Mosaik“ spricht. Daher der Gedanke, den seit etlichen Jahren intakten Standort zu erweitern und einige Quadratmeter der bisher baumlosen Fläche zum bereits existierenden Obstbaumhof hinzuzufügen.

Für jede Sorte den optimalen Standort

Eine Arbeit, die im Vorfeld wohl bedacht und gut vorbereitet werden musste. Ausreichender Abstand zwischen den frisch gesetzten Bäumen garantiert nun, dass sich auch langfristig die Blätterkronen nicht berühren, dass jeder Stamm optimal zur Sonne steht, um ein Zuviel oder ein Zuwenig an direkter Strahlung zu vermeiden. Egal, ob Apfel „Prinz Albrecht von Preußen“ oder „Speckbirne“ – Lutz Nöthen hat für jeden von ihm markierten Standort die dafür optimale Sorte ausgesucht. Alte, regionale Obstsorten leisten ihren Beitrag für Nachhaltigkeit und Klimawandel – sie passen in ihrer Robustheit in die bergische Region.

Eine Streuobstwiese als eine von Menschen erfundene Kulturlandschaft erfordert regelmäßige Pflege. Eine Aufgabe, die die Stiftung zum Schutz von Tier und Natur in Aufderhöhe bereits seit mehr als 30 Jahren leistet.

Bei Obstbäumen bedeutet das zum Beispiel eine immer wiederkehrende Kontrolle, ob nicht unterhalb der Veredlungsstelle aus sogenannten schlafenden Augen die „Unterbau-Sorte“ der Birne oder des Apfels unerwünschte Seitentriebe entwickelt.

Besonders noch junge Stämme müssen vor Wildfraß geschützt werden – nicht nur Wühlmäuse im Boden könnten den Setzling schädigen, ein Anknabbern der Rinde von Rehen setzt den Bäumen ebenfalls zu.

Allergiker

Allergiker vertragen alte Apfelsorten oft besser. Denn: Sie enthalten mehr Polyphenol, das bei neueren Sorten herausgezüchtet wurde, um die Braunfärbung beim Anschnitt zu verhindern. Die Stoffe können jedoch Allergene im Körper binden.

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